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StartseiteDeutschland heuteUnterwegs mit der Neroberg-Bahn in Wiesbaden17.07.2018

HessenUnterwegs mit der Neroberg-Bahn in Wiesbaden

Sommerserie "Lieblingsorte - Verweilen abseits der Touristenströme", Teil 1

245 Meter über der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden liegt ein Ausflugs-Paradies mit Landschaftspark, russischer Kapelle mit goldenen Kuppeln und dem historischen Opelbad inmitten von Weinreben. Hauptattraktion des Neroberges ist aber die noch mit Wasserkraft betriebene 130 Jahre alte Bergbahn.

Von Ludger Fittkau

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Die Neroberg-Bahn wurde 1888 erbaut, im Dreikaiserjahr. Das Besondere: fast alles ist mechanisch. (Deutschlandradio / Ludger Fittkau)
Die Neroberg-Bahn in Wiesbaden (Deutschlandradio / Ludger Fittkau)
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"So Achtung!"

"So, jetzt ist der Fahrer an seinem Stand, die Bremse wird gelöst. Gleich geht es los."

"Wir fahren alle fünfzehn Minuten, jeweils hoch und runter. Weil es ja zwei Wagen sind."

"Wie wird die angetrieben?"

"Die ist wasserbetrieben. Das Gewicht des Wassers in der oberen Bahn ist so schwer - oder wir füllen die obere Bahn des Wassers, so dass sie so schwer ist, das sie die andere mit hochziehen kann."

Im Dreikaiserjahr 1888 erbaut

Russische Kapelle mit goldenen Kuppeln auf dem Neroberg in Wiesbaden (Ludger Fittkau/deutschlandradio)Russische Kapelle mit goldenen Kuppeln auf dem Neroberg in Wiesbaden (Ludger Fittkau/deutschlandradio)

"Wie alt ist die Bahn jetzt?"

"Die ist jetzt 130 Jahre alt dieses Jahr. 1888 erbaut, im Dreikaiserjahr. Was das Besondere ist, dass fast alles mechanisch ist, wir haben keine Elektrizität, wir haben eine kleine Batterie da für eine Lampe, aber sonst brauchen wir keine Elektrizität. Und das ist eigentlich das Besondere an dieser Bahn."

"Sie ist auch sehr energiesparend."

"Genau. Wir sind drauf und dran, die Bahn so lange es geht zu erhalten."

"Es ist auch eine Attraktion."

"Ja, sie ist auch in unser Herz geschlossen. Wie nennen sie gerne unsere alte Dame (lacht)."

"Sie ist auch chic, sie passt auch zu Wiesbaden."

"Ja, genau."

"Sagen sie ihren Namen?"

"Stefan."

"Wie kamen sie jetzt auf diesen Job? Kennt man die Bahn, ist man fasziniert von dieser Bahn?"

Schon als Kind von der Bahn fasziniert

"Ja, ich bin hier aufgewachsen in Wiesbaden und bin schon als Kind im Kindergarten und in der Schule hier hochgefahren und so bin ich an die Bahn gekommen. War dann Student, habe die Ausschreibung gesehen und habe mich mal beworben."

"So, jetzt haben wir auch den schönen Blick auf Wiesbaden, wenn man zurückschaut. Der Blick ist wunderbar von hier oben."

"Genau! Einwandfrei, sieht man die ganze Stadt, gell."

"Wir schauen hier wirklich auf die ganze Stadt und sogar auf Rheinhessen, drüben ist Mainz."

"Schön klar heute. Es ist schön hier."

"Also, wir haben sicherlich unsere Stammgäste. Wir haben aber auch viele aus dem Ausland, die mal in Zeitungen davon gehört haben. Und die sind dann schon Fans. Die fragen uns dann auch gerne mal aus und wir antworten natürlich auch gerne."

"Aus dem Ausland - das zeigt schon, diese Bahn ist auch international ziemlich einmalig."

In Europa gibt es nur zwei von Wasser angetriebene Bahnen

Bahnhäuschen der Neroberg-Bahn (Ludger Fittkau/deutschlandradio)Bahnhäuschen der Neroberg-Bahn (Ludger Fittkau/deutschlandradio)

"In Deutschland ist es die einzige und ich glaube, in Europa gibt es das System noch zwei weitere Male."

"Jetzt sind wir auch gleich schon da. Fahren auf das Häuschen zu. Sie sind das erste Mal jetzt hier. Schön?"

"Ja. Wunderbar, vor allem wie gleichmäßig das läuft. Reine Schwerkraft. Sehr gut ausgeführt."

"Was muss man da noch lernen, wenn man hier so fährt?"

"Man macht so eine zehntägige Ausbildung. Fährt halt hoch und runter erst Mal mit den Bahnmeistern, das sind die Festangestellten, die da unten sitzen. Und man lernt natürlich dann die Tarife, was man aber auch lernt ist, wie man diese Bremse bedient. Dann die Abläufe, wie man verriegelt, Sicherheitsverschlüsse tätigt, das nicht ausgestiegen werden kann, während der Fahrt."

"So, jetzt erreichen wir schon nach dreieinhalb Minuten die Bergstation auf dem Neroberg, alles sehr schön erhalten."

Tausende Male später "immer noch schön anzusehen"

"Ja, auf jeden Fall. Ich bin ja jetzt schon ein paar tausend Mal gefahren, würde ich sagen, aber es ist immer noch schön anzusehen."

"Hier oben an der Bergstation der Nerobahn ist jetzt ein Tempel, ein Tempelhäuschen. Wenn man sich hier reinstellt und ich tue das jetzt mal, dann hallt es jetzt ein bisschen. Und man schaut von diesem Tempelhäuschen aus auf die Stadt Wiesbaden, auf die Innenstadt. Ein großartiger Blick zwischen Bäumen. Man hat hier ganz bewusst diese Blickschneisen freigehalten. Man schaut auch über Wiesbaden hinaus auf Rheinhessen, auch auf Mainz. Wobei man von Mainz nicht sehr viel sieht, sondern eher diese rheinhessischen, grünen Hügel. Ich werde gleich zu Fuß hinunter gehen Richtung Talstation und vielleicht sehr ich auch noch das Opelbad, ein Freibad, das hier in der Nähe ist."

Das Opelbad - eines der schönsten Freibäder Deutschlands (Ludger Fittkau/deutschlandradio)Das Opelbad - eines der schönsten Freibäder Deutschlands (Ludger Fittkau/deutschlandradio)

Historisches Freibad Opelbad

"Hier rauscht es sehr stark, das ist die Filteranlage des Opelbades. Ich gehe jetzt nicht ins Bad hinein. Ich sehe noch eine Tafel, hier am Eingang: Opelbad am Neroberg, so genannt von den dankbaren Bürgern der Stadt Wiesbaden zu Ehren ihres hochherzigen Mitbürgers Geheimrat Dr. Wilhelm von Opel, 1934 erbaut."

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