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StartseiteKommentare und Themen der WocheWirtschaftspolitik bleibt in Corona-Zeiten ein Blindflug30.10.2020

HerbstprognoseWirtschaftspolitik bleibt in Corona-Zeiten ein Blindflug

Die deutsche Wirtschaft sei trotz Corona-Pandemie gut durchs dritte Quartal gekommen, kommentierte Günter Hetzke im Dlf. Allerdings sei eine Prognose über das nächste Quartal oder das Folgejahr wenig wert. Zu unklar sei, ob der Export dann weiter florieren könne und die Deutschen weiter konsumieren.

Von Günter Hetzke

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Eine Großbaustelle mit Kränen bei Sonnenuntergang (picture alliance / Zoonar / Pavlo Vakhrushev)
Im dritten Quartal gab es eine deutliche Erholung - doch was die Zukunft bringt, kann niemand wissen, meint Günter Hetzke (picture alliance / Zoonar / Pavlo Vakhrushev)
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Ach, dieses Zahlenwerk: Von vielen Wirtschaftsvertretern gefürchtet und doch herbeigesehnt, wichtig auf der einen, völlig unsinnig auf der anderen Seite.

Wichtig ist in diesem Fall der Blick zurück. Dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal durchaus kräftig zulegte um 8,2 Prozent im Vergleich mit dem schwachen Vorquartal. Das zeigt uns nämlich, dass die Mittel zur Stabilisierung und Ankurbelung der Konjunktur durchaus greifen. Wie zum Beispiel die von der SPD initiierte Einführung des Kurzarbeitergeldes, das von vielen Unternehmen freiwillig auch noch aufgestockt wurde. Dadurch konnten Arbeitsplätze erhalten und die Kaufkraft gefördert werden. Und die ist eine wichtige Säule für das Wirtschaftswachstum.

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Und sie blieb es: Die privaten Konsumausgaben waren hoch. Auffallend auch der stark gestiegene Export, was zeigt, dass Lug und Betrug weiter Teile der Autoindustrie und der Zulieferbetriebe sowie katastrophale Planungen und Ausführungen bei Großprojekten in Deutschland, Stichwort BER, dem Ruf von Waren "Made in Germany" nicht geschadet haben. Auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist die Nachfrage hoch.

Unsinnig ist der Blick nach vorne

Unsinnig ist dagegen der Blick nach vorne, auch wenn der Bundeswirtschaftsminister natürlich Zahlen braucht, die er in die Bücher schreiben und mit dessen Hilfe er grob Einnahmen kalkulieren kann. Doch diese Zahlen für das nächste Quartal, das Gesamtjahr und das folgende, sie sind derzeit wenig wert. Das weiß auch Peter Altmaier, auch wenn er betont, dass die in dieser Woche beschlossenen Verschärfungen der Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern bereits eingepreist sind.

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Doch erstens weiß niemand, wie sich die Exporte entwickeln werden, wie sehr unsere wichtigen Abnehmerländer ihre Investitionen und damit ihren Einkauf stoppen müssen, wenn Corona weiter so wütet, wie jetzt. Und sie das Geld für andere, für humanitäre oder soziale Zwecke beispielsweise, benötigen. Und zweitens weiß niemand, ob die Menschen in Deutschland weiter bereit sind, zu prassen und zu shoppen oder ob sie, verunsichert durch die neuen Corona-Maßnahmen, nicht eher doch für mögliche Notzeiten sparen, Geld zurücklegen.

Fakt ist: Wirtschaftsprognosen stehen derzeit schlicht auf tönernen Füßen. Und Wirtschaftspolitik bleibt in Corona-Zeiten ein Blindflug. Bisher hat es ganz gut geklappt mit der Navigation, aber das ist eine Momentaufnahme. Und so können wir nur hoffen, dass sie ausbleibt: Die Fahrt gegen die Wand.  

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