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Heizen mit Scheiten

Immer mehr Verbraucher kaufen sich eine Holz-Pelletheizung, weil die Öl- und Gaspreise kräftig gestiegen sind. Die Nachfrage nach der modernen Variante des Holzscheits - den Pellets - nimmt zu. In Buchenbach im Schwarzwald ist jetzt eine Holz-Pelletfabrik in Betrieb gegangen, die - so die Pläne der Betreiber - bald die größte Fabrik dieser Art in Deutschland sein wird.

Von Wolfgang Hörter |
    Vom Laufband fallen Sägemehl und Späne - alles Reste aus dem Sägewerk und Holzverarbeitungsbetrieb nebenan. Sie fallen auf drei verschiedene Haufen - gut sortiert von grob bis fein.

    "Die teuersten Qualitäten gehen in die Zellstoffindustrie und erlösen das meiste Geld. Die minderen Qualitäten -Abfälle, Reste und auch Rinden - gehen ins Heizkraftwerk und werden verbrannt. Und nur eine ganz bestimmte Qualität, nämlich weißes Sägemehl, kann man zu Pellets verarbeiten,"

    sagt Ulrich Kaier, Geschäftsführer der Pelletsfabrik.

    Die Holz-Pellets sehen aus wie Pferdefutter: Kleine Röllchen mit 6 Millimeter Durchmesser. Diese Granulatform macht es vor allem möglich, das Holzmehl gut zu transportieren und zu verbrennen. Das unbehandelte Sägemehl an Privathaushalte auszuliefern, wäre nämlich kaum machbar.

    "Von der Natur ist alles Holz, das hier liegt, bis zu 50 Prozent aus Wasser bestehend. Und nasses Sägemehl klebt, modert, verschimmelt, stinkt und gefriert im Winter. Es ist unmöglich in einer Energie-Anlage zu verwerten. In der Einzelfeuerung kann man Sägemehl vergessen,"

    so Kaier.

    Deshalb sind die Trocknungsanlage und die Presse auch die Kernstücke der Pellets-Fabrik. Wenn sie angefahren werden, hört man vor allem die Turbinen:

    " Hier ist die wichtigste Maschine: der so genannte Bandtrockner. Hier kommt das Mehl von oben auf das langsam laufende Band gefallen und wandert langsam vorwärts. Das Mehl wird dabei von oben mit ca. 60-70 Grad warmer Luft durchströmt,"

    erklärt Kaier. Und diese Warmluft kommt, genauso wie der Strom von einem Kraftwerk im Nebengebäude. Dort werden die minderwertigeren Holzreste verbrannt, die nicht zur Pellets-Produktion taugen. Nur durch diese Selbstversorgung sei die Fabrik auch wirtschaftlich und umweltfreundlich zu betreiben.

    Gegen Ende der Produktionskette werden letzte größere Holz-Stücke zerkleinert und das Holzmehl zu einem Teig gepresst. Der Teig wird dann durch eine Lochgitter gepresst. Unten kommen die Pellets erst wie Spaghetti heraus und werden dann kleingebrochen.

    35.000 Tonnen Pellets sollen hier produziert werden wenn die Anlage ausgelastet ist. In der Startphase zur Zeit muss die Anlage aber noch öfter abgestellt werden, doch bis zur nächsten Heizperiode soll sie voll laufen. Und bereits jetzt in Planung, die Produktion auf 50.000 Tonnen auszubauen. Sie wäre demnach - nach Aussage der Betreiber- in Deutschland die größte.

    Mitbeteiligt ist auch der Eigentümer des Sägewerks, wo die Holzspäne anfallen, Erwin G. Dold. Die Pellets-Fabrik ist für ihn nicht nur aus ökologischer Überzeugung entstanden, sondern soll vor allem wirtschaftlich arbeiten:

    "Unser Plan ist es, als integrierter Holzverarbeitungsstandort, sinnvolle Stufen der Wertschöpfung in unseren Betrieb einzugliedern und die Umwandlung von Sägemehl in Holzpellets ist unter den heutigen wirtschaftlichen und erlösmäßigen Bedingungen ein richtiger Schritt."

    In Österreich sind Holz-Pellets-Heizungen deutlich stärker verbreitet als in Deutschland. Dort werden etwa doppelt so viele Pellets hergestellt als in Deutschland. Doch hier zulande steigt die Zahl der Pellets-Heizungen: Im vergangenen Jahr kamen etwas 8500 dazu. Und für den Endverbraucher dürften bei steigenden Öl- und Gaspreisen die Anreize steigen:

    "Die Energie selbst ist 30 bis 40, sogar bis zu 50 Prozent preiswerter als Öl und Gas. Und sie bleibt in ihrem Preiskorridor auch relativ stabil. Sie hat keine Gründe mit den anderen Brennstoffen zu steigen. Natürlich ist aber die Anlage beim Einzelkunden teurer als eine Öl- oder Gasanlage."

    Eine Pellets-Anlage kann bei der Anschaffung etwa doppelt so teuer werden. Dennoch rechnen viele Vereine zur Förderung regenerativer Energien vor, dass es sich bereits jetzt durch die Einsparungen beim laufenden Betrief und durch staatliche Zuschüsse lohnt. Doch die genauen Kosten und Ersparnisse hängen stark vom Einzelfall ab. Und die muss jeder für sich selbst berechnen.