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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Unsicherheit muss aufhören20.10.2019

Herausforderungen für die WeltwirtschaftDie Unsicherheit muss aufhören

Die Politik müsse für international tätige Konzerne wieder berechenbarer werden, kommentiert Eva Bahner. Der Protektionismus zeige sich inzwischen nicht nur in nackten Zahlen, sondern erzeuge vor allem eine Unsicherheit, die auf Dauer noch viel mehr Schaden anrichten könne.

Von Eva Bahner

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Zwei Lastkähne bringen ein Containerschiff zur Werft in Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong. (dpa-Bildfunk / CHINATOPIX)
Der globale Handel sei so gut wie zum Erliegen gekommen und falle als Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft aus, kommentiert Eva Bahner. (dpa-Bildfunk / CHINATOPIX)
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Es ist keine Rezession, noch nicht einmal eine Krise, und dennoch ist die Wirtschaftsflaute, die derzeit rund um den Globus herrscht, besorgniserregend. Lange war nur von abstrakten Wachstumsrisiken die Rede, wenn es um den Handelskonflikt zwischen den USA und China ging, jetzt ist die Rechnung da. Chinas Wirtschaft wächst so langsam wie seit 27 Jahren nicht mehr, und auch in den USA gibt es erste Anzeichen für ein Ende des Wirtschaftsbooms.

Deutschlands Sorge um die Konjunktur bleibt

Und: Nach eineinhalb Jahren Zoll-Ping-Pong zwischen Peking und Washington ist klar: einen lachenden Dritten wird es nicht geben. Im Gegenteil: Vom Export abhängige Länder leiden besonders unter dem Konflikt der beiden großen Wirtschaftsmächte. Allen voran Deutschland, das so gut wie allen Industriestaaten derzeit hinterherhinkt. Anders als in den Jahren zuvor war der deutsche Finanzminister zwar dieses Mal in Washington aus der Schuss-Linie, bekam sogar am Ende ein Lob für seine Investitionsfreude und das milliardenschwere Klimaschutzprogramm. Doch die Sorge um Deutschlands Konjunktur bleibt.

Dazu kommt: die Angst vor einer Eskalation im transatlantischen Handelsstreit. Die Importzölle auf Stahl und Aluminium aus der EU, auf Flugzeuge, Käse und Wein mögen noch verkraftbar sein. Doch schon Mitte November könnte sich die Zollspirale gefährlich weiterdrehen, wenn US-Präsident Donald Trump sich entschließt, importierte Autos aus der EU noch teurer zu machen. Und: Nicht zu vergessen, die Hängepartie um den Brexit und die Angst vor einem chaotischen Austritt Großbritanniens, die viele Unternehmen verunsichert.

Unternehmen schieben Investitionen auf die lange Bank

Der globale Handel ist so gut wie zum Erliegen gekommen und fällt als Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft aus. Die Faustformel, wonach der Handel doppelt so schnell wächst wie die Wirtschaft, gilt nicht mehr. Der Protektionismus zeigt sich inzwischen nicht nur in nackten Zahlen, sondern erzeugt vor allem eine Unsicherheit, die auf Dauer noch viel mehr Schaden anrichten kann. Für Unternehmen ist es schwierig, wenn nicht nahezu unmöglich, Lieferketten zu erhalten, geschweige denn neue aufzubauen. Die Folge: Unternehmen schieben Investitionen auf die lange Bank.

Diese Unsicherheit muss aufhören, Politik muss wieder berechenbarer werden für international tätige Konzerne. Die können nur mit einer gewissen Planungssicherheit langfristig wachsen und Arbeitsplätze sichern. Ist das nicht der Fall, könnte es eine Kettenreaktion geben, vor der die neue Chefin des Internationalen Währungsfonds gewarnt hat in Washington. Was nämlich, wenn Arbeitsplätze verloren gehen und auch Bürgern und Bürgerinnen die Konsumlaune vergeht? Dann hätte das verheerende Folgen. Denn viele Industriestaaten sind nicht nur abhängig vom Export, sondern auch von einem starken Binnenmarkt, allen voran die Vereinigten Staaten. Kristalina Georgiewa hat recht: Schon allein aus Eigeninteresse sollten Staaten zusammenarbeiten, um die Handelsstreitigkeiten zu beenden.

Multilateralismus ist gefragter denn je

Es sind überzeugende Argumente der promovierten Volkswirtin, die hoffentlich auch im Weißen Haus Gehör finden. Ihre Entschlossenheit und Geradlinigkeit, die die Bulgarin bei ihrem ersten Herbst-Treffen in Washington an den Tag gelegt hat, lässt hoffen, dass sie es schafft als IWF-Chefin, den Multilateralismus wiederzubeleben.

Der ist gefragter denn je, wo geld- und fiskalpolitisch die Mittel nahezu ausgeschöpft sind. Den größten Konjunkturschub würde Handelsfrieden bringen, sprich ein Ende aller Handelskonflikte und Unsicherheiten.

Eva Bahner, Wirtschaftsredaktion, Funkhaus Köln, 27.06.2019 (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Eva Bahner (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Eva Bahner wurde 1973 in Baden-Württemberg geboren. Sie studierte Volkswirtschaft in Tübingen und Boston, danach Volontariat in der n-tv-Wirtschaftsredaktion und an der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Heute arbeitet sie in der Deutschlandfunk-Wirtschaftsredaktion.

  

 

 

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