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StartseiteKalenderblattEhrgeizig, ungeduldig, gereizt13.12.2013

Heinrich HertzEhrgeizig, ungeduldig, gereizt

Heinrich Hertz hat nicht mehr mitbekommen, dass er zum Namenspatron einer physikalischen Einheit wurde. Vor 125 Jahren berichtet er vor der Berliner Akademie der Wissenschaften über die von ihm entdeckten elektromagnetischen Wellen.

Von Frank Grotelüschen

Portraitdarstellung von Heinrich Hertz, schwarz-weiß, Mann mit Vollbart und Halbglatze (dpa/picture alliance/)
Heinrich Hertz war nach seiner Entdeckung ein gemachter Mann, erhielt Preise und wurde ins Ausland eingeladen. (dpa/picture alliance/)

Eine Stimmgabel, Kammerton a, Frequenz 440 Hz. Die Einheit gibt an, wie viele Male der Ton pro Sekunde schwingt. Benannt ist sie nach Heinrich Hertz. Der Physiker hatte die elektromagnetischen Wellen entdeckt - die Basis für die drahtlose Kommunikation. Am 13. Dezember 1888 wurde seine Entdeckung an der Königlich Preußischen Akademie in Berlin vorgestellt. Der Titel der Abhandlung: 

Über Strahlen elektrischer Kraft.

Hertz, 1857 in Hamburg geboren, begann nach dem Abitur zunächst ein Bauingenieur-Studium, wandte sich aber bald seiner eigentlichen Leidenschaft zu, der Physik.

"Die Physik war ein sehr kleines Fach damals."

Michael Eckert ist Wissenschaftshistoriker am Deutschen Museum in München.

"Physik als Beruf war eine Sache für Liebhaber und für solche, die sich wirklich dazu berufen fühlten."

Heinrich Hertz studierte in München und Berlin, danach ging er als Privatdozent an die Universität Kiel. Eine unruhige Zeit, in der sich Hertz auf immer neue Forschungsfelder stürzte. Zu den verschiedensten Themen veröffentlichte er Aufsätze:

"Über den Druck des gesättigten Quecksilberdampfes" oder "Über das Verhalten des Benzins als Isolator". Oder auch:„Versuche über die Glimmentladung.“

Doch nicht jedes Experiment gelang. Die Misserfolge notierte der Physiker kurz und knapp in sein Tagebuch:

"In schlechter Stimmung gewesen und nichts angreifen können."

"Ich glaube, man kann sagen, er war sehr, sehr ehrgeizig. Und wenn dieser Ehrgeiz nicht befriedigt wurde, dann wurde er ungehalten, ungeduldig, gereizt. Solche Stimmungsphasen findet man sehr oft in seinen Tagebuchnotizen."

Doch bald konzentrierte sich Hertz auf jenes Gebiet, das ihm den Durchbruch bringen sollte - die Elektrodynamik, also die Lehre von Elektrizität und Magnetismus. 20 Jahre zuvor hatte der Brite James Clerk Maxwell eine bemerkenswerte Theorie aufgestellt, heute bekannt als die Maxwell-Gleichungen.

"In diesen Theorien aus England wurde postuliert, dass es so etwas wie ein elektromagnetisches Feld gibt."

Monatelange Tüftelarbeit

Heinrich Hertz, mittlerweile Professor in Karlsruhe, machte sich auf die Suche nach diesen ominösen elektromagnetischen Wellen. Dazu installierte er in seinem Labor ein Experiment.

"Das Kernstück war ein sogenannter Funkeninduktor - eine Spule, die unter hohe Spannung gesetzt wurde. Dadurch sprangen Funken mit sehr hoher Spannung. Diese Funken haben elektromagnetische Wellen im Raum erzeugt. Und Hertz hat mit einer - heute würde man sagen - Antenne versucht, diese Funken nachzuweisen."

Und tatsächlich: Als Hertz den Funkeninduktor in Gang setzte, bemerkte er nach einigem Ausprobieren, dass auch in seiner Antenne ein paar schwache Fünkchen hin- und hersprangen.

13. November 1886. Geglückt, die Induktion zweier ungeschlossener Stromkreise aufeinander darzustellen. Abstand: 1,5 Meter.

Damit war die Existenz von Radiowellen zwar grundsätzlich bewiesen, allerdings nur über eine Strecke von anderthalb Metern. Das aber genügte dem ehrgeizigen Physiker noch nicht. Um sich seiner Sache sicher zu sein, wollte Hertz den Effekt über eine größere Distanz demonstrieren - und musste deshalb sein Experiment in monatelanger Tüftelarbeit verfeinern.

16. September 1887. Ins Auditorium mit meinen Apparaten gegangen, wo die Versuche besser gelangen.

Hertz lief quer durch den Hörsaal, mit der Antenne in der Hand. Jetzt zeigten sich die Funken selbst in neun Metern Entfernung - der endgültige Beweis für die Existenz der elektromagnetischen Wellen. Schnell machte die Nachricht die Runde. Heinrich Hertz war ein gemachter Mann, erhielt Preise und wurde ins Ausland eingeladen. Michael Eckert:

"Man hat später Hertz in den Mund gelegt, er hätte von einer technischen Anwendung gar nichts wissen wollen. Das ist übertrieben. Es stimmt, dass Heinrich Hertz nicht daran gedacht hat, gleich kurzfristig diese neue Entdeckung als Technik zu verwerten. Aber er hat es keineswegs für unmöglich gehalten und er war an diesen technischen Anwendungen selber sehr interessiert."

1894 starb Heinrich Hertz im Alter von nur 36 Jahren. Rundfunk, drahtlose Telegrafie und später dann Handy und WLAN - sollte er ebenso wenig miterleben wie die Ehre, zum Namenspatron einer physikalischen Einheit zu werden.

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