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StartseiteTag für TagRehabilitierung eines verhassten Herrschers26.12.2014

HerodesRehabilitierung eines verhassten Herrschers

Für das Neue Testament ist die Sache eindeutig: Herodes trachtet dem neugeborenen Jesuskind nach dem Leben, weil er seine eigene Herrschaft bedroht sah. Als brutaler Kindermörder von Bethlehem ist er deshalb in die Geschichte eingegangen. Doch durch die Arbeit von Archäologen und Historikern hat Herodes in den vergangenen Jahrzehnten eine Neubewertung und Rehabilitierung erfahren.

Von Monika Konigorski

Eine Krippenfigur des römischen Klientelkönigs Herodes, auch "Herodes der Große" genannt (picture-alliance / dpa/David Ebener)
Eine Krippenfigur des römischen Klientelkönigs Herodes, auch "Herodes der Große" genannt (picture-alliance / dpa/David Ebener)
Weiterführende Information

Unbeliebt und doch bewundert
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Seine Beerdigung hatte der große König minutiös geplant. Die letzten Meter zu seiner Grabstätte Herodion nahe Bethlehem hatte Herodes eigens als Prachtstraße ausbauen lassen. Sein Leichnam sollte in einer feierlichen Prozession zum Mausoleum gebracht werden. Am Weg standen Soldaten und Sklaven, um ihm die letzte Ehre zu geben. 

Prächtig war der Trauerzug, doch allzu viel Tränen dürften nicht vergossen worden sein: Herodes starb als verhasster Herrscher. Posthum verschlechterte sich sein Ruf noch um ein Vielfaches. Als menschliches Monster, das unzählige unschuldige Kinder hatte meucheln lassen, ging Herodes in das kollektive Gedächtnis der Menschheit ein.

Doch durch die Arbeit von Archäologen und Historikern hat Herodes I. in den letzten 100 Jahren eine Neubewertung und Rehabilitierung erfahren. Der Berliner Althistoriker Ernst Baltrusch:

"Er ist eine der für mich faszinierendsten Persönlichkeiten in der Antike überhaupt, weil er einerseits in dieser Region für fast eine Generation geschafft hat Ruhe einkehren zu lassen und diese Kämpfe, diese ständigen Auseinandersetzungen einzudämmen."

Herodes der Große - nun also ein Friedensfürst? Oder doch eher ein Wahnsinniger?

"Mitte des ersten Jahrhunderts vor der Zeit ist es so, dass in Judäa gab es für fast ein Jahrhundert ein unabhängige, jüdische Dynastie, die Hasmonäer, die in Jerusalem regiert haben. Sie waren sowohl Könige als auch Hohepriester und sie hatten natürlich weiter ihre Unabhängigkeit halten wollen."

Statthalter von Galiläa

Schildert die israelische Historikerin und Judaistin Tal Ilan die Zeit, in der Herodes zunächst Statthalter von Galiläa wird. Unter Pompeius waren die Römer im Jahr 63 v. Chr. bis an das östliche Mittelmeer vorgerückt. Das Hasmonäerreich verliert seine Unabhängigkeit, existiert jedoch als römischer Klientelstaat fort. Als es zu einem Thronkrieg unter den Söhnen der letzten Hasmonäerkönigin kommt, entscheidet schließlich Pompeius darüber, wer König wird. In dieser Situation nutzt auch der Vater von Herodes, Antipater, die unklaren Verhältnisse, erklärt Tal Ilan.

"Der Vater von Herod war schon ein wichtige Beamter in der hasmonäische Regierung. Vielleicht kann man auch sagen, dass die Familie von Herod selbst waren neue Menschen. Sie stammen ursprünglich nicht von irgendwelche alte jüdische Familie, sondern sie stammen aus einer edomitischen Familie."

Die Edomiten, die später auch Idumäer heißen, waren im 2. Jahrhundert vor Chr. von den Hasmonäern besiegt und zum Judentum zwangskonvertiert worden.

"Mindestens für die Familie von Herodes war dieses nicht so traumatisch. Sie hatten diese neue Situation zu ihrer Gunst ausgenutzt. Der Vater von Herodes war ein ausgezeichneter Diplomat. Er hat diese Situation zwischen den zwei Brüdern und Rom ausgenutzt, unter anderem um seine eigene Familie zu unterstützen. Dadurch ist Herodes zu dieser Stelle als Statthalter von Galiläa gekommen."

Flavius Josephus, der jüdisch-römische Chronist aus dem 1. nachchristlichen Jahrhundert beschreibt den jungen Herodes in seinen "Jüdischen Altertümern".

