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StartseiteSport am WochenendeFolge einer Corona-Infektion?16.08.2020

Herztod des Basketballers Michael OjoFolge einer Corona-Infektion?

Ein plötzlicher Herztod kommt unter Leistungssportlern immer mal wieder vor. 2018 verstarb der italienische Fußballer Davide Astori an einem Herzstillstand. Aktuell werfen die Todesumstände des nigerianischen Basketball-Nationalspielers Michael Ojo Fragen auf.

Von Karoline Kipper

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Basketball-Spiel in der Euroleague am 19.11.2019 in Berlin zwischen Alba Berlin und Roter Stern Belgrad. Auf dem Bild: Michael Ojo (rotes Trikot, Nummer 50, Belgrad) und Landry Nnoko (gelbes Trikot, Nummer 35, Berlin). (imago images / Camera 4)
Michael Ojo (im roten Trikot) 2019 im Euroleague-Spiel seines ehemaligen Vereins Roter Stern Belgrad gegen Alba Berlin (imago images / Camera 4)
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2,16 Meter groß, 140 Kilo schwer – Michael Ojo war selbst für einen Basketballer eine Erscheinung. In einem Interview Ende Mai hat er sich darüber gefreut, dass das Training nach der Corona-Pause wieder angefangen konnte:

"Es fühlt sich gut an, wieder trainieren zu können. Einfach um das Haus mal verlassen zu können. Es war eine gute Woche bis jetzt."

Nun ist Michael Ojo tot. Vor etwas mehr als einer Woche kollabiert der nigerianische Nationalspieler beim Training in Belgrad und verstirbt an Herzversagen.

Training trotz Corona-Infektion

Er war wenige Wochen vorher positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der Kardiologe Dirk Westermann hält es für möglich, dass Ojos Tod eine Folge des Virus gewesen sein könnte.

"Wenn man sich aber diesen Fall genauer ansieht, dann sieht man, dass der Basketballer trainiert hat, obwohl er Beschwerden hatte. Er hat ganz klar gesagt, dass er noch nicht leistungsfähig ist und dass er trotzdem trainiert, was man natürlich als Profisportler auch versteht. Nichtsdestotrotz hat das vielleicht als Rückwirkung der Covid-19-Erkrankung dann auch zu einer tödlichen Herzrhythmusstörung geführt."

Ojo hatte eine schwere Covid-19-Erkrankung

Michael Ojo hatte zuletzt für den serbischen Verein Roter Stern Belgrad gespielt. Allerdings war sein Vertrag ausgelaufen, deshalb hat Ojo vor seinem Tod alleine trainiert, um fit zu bleiben.

Laut Aussagen des Vereinspräsidenten hatte sich Ojo aufgrund eines schweren Krankheitsverlaufes mit Lungenentzündung in einer Privatklinik behandeln lassen. Außerdem habe Ojo bereits vor dem Okay seiner Ärzte zu intensiv trainiert. Ob dann tatsächlich eine Covid-19-Erkrankung den plötzlichen Herztod verursacht hat, ist unklar.

Studie kann keine Herzmuskelentzündung nachweisen

Dirk Westermann hat eine Studie des Universitätsklinikum Hamburg angeleitet und untersucht, inwiefern das Coronavirus auch Herzzellen befallen kann.

"Wir haben jetzt geguckt, kann man das Virus auch im Herzen nachweisen und das konnten wir in etwa ein Drittel der Fälle zeigen, dass eine signifikante Virusmenge im Herzmuskel gefunden werden konnte. Aber wir konnten nicht zeigen, dass es zu einer richtigen Herzmuskelentzündung kommt."

Die Todesursache bei allen Untersuchten war dementsprechend auch keine Herzschädigung, sondern eine Lungenentzündung, so der Kardiologe.

Die Ergebnisse sind nicht eins zu eins auf Leistungssportlerinnen und -sportler zu übertragen, da die Verstorbenen durchschnittlich 85 Jahre alt waren. Aber auch andere Studien kommen zu dem Ergebnis: Das Corona-Virus greift den Herzmuskel an. Zum Beispiel zeigt eine Untersuchung am Frankfurter Uniklinikum, dass auch ein milder Verlauf das Herz schädigen kann.

Forschung zu Langzeitschäden noch am Anfang

Das sind erste Puzzleteile, denn die Forschung steht noch am Anfang. Weitere Studien zu möglichen langfristigen Auswirkungen werden folgen.

"Die Frage, ob es nach einer Sars-Cov-2-Infektion zu Langzeitschäden in verschiedenen anderen Organen kommt, ist eine ganz wichtige, weil wir ja potentiell sehr viel Menschen haben, die sich einmal damit infiziert haben. Bisher gibt es dafür noch wenige klinische Anzeichen, also es gibt wenig Patienten, die eine Herzschwäche entwickelt haben, nachdem sie mit Sars-Cov-2 infiziert waren."

Kardiologe rät zu mehreren Wochen Trainingspause nach Covid-19

Die Gesundheit des Herzens ist gerade bei Sportlerinnen und Sportlern, die an körperliche Grenzen gehen, essentiell. Plötzliche Todesfälle im Sport sind am häufigsten auf Herzerkrankungen zurückzuführen. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind also nicht nur in Corona-Zeiten wichtig.

Auch das Herz von Michael Ojo wurde laut Angaben der Florida State University untersucht. Ojo hatte dort bis 2017 im College Team gespielt. Anzeichen von Herzproblemen habe es bei Tests nie gegeben.

Triathleten schwimmen am 06.09.2015 beim Cologne Triathlon Weekend im Fühlinger See in Köln.  (imago / Thilo Schmülgen) (imago / Thilo Schmülgen)Coronavirus - Warum COVID-19 auch für Leistungssportler gefährlich ist
In der Fußball-Bundesliga werden Stimmen laut, den Spielbetrieb möglichst schnell wieder aufzunehmen. Allerdings warnen Sportmediziner davor, das Virus und daraus folgende Lungenerkrankungen auf die leichte Schulter zu nehmen. Leistungssportlerinnen könnten vor allem die Folgen der Erkrankung besonders hart treffen.

Neben der Vorsorge ist auch die Regeneration nach einer Krankheit wichtig. Und dabei vor allem eins: Pausen.

Nach einer Covid-19-Erkrankung rät Kardiologe Dirk Westermann dazu, mindestens vier bis sechs Wochen auf Sport zu verzichten, bevor mit einem leichten Training begonnen werden kann.

"Der Patient muss sich vollständig wohlfühlen und man sollte, wenn man Profisportler ist, sicherlich noch weitere Untersuchungen machen, wie zum Beispiel ein Herzecho und Laborbestimmungen, die zeigen können, ob ein Herzschaden vorliegt."

Rolle des Coronavirus im Fall Ojo noch unklar

Michael Ojo hat sich daran offenbar nicht gehalten – als arbeitsloser Basketballer auf der Suche nach einem Verein sind sechs Wochen ohne Training eine lange Zeit.

Das könnte zu seinem Tod beigetragen haben – welche Rolle das Coronavirus dabei gespielt hat, wird wahrscheinlich erst eine Autopsie endgültig klären.

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