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StartseiteSprechstundeHilfe für die Opfer25.10.2011

Hilfe für die Opfer

Uniklinik Köln behandelt psychische Erkrankungen, die durch Mobbing ausgelöst wurden

Privat-Dozent Dr. Christian Albus, Leiter der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Köln, sieht in der Stärkung der Persönlichkeit, der sozialen Kompetenz und emotionalen Intelligenz einen Weg, um Mobbingopfern auf Dauer zu helfen.

Von Martin Winkelheide

Mobbing am Arbeitsplatz kann krank machen. (Stock.XCHNG / Teak Sato)
Mobbing am Arbeitsplatz kann krank machen. (Stock.XCHNG / Teak Sato)
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"Mobbing kann krank machen, genauso wie jeder andere chronische Konflikt im Privaten oder auch im Beruflichen.

Dann kann das dazu führen, dass zum Beispiel depressive Symptome, Angststörungen, psychosomatische Störungen ausgelöst werden können.

Wann beginnt eigentlich das Mobbing? – kann durchaus eine stark unterschiedliche individuelle Schwelle haben.

Manche Menschen können mit unfreundlichen Chefs sehr gelassen umgehen, für andere ist das unter Umständen ein stark belastendes Merkmal.

Es sind oftmals gut gemeinte Verhaltensweisen, die den Mobbingbetroffenen gar nicht als problematisch bewusst sind, die dazu führen, dass sie innerhalb einer Arbeitssituation ins Abseits geraten.

Machen die sich zum Opfer? Häufig unwissentlich. Sind die möglicherweise zu aktiv, zu zugewandt, zu engagiert, sodass sie Zorn und Ärger von anderen auf sich ziehen?

Ich denke, die meisten Leute würden versuchen, etwas zu ändern, also würden versuchen, Einfluss zu nehmen. Dann ist auch sicherlich eine einfühlbare Reaktion, zu sagen: Wenn das hier nicht geht, dann trenne ich mich von dem jeweiligen Arbeitgeber. Aber es gibt eben auch Tendenzen in Individuen, die zu einem immer wieder kehrenden Festhalten an problematischen Lebenssituationen beitragen – ähnlich wie manch Menschen immer wieder die gleichen Beziehungsprobleme haben, kann es auch sein, dass an Arbeitsstellen von einzelnen immer wieder die gleichen Probleme erlebt werden.

Wenn solche Patienten zu uns kommen, dann prüfen wir natürlich, was könnte der Auslöser für die aktuelle Erkrankung sein? Wie ist denn die Situation wirklich? Wie ist die Interpretation der Situation durch den Betroffenen? Welche eigenen Verhaltensmuster legt er an den Tag, die eventuell die Situation noch weiter hochkochen lassen? Und welche Freiräume einer Veränderung hat das Individuum? Wenn es doch eine klare Mobbing-Situation ist, warum löst sich das Individuum nicht?

Und eine Stärkung der Persönlichkeit, ihrer sozialen Kompetenz, ihrer emotionalen Intelligenz – das sind Dinge, die bei Mobbingopfern durchaus wertvoll sein können. Um zum Beispiel zu verhindern, dass sie an der nächsten Arbeitsstelle wieder in die gleiche Situation geraten. Also einfaches Hopping von Job zu Job nützt ja dem Mobbingopfer nichts."

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