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StartseiteVerbrauchertippWinterzubehör für Autofahrer oft wenig sinnvoll15.01.2020

Hilfsmittel gegen Schnee und EisWinterzubehör für Autofahrer oft wenig sinnvoll

Schloss-Enteiser, Wasserkocher, Trocknungssäckchen – die Zubehörindustrie hat sich allerlei einfallen lassen, um das Autofahren im Winter ein wenig zu erleichtern. Doch die meisten Produkte halten nicht, was sie versprechen, wie der ADAC in einer Untersuchung festgestellt hat.

Von Thomas Wagner

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Autos fahren im bayerischen Icking auf einer Bundesstraße durch Schnee und Nebel. (dpa picture alliance / Stephan Jansen)
Ein heißer Kaffee während der kalten Winterfahrt - dazu wird ein Wasserkocher für das Auto angeboten (dpa picture alliance / Stephan Jansen)
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Was Autofahrer im Winter halt so brauchen:

"Schloss-Enteