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StartseiteForschung aktuell"Nachhaltigkeit hat viele Facetten"29.11.2019

Helmholtz Nachhaltigkeitsgipfel"Nachhaltigkeit hat viele Facetten"

Auch die Forschung müsse etwas für die Nachhaltigkeit tun, sagte Thomas Hirth vom Karlsruher Institut für Technologie im Dlf über den Nachhaltigkeitsgipfel der Helmholtz-Gemeinschaft. Dabei gehe es auch um nachhaltigere Prozesse und Produkte - und um deren gesellschaftliche Akzeptanz.

Thomas Hirth im Gespräch mit Uli Blumenthal

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Eine junge Frau geht an einem Großplakat der Bio Company mit der Aufschrift "Kauf weniger." vorbei.  (dpa / Wolfram Steinberg)
Wie lässt sich mehr Nachhaltigkeit realisieren? Das wurde auch auf dem Nachhaltigkeitsgipfel der Helmholtz-Gemeinschaft diskutiert. (dpa / Wolfram Steinberg)
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Uli Blumenthal: Die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren ist ein Verbund aus 19 unabhängigen naturwissenschaftlich-technischen und biologisch-medizinischen Forschungszentren. Mit mehr als 40.000 Mitarbeitenden und einem Jahresbudget von 4,8 Milliarden Euro ist sie die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Heute geht in Berlin der 1. Nachhaltigkeitsgipfel zu Ende. Und ich habe darüber am Mittag mit Professor Dr. Thomas Hirth vom Karlsruher Institut für Technologie gesprochen und ihn zunächst nach den drei wichtigsten Ergebnissen gefragt.

Thomas Hirth: Also wichtig ist auf jeden Fall das Thema noch stärkere Sichtbarkeit von dem, was Helmholtz für Nachhaltigkeit und auch für den Standort Deutschland, für Europa für die globale Entwicklung leisten kann. Das Zweite ist, Nachhaltigkeit hat viele Facetten, da müssen wir an verschiedenen Stellen – auch an den Instituten, nicht nur in der Forschung, sondern vor allem im Management, auch dort im Commitment, im Personal, im Bau- und Infrastrukturbereich – was tun. Und das dritte Element ist einfach, durch noch stärkere Zusammenarbeit können wir, glaube ich, noch viel mehr bewegen. Das waren so für mich die drei wesentlichen wichtigen Erkenntnisse der zwei Tage hier jetzt in Berlin-Buch.

Blumenthal: Können Sie mal so ein Beispiel geben, wo die Helmholtz-Gemeinschaft sagt, wir arbeiten, wir forschen nachhaltig?

Hirth: Ein großer Forschungsbereich der Helmholtz-Gemeinschaft ist ja das Programm "Erde und Umwelt", wo wir natürlich ganz stark an den Ursachen und den Folgen des Klimawandels forschen und damit natürlich einen wesentlichen Beitrag leisten zur Nachhaltigkeitsforschung. Und auf der anderen Seite natürlich auch gerade in den Bereichen Mobilität und Energie Lösungen für die Mobilitätswende und für die Energiewende aufzeigen.

"Stakeholder in diesen Forschungsprozess integrieren"

Blumenthal: Nun heißt ja das Motto der Veranstaltung "Forschen und arbeiten in der Helmholtz-Gemeinschaft mit Nachhaltigkeitsanspruch – leichter gesagt als getan". Wo liegen die Schwierigkeiten für die Helmholtz-Gemeinschaft?

Hirth: Ich glaube, das liegt einfach in der Begrifflichkeit "Forschen mit Nachhaltigkeitsanspruch", das heißt natürlich einmal, Lösungen für die Zukunft erarbeiten, nachhaltige Prozesse, nachhaltige Produkte, das ist einerseits. Aber natürlich auch das ganze Thema Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung, wie können den Dialog mit der Gesellschaft stärker eingehen. Wir haben heute Morgen zum Beispiel sehr intensiv über das Thema Reallabore gesprochen, wo wir ja auch versuchen, durchaus alle Stakeholder in diesen Forschungsprozess irgendwo mit zu integrieren, mit ihnen zu diskutieren, um auch eine höhere gesellschaftliche Akzeptanz auch von Lösungen zu erreichen.

Blumenthal: Was sind äußere Rahmenbedingungen, denen sich die Gemeinschaft ausgesetzt sieht, um nachhaltiger zu arbeiten?

Hirth: Wir haben heute beispielsweise sehr intensiv darüber diskutiert, wie können wir noch stärker sichtbar sein, wie können wir noch stärker im äußeren Umfeld, also auch in dem Dialog mit der Politik, unsere Position stärker sichtbar machen. Wie können wir überzeugend wirken, dass wir die Dinge, die wir entwickeln, auch viel stärker noch in den Transfer, in die Praxis, zum Wohle für Gesellschaft und Wirtschaft umsetzen. Das ist ein wichtiger Punkt, über den wir heute diskutiert haben. Wir haben über die Balance diskutiert zwischen einerseits Grundlagenforschung, Erkenntnisorientierung, die wichtig ist. Und auf der anderen Seite natürlich auch den Transfer und auch über die Wechselwirkung mit der Gesellschaft, denn die Gesellschaft fragt ja immer mehr nach, was wir tun, warum wir das tun, was es ihr nutzt. Und mit welchen Instrumenten wir auch der ganzen Diskussion begegnen.

"Persönlicher Kontakt ist extrem wichtig"

Blumenthal: In vielen Forschungseinrichtungen wird ja auch diskutiert, Flüge zu vermeiden unter 1000 Kilometer Entfernung, also Dienstreisen sozusagen viel stärker auch mit dem Zug zu realisieren. War das auch ein Thema auf Ihrem ersten Nachhaltigkeitsgipfel gewesen?

Hirth: Ja, auch darüber haben wir gestern Abend und auch heute sehr kontrovers diskutiert. Natürlich versucht man viel auch durch Videokonferenzen, durch Telefonate zu erledigen, aber wir haben sowohl gestern Abend als auch heute festgestellt, der persönliche Kontakt, dafür muss man vielleicht auch mal fliegen, ist natürlich extrem wichtig. Und Wissenschaft lebt halt vom persönlichen Austausch. Insofern kann man natürlich ein bisschen was reduzieren, aber wir werden gar nicht auf null reduzieren können. Denken Sie beispielsweise, große Forschungsexpeditionen, auch die ganzen internationalen Konferenzen, die ja von der persönlichen Begegnung leben, können wir ja damit nicht ersetzen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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