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Startseite@mediasresGuter Journalismus als Mittel gegen Anfeindungen01.05.2019

Heribert Prantl zur PressefreiheitGuter Journalismus als Mittel gegen Anfeindungen

Der Publizist Heribert Prantl wünscht sich von deutschen Journalisten mehr Souveränität. Er sei zuversichtlich, dass sich der Vorwurf des "Lügenjournalismus" nicht lange halten werde, sagte er im Dlf. Gleichzeitig kritisierte er den Stand der Pressefreiheit in der Bundesrepublik.

Heribert Prantl im Gespräch mit Brigitte Baetz

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Porträt von Heribert Prantl (imago/Sven Simon)
Heribert Prantl war jahrelang Mitglied der Chefredaktion und Leiter des Ressorts Innenpolitik der "Süddeutschen Zeitung" (imago/Sven Simon)
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Dass kluges, kritisches, journalistisches Agieren als Lügerei betrachtet werde, kenne man von Donald Trump, sagte der Journalist Heribert Prantl im Dlf: "Ansätze dazu gibt es auch bei der AfD hierzulande." Die Partei schüre "Lügenpresse"-Vorwürfe.

Journalisten müssten dennoch souverän bleiben, forderte Prantl: "Man reagiert am besten so, dass man gute, kluge, ordentliche, kritische Arbeit macht und sich nicht einschüchtern lässt." Er sei "eigentlich ganz zuversichtlich", dass sich der Vorwurf des Lügenjournalismus dann nicht lange halten werde.

"Weinerlichkeit" auf Medientagen

Der Journalist war viele Jahre lang Mitglied der Chefredaktion und Leiter des Ressorts Innenpolitik der "Süddeutschen Zeitung". Er beobachte auf Medientagen bei Journalisten eine "Weinerlichkeit" und Angst vor sozialen Netzwerken.

Souveräner Journalismus müsse sich vor den neuen Entwicklungen nicht fürchten, betonte Prantl. Er bewähre sich sowohl in analogen Medien als auch in der digitalen Welt.

Sicherheitsgesetze schränken Pressefreiheit ein

Den Stand der Pressefreiheit in Deutschland sieht er kritisch: "Man geht mit der Pressefreiheit ein bisschen um wie eine normale deutsche Familie mit dem Weihnachtsschmuck: Bei besonderen Anlässen hängt man das an den Baum und dann nach ein paar Tagen packt man’s wieder weg."

Bei den Sicherheitsgesetzen der vergangenen zehn, zwanzig Jahre habe er nicht das Gefühl gehabt, dass die Pressefreiheit besonders geschätzt werde. Als Beispiele nannte er die Gesetze zur Überwachung der Telekommunikation und zur Vorratsdatenspeicherung.

Zu wenig Sensibilität in der Politik

"Da gibt es keine Ausnahmeregelungen für Journalisten", kritisierte Prantl. Journalistentelefone würden überwacht, Telefonnummern gespeichert und Computer von Journalisten könnten elektronisch durchsucht werden.

"Feuer am Dach" gebe es bei der Pressefreiheit nicht, aber die Sensibilität für die Pressefreiheit sei nicht so groß in der Politik "wie man bei festlichen Anlässen gerne tut", sagte der Journalist.

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