Hinrichtung des Räuberhauptmannes Ezechias

"Dieser war noch sehr jung, indem er erst fünfundzwanzig Jahre zählte, zeigte aber keinerlei Schwächen seines Alters, sondern fand, weil er entschlossenen Charakters war, bald Gelegenheit, seine Fähigkeiten zu zeigen. Als er nämlich dem Räuberhauptmann Ezechias, der mit einer großen Schar die Nachbargegenden von Syrien durchzog, zufällig begegnete, ließ er ihn ergreifen und mit vielen seiner Raubgenossen hinrichten."

Auch die römische Welt war in Aufruhr. Nach der Ermordung Caesars herrschte in Rom Bürgerkrieg. Die persische Dynastie der Perser, die Konkurrenzmacht der Römer, nutzte die chaotische Situation in Rom, um im Jahr 40 v.Chr. ganz Judäa zu erobern. Die Hasmonäer sollten den König für Judäa stellen. Herodes floh nach Rom. Er suchte die Unterstützung der Römer, damit Judäa wieder Roms Einfluss unterworfen würde.

"Er meinte, wenn die Parther sagen, dass sie einen hasmonäischen Kandidat als den jetzigen König mitgebracht hatten, er hat sozusagen auch einen hasmonäischen Kandidaten. Und zwar war er mit einer hasmonäischen Prinzessin verheiratet, das hat für ihn sein Vater so geplant. Er wollte sagen: Ja, der Bruder von meiner Frau könnte ein legitimer hasmonäischer König in unserem Namen sein. Aber die Römer waren von Herodes selbst beeindruckt und sie sagten: Hier, nimm eine Armee, geh nach Judäa; wenn du Jerusalem eroberst, dann kannst du König sein."

Das tat Herodes. Den letzten Hasmonäerkönig Antigonos ließ er hinrichten. Damit war die Oberherrschaft der Römer über Judäa besiegelt, das Streben nach größtmöglicher Eigenständigkeit Judäas als unabhängiger Kraft zwischen den Großmächten beendet. Dass Herodes sich mit den Römern arrangierte, hatte Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation Judäas.

"Er hat einen Vater, der ihn geprägt hat. Der hat ihm auch deutlich gemacht, dass das A und O der Herrschaft die Beziehung zu den Römern darstellt, denn ohne die geht es nicht, gegen die geht es nicht. Und beide, der Vater, An’tipater, und Herodes haben sich beide bis zur Selbstverleugnung an das Prinzip gehalten. Sie haben nie etwas gegen die Römer gemacht."

Herodes - ein Knecht Roms

Für die Befriedung der Region musste Judäa seine religiöse Autonomie aufgeben. Herodes, so Althistoriker Baltrusch, habe sich Zeit seines Lebens bemüht, diese Autonomie so weit aufrecht zu erhalten, wie es möglich war. Die Rabbinen werden dies einige hundert Jahre später allerdings kritisch sehen.

"Er war ein richtiger Knecht Roms, wie die Juden ihn im Talmud nennen. Die Rabbinen haben merkwürdigerweise relativ wenig über Herodes zu sagen, am meisten finden wir in dem späteren babylonischen Talmud. Sie klagen gegen Herodes, dass er wirklich verantwortlich war für die Tötung der ganzen hasmonäischen Familie – was wir auch wissen – inklusive seiner Frau und seinen eigenen Kindern. Und zweitens sagen sie auch, dass er die Weisen Israels unterdrückt hat oder sogar getötet – also, sie finden, er ist ein richtig böser König. Auf der anderen Seite müssen sie sagen, der Tempel war so schön und es war eine Art Buße für die bösen Dinge, die er getan hat."

Insgesamt soll Herodes zehn Ehen geführt haben, teilweise gleichzeitig. Seine erste Frau Doris und den gemeinsamen Sohn Antipater entlässt er, als es politisch geboten scheint, die Hasmonäerprinzessin Mariamne zu heiraten, um als jüdischer König legitimiert zu sein und vom Volk anerkannt zu werden.

Die Frage, ob Herodes selbst wirklich Jude war, verfolgte ihn zeitlebens. Als Sohn von Konvertiten war er rein formal Jude. In nicht-jüdischen Kreisen galt er als Repräsentant des Judentums schlechthin.

