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StartseiteVerbrauchertippRechtsberatungsportale für Verkehr, Reisen, Mieten17.07.2018

Hilfe im NetzRechtsberatungsportale für Verkehr, Reisen, Mieten

Kunden stoßen oft an ihre Grenzen, wenn sie zum Beispiel Fluggastrechte durchsetzen wollen. Wer ein Online-Portal sucht, muss sich nicht selber mit der Airline auseinandersetzen. Bei Erfolg gibt es eine Entschädigung abzüglich Provision. Laut Stiftung Warentest ist das bequem und günstig - mit Ausnahmen.

Von Dieter Nürnberger

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Reisende warten nach dem Stromausfall im Helmut-Schmidt-Airport auf ihre Flüge. (Daniel Bockwoldt/dpa)
Wer im Streitfall seine Fluggastrechte durchsetzen will, kann sich Hilfe bei einem Online-Portal suchen. Das ist bequem, kostet aber bei Erfolg bis zu rund 30 Prozent Provision. (Daniel Bockwoldt/dpa)
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Fluggastrechte Vage EU-Vorschrift soll neu geregelt werden

Wer sein Recht durchsetzen möchte, will natürlich wissen, wie die Chancen stehen. Für eine erste juristische Einschätzung des Falles bieten im Internet Rechtsberatungsportale ihre Dienste an - beispielsweise "Juraforum", "Frag-einen-anwalt.de" oder auch "Deutsche Anwaltshotline". Nutzer können ihren Fall schildern, Anwälte bieten anschließend online eine individuelle Rechtsberatung. Eine oft hilfreiche erste Orientierung, sagt Eugénie Zobel-Kowalski, Juristin von der Stiftung Warentest.

"Die Online-Rechtsberatungsportale eignen sich tatsächlich für einfach bis mittelschwer gelagerte Fälle. Wo also wenige Unterlagen erforderlich sind, wo auch nicht so viele Beteiligte sind. Da kann man diesen Weg durchaus erst einmal einschlagen. Und dann bekommt man schon einen ganz guten Rat für sogar unter 100 Euro."

Angebot für Rechtsberatung abgeben

Auf den meisten dieser Portale kann der Ratsuchende sogar den Preis für die Auskunft beeinflussen, in dem er ab einem vom Anbieter empfohlenen Mindestpreis ein Angebot für die ersuchte Rechtsberatung abgibt.

Auch wer wissen will, welche Gebühren für einen Anwalt oder das Gericht bei einer Klage berechnet werden, wird online fündig. Beispielsweise auf der Internetseite "Der-Prozesskostenrechner.de".

Online-Rechtsdienstleister ziehen sogar vor Gericht

Mehr als eine hilfreiche Orientierung bieten Online-Rechtsdienstleister. Diese privaten Unternehmen arbeiten inzwischen vor allem in den Bereichen Verkehr, Reisen und Mieten. Sie übernehmen meist gleichartige Fälle und ziehen für den Kunden oft sogar vor Gericht.

"Bekannt geworden sind sie vor allem durch die Fluggasthelfer - also Seiten, die bei Verspätung, Annullierung und Überbuchung eines Fluges helfen und den Entschädigungsanspruch nach der EU-Fluggastrechteverordnung bei der Fluglinie durchsetzen. Da stoßen Passagiere ja sehr oft an ihre Grenzen. Der Kunde geht kein Risiko ein, man muss sich selber nicht mit der Fluggesellschaft auseinandersetzen. Hat das Portal dann Erfolg, kriegt der Kunde seine Entschädigung, abzüglich einer Provision für das Portal."

Fluggastrechteportale oder die SÖP helfen

Fluggastrechteportale wie beispielsweise "Flightright" oder "Fairplane" behalten im Erfolgsfall rund 30 Prozent der Entschädigung für den Kunden als Provision ein. Laut EU-Verordnung können Kunden ab einer Verspätung von drei Stunden Ansprüche auf Entschädigung geltend machen. Je nach Strecke kann diese bis zu 600 Euro betragen.

Lehnt ein Fluggastrechteportal die Anfrage eines Verbrauchers ab, kann man sich auch noch an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr, kurz SÖP, wenden. Der Kunde muss sich hier aber bereits im Vorfeld um eine Einigung mit der Fluggesellschaft bemüht haben. Warentesterin Eugénie Zobel-Kowalski:

"Die Schlichtungsstelle hat insofern den Vorteil, dass es für die Verbraucher kostenlos ist. Sie können bei der Schlichtungsstelle für Ihren Fall einen Antrag stellen. Dann wird die Schlichtungsstelle aktiv und versucht vor allem natürlich, eine Einigung zwischen den beiden Parteien herzustellen. Sind die Parteien am Ende nicht zufrieden, bleibt immer noch der Weg vor Gericht."

Bei hohem Streitwert lieber den Anwalt nehmen

Fazit der Stiftung Warentest: Internetdienste und Schlichtungsstellen können dem Rechtsuchenden auch ohne Einschaltung eines Anwalts bei vergleichsweise einfachen Fällen weiterhelfen. Oft sogar bequem und günstig - allerdings leider nicht in allen Fällen:

"Gerade die Online-Rechtsdienstleister und die Online-Rechtsberatungsportale stoßen bei komplexen Fällen an ihre Grenzen. Bei Ansprüchen oder Forderungen mit hohen Streitwerten macht es schon Sinn, zum Anwalt zu gehen."

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