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StartseiteWissenschaft im BrennpunktHelfer für Kräutersammler18.10.2015

HerbariumHelfer für Kräutersammler

Mehr als 70 europäische Gift- und Heilpflanzen haben Autor Bernard Bertrand und Fotograf Yannick Fourié in einem Buch zusammengestellt. Kräutersammler finden neben wichtigen Informationen auch kurzweilige Geschichten zu den Pflanzen.

Frische Wildkräuter liegen auf einer Scheibe Brot. Immer mehr Menschen wollen weg von der faden Supermarkt-Kost und entdecken Wildkräuter für sich. (picture alliance / dpa / Philipp Schulze)
Wer sich irrt und giftige Pflanzen ist, kann an den Folgen sterben. (picture alliance / dpa / Philipp Schulze)

Autor Bernard Bertrand und Fotograf Yannick Fourié haben ein ganz besonderes Bilderbuch zusammengestellt haben: Es zeigt mehr als 70 Heil- und Giftpflanzen aus den Herbarien Europas. Dazu gibt es informative Texte zu ihrer Wirkung, Verwendung und allerlei kurzweiligen Geschichten.

Solange auch die Blätter des Weißen Germers besonders giftig sind, lassen Kühe ihr Maul davon: Sie fressen die Giftpflanze - falls überhaupt - erst am Ende des Almsommers, wenn der Alkaloid-Gehalt nachlässt. Schwarzbrenner, die sich heimlich mit dem Grundstoff für den berühmten Enzianschnaps versorgen wollen, erweisen sich manchmal als weniger kenntnisreich. Sie verwechseln Weißen Germer und Gelben Enzian und stellen aus der besonders giftigen Wurzel dann einen "diabolischer Cocktail" her, "der uns vor Augen führt, dass Irrtümer beim Sammeln von Wildkräutern tödlich sein können", schreibt Bernard Bertrand in "Das Herbarium der Heil- und Giftpflanzen".

Die Dosis macht das Gift

Auch wenn ein Anhänger der Wildküche eine junge Fingerhutpflanze mit Beinwell oder Borretsch verwechselt, kann er seinen letzten Fehler gemacht haben. Die Pflanze, deren Gift Herzkranken helfen kann, ist eben auch tödlich, wenn man nicht richtig mit ihr umgeht - die Dosis macht halt das Gift, wie schon Paracelsus wusste.

"Das Herbarium der Heil- und Giftpflanzen" ist ein großformatiges Buch, in dem jede der ausgewählten Pflanzen auf einer Doppelseite ihren Steckbrief bekommt: Die eine ist ihrem "Herbariumsauftritt" gewidmet, die andere enthält Informationen zur Botanik, zu Wirkstoffen und Einsatzgebiet, aber auch Wissenswertes zu kulturhistorischen Hintergründen jeder Pflanze oder wo sie früher einmal überall gewachsen ist.

Sehr schade ist allerdings, dass in einigen Fällen die winzigen "Lebendfotos" leider die falschen Pflanzen zeigen. Das sollte bei einer neuen Auflage korrigiert werden. Der Lesefreude tut das aber keinen Abbruch.

Bernard Bertrand und Yannick Fourié: "Das Herbarium der Heil- und Giftpflanzen." Übersetzerin: Sibille Schmitz. Haupt Verlag, 192 Seiten, 335 Abbildungen, 39.90 €, ISBN: 978-3-258-07914-1.

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