"Er hat wirklich diese Religiosität als Instrument seiner Herrschaft eingesetzt. Er sah sich im Umgang mit den Juden auch als jüdischer Herrscher. Aber wenn er nach Rom kam, war es für ihn kein  Problem auch die jüdische Religion zu vergessen und auch Schweinefleisch zu essen an den Prozessionen für deren Götter teilzunehmen. Also er war da wirklich eine gespaltene Persönlichkeit. Und das trägt sicher auch nicht zu seiner seelischen Ausgeglichenheit bei, die man am Ende ja deutlich spüren kann."

Wissenschaftler bewerten Kindermord kritisch

"Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle."

Die biblischen Erzählungen, in denen Herodes eine Rolle spielt, wurden seit dem frühen Christentum breit rezipiert. Sie bestimmen das Herodesbild bis in die Gegenwart. Unzählige Darstellungen in der Kunst wie in der Literatur und Musik zeugen davon. Die biblische Herodeserzählung bei Matthäus endet mit dem Kindermord von Bethlehem. Weil Herodes den neugeborenen König der Juden als Kontrahenten fürchtet, lässt er alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten.

Thomas Schumacher, Neutestamentler an der Universität Fribourg in der Schweiz.

"In der bibelwissenschaftlichen Diskussion gibt es eine gewisse Tendenz, diese Historizität des Kindermordes eher kritisch zu bewerten. Ein Hauptgrund liegt darin, dass Flavius Josephus vor allem in seiner Schrift 'Jüdische Altertümer' sehr bemüht ist, sämtliche Schandtaten des Herodes zu überliefern. Und ausgerechnet vom Kindermord berichtet er nichts."

Die meisten Historiker stimmen darin überein, dass der Kindermord so nicht stattgefunden hat. Auch Ernst Baltrusch ist sicher, dass die Geschichte vom Evangelisten Matthäus eigens so komponiert worden ist.

"Ein zweiter Punkt ist, dass man mit großen Herrschergestalten solche Mythen gerne verband, also auch mit Augustus ist ein Kindermord verbunden, auch mit Kyros dem persischen König. Das heißt, diese Kindermordgeschichte greift vorhandenes Mythenmaterial auf. Ein dritter Punkt ist, dass dieser Kindermord und die ganzen Umstände der Flucht von Jesus, die Möglichkeit Matthäus geboten haben, diese Geburt Jesu in diesen göttlichen Rahmen hinein zu bringen."

Herodes hat wasserdichtes Alibi

Dazu kommt, dass Herodes ein wasserdichtes Alibi hat, merkt auch die Judaistin Tal Ilan an. Der König kann gar keinen Kindermord in Auftrag gegeben haben, um Jesus zu töten, denn:

"Wie wir wissen, Herodes ist im Jahr 4 vor der Zeit gestorben. Das bedeutet, dass zur Zeit Jesus oder zur Zeit der Geburt Jesus kein Herodes mehr gab."

Doch für den Neutestamentler Thomas Schumacher ist das kein schlüssiges Argument. Im Unterschied zum Todesjahr von Herodes gilt das Geburtsjahr Jesu als historisch nicht gesichert.

"Unsere Zeitrechnung legt zwar die Vermutung nahe, dass Herodes bei der Geburt Jesu und damit auch zur Zeit des Kindermordes bereits verstorben war. Aber weil das Matthäus Evangelium und das Lukas Evangelium beide übereinstimmend berichten, dass Jesus noch zu Lebzeiten des Herodes geboren wurde, vertraut man dieser Angabe eher, und datiert dann die Geburt Jesu in die letzten Regierungsjahre Herodes des Großen und damit eine Zeit vor 4 v. Christus."

Tatsächlich lesen aber auch christliche Exegeten heute die matthäische Darstellung des Kindermordes vor einem anderen Hintergrund. Herodes selbst ließ drei seiner Söhne hinrichten, weil sie versucht hatten, die Macht an sich zu reißen und nach dem Thron des Vaters zu greifen. Doch zwischen der Darstellung des Herodes durch Flavius Josephus und der Darstellung durch Matthäus finden sich dennoch Parallelen:

"Ein wichtiger Punkt ist – sowohl für das Matthäus Evangelium als auch für Flavius Josephus – die Frage, ob Herodes rechtmäßiger König ist. Das wird bereits im Matthäus Evangelium an einem Detail deutlich. Denn offenbar sind die Sterndeuter am Königshof des Herodes an der falschen Adresse, wenn sie dem rechtmäßigen König der Juden huldigen wollen."

Der Stern, so Schumacher, taucht seit dem fünften vorchristlichen Jahrhundert in verschiedenen Kulturkreisen als Machtsymbol für den Herrscher auf. Wenn im Matthäus-Evangelium der Stern nicht über dem Palast des Herodes zu stehen kommt, ist damit bereits eine Aussage über eben diese Herrschaft des Herodes getroffen.

Herodes wird in ein Deute-Muster gestellt

"Das Matthäus Evangelium nimmt eigentlich zwei personale Parallelisierungen vor, und zwar einerseits zwischen Jesus und Mose und andererseits zwischen Herodes und dem ägyptischen Pharao."

So wie einst Mose dem Mord an den Erstgeborenen entgeht, den der Pharao angeordnet hat, so entgeht der neugeborene Jesus dem Zugriff des Herodes.

"Damit deutet das Matthäus Evangelium den Kindermord von Bethlehem und die Verschonung Jesu als eine Art narrative Aktualisierung der Tötung von Israels erstgeborenen Söhnen und der Errettung des Mose. Durch diese Parallelisierung wird Herodes somit in ein bekanntes Deute-Muster hineingestellt, das sich dann auch auf andere Situationen anwenden lässt."

Dieses Deute-Muster wird in den nachfolgenden Jahrhunderten in der christlichen Rezeption bereitwillig aufgenommen, beispielsweise in der patristischen Literatur.

"So kann beispielsweise der römische Kaiser Nero oder der römische Kaiser Domitian als neuer Herodes qualifiziert werden. Das führt dann zu einer gewissen Entzeitlichung, zu einer gewissen Entpersonalisierung des Herodes, sodass dieser Herodes letztlich zu einer reinen Negativfolie avancieren kann."

Nicht nur der biblischen Darstellung von Herodes liegt eine theologisch geprägte Gesamtdeutung zugrunde, erklärt der Neutestamentler Thomas Schumacher. Auch die Schriften des Flavius Josephus träfen theologische Aussagen, die für den Autor möglicherweise wichtiger waren, als die Historie exakt abzubilden.

"In den jüdischen Altertümern versucht Flavius Josephus eine Gesamtdarstellung der jüdischen Geschichte zu zeichnen, und hebt in dem Zusammenhang auf das jüdische Gesetz ab, das er als ideale Richtschnur für den menschlichen Lebensvollzug zeichnet. Dabei versucht er deutlich zu machen, dass ein gutes Leben letztlich in der Beachtung der Thora, dem jüdischen Gesetz gründet, und – wenn man dieses Gesetz übertritt, kann man böse enden. Von daher wird in den jüdischen Altertümern die Herrschaft des Herodes eher als Zeit des Abfalls qualifiziert."

Ein begnadeter Baumeister

In der Schrift zum "Jüdischen Krieg", die ebenfalls aus der Feder des Josephus stammt, versucht der Chronist vor allem deutlich zu machen, dass die Juden kein Volk von Unruhestiftern und Aufrührern ist. Deshalb zeichnet Josephus dort ein Herodes-Bild, das den jüdischen König als Garant einer langen und friedlichen Herrschaftszeit vorstellt.

Unumstritten ist dagegen der Ruf des Königs als begnadeter Baumeister. Herodes baut Wasserleitungen und Amphitheater, Festungen wie Massada und den damals größten Hafen im Mittelmeer in Caesarea. Diese Stadt, von ihm gegründet, galt der Antike als Wunder der Baukunst. In Jericho, an der tiefsten Stelle der Erde auf 400 Metern unter dem Meeresspiegel, lässt Herodes gleich drei Paläste bauen. Ein großer Teil seiner Bautätigkeit ist dem Kaiser gewidmet. Die Stadt Samaria bekommt einen Kaisertempel und wird Augustus zu Ehren in "Sebaste" umbenannt – nach der griechischen Form des Kaisertitels "Sebastos". Tal Ilan sieht in der Bautätigkeit des Herodes auch den Wunsch, etwas Bleibendes zu errichten, das an ihn erinnern würde.

"Das größte Bauprojekt von Herodes war der Wiederbau des jüdischen Tempels. Er hat sowohl für seine nicht-römischen Untertanen in Cäsarea etwas gemacht und dann auch für seine jüdischen Untertanen den Tempel in Jerusalem gebaut – was ein riesengroßes Projekt ist, das auch in jüdische Quellen, zum Beispiel der Talmud, sehr gelobt ist."

"Man sagt, wer den Bau des Herodes nicht gesehen hat, habe keinen schönen Bau gesehen. Woraus baute er ihn? Aus Alabaster und Marmorstein. Manche sagen, aus Stibium-,  Alabaster- und Marmorstein."

Doch allen Anstrengungen zum Trotz: Als Herodes im Jahr 4 vor Chr. stirbt, ist er den Juden gründlich verhasst. Vorgeworfen wird ihm auch, zu viel für außerhalb des Reiches lebende Griechen und andere Völker getan zu haben. Die Zuwendungen für Olympia gehören auch dazu.

Ein Tod nach 33 Regierungsjahren

"Das war ein zentraler Vorwurf, der relativ früh kam. Den konnte Herodes auch immer wieder entkräften, dadurch dass er dann doch viel für die Versorgung getan hatte, dass er seine römischen Beziehungen spielen ließ. Aber es war ein Grund, die Aufwendungen für die anderen. Ein zweiter war natürlich, dass er – in dem Moment, wo die Beziehung zu Rom Risse bekam – die kamen, weil er nicht mehr ganz klar seiner Aufgabe gerecht wurde, für die Römer Ordnung und Ruhe herzustellen – in dem Moment kam der Vorwurf, er sei ja nur Büttel der Römer, er sei ein Handlanger, er habe selbst am Tempel einen Adler anbringen lassen, als Symbol der Unterdrückung, der Fremdherrschaft. Das war eine direkte Folge der Krisenentwicklung im Verhältnis zu Rom."

In seiner letzten Herrschaftsphase, wird nochmals der Vorwurf laut, Herodes halte sich nicht an die jüdische Religion und sei auch nicht wirklich jüdischer Herkunft.

70-jährig stirbt Herodes nach 33 Regierungsjahren. Den Tod schildert Flavius Josephus als äußerst qualvoll und deutet die vielfältigen Leiden des Herrschers als Strafe Gottes. Noch fünf Tage vor seinem Tod hatte Herodes seinen ältesten Sohn umbringen lassen.

"Wir haben eine spätere, aber sehr bekannte Aussage, die der Kaiser Augustus so geäußert hat. Er hat gesagt: Ich finde es schöner, ein Schwein in Herodes‘ Hof zu sein, als ein Sohn von ihm. Weil wir wissen, Herodes war ein Jude, hat kein Schwein gegessen, die Schweine könnten bis ins große Alter leben, während seine Söhne, die hat er getötet."

Die Ausstattung des herodianischen Mausoleums zeigt den König als weltläufigen Kunstkenner von Rang. Sein Sarkophag ist fast zweieinhalb Meter lang und reich verziert. Eine Gruppe von Urnen verweist auf nabatäische Bräuche. Rund um das Mausoleum wurden hängende Gärten, Säulengänge, und Wasserspiele entdeckt. Archäologen schätzen eine so üppige Palastanlage aus der römischen Welt für diese Zeit als einzigartig ein. Genie und Wahnsinn, so Ernst Baltrusch, lagen bei Herodes eng beieinander.

"Also beides fließt da zusammen. Es ist wirklich eine hervorragende, gar nicht gering zu schätzende Leistung, dass er diese Region, die vorher so gebeutelt war, so auch zerstritten was, dass er die für sagen wir mal zwei Jahrzehnte geeint hat und zu Wohlstand zu Ruhe und Ordnung, Frieden geführt hat. Das muss man einfach anerkennen. Aber das andere ist, dass er auch in dieser Herrschaft in den vielen Beziehungen, die er unterhalten musste, zu den Römern, zu den Griechen, zu den Juden, zu seinen Familienmitgliedern, die alle unterschiedliche Interessen hatten, dass er da auch hin- und hergerissen war. Und wenn am Ende von den Gegnern der Vorwurf erhoben wurde, er sei wahnsinnig, so mag das eben auch aus dieser persönlichen Zerrissenheit herrühren."

Stratege und kluger Staatsmann

Im vergangenen Jahr zeigte eine große Ausstellung im Jerusalemer Israel Museum den verhassten Herrscher vor allem als begnadeten Baumeister, aber auch als erfolgreichen Strategen und klugen Staatsmann. Doch die jüdische Rezeption ist über die Jahrtausende weithin unverändert geblieben, sagt die Judaistin Tal Ilan:

"Ich würde im Allgemeinen sagen, dass, was die Rabbinen gesagt hat und eigentlich sogar was Josephus gesagt hat, ist eine ziemlich stabile Rezeptionsgeschichte Herodes‘. Okay, er war ein Mörder. Ok, er war ein Mörder, aber was für ein Verständnis für Ästhetik und für ein langständiges Projekt, das wirklich hält. Und was für schönes Baumaterial hat er benutzt und so weiter. Insofern ist das Gesicht des Landes von Herodes so völlig geändert, dass man ihn nicht mehr nur als ein Monster ansehen kann."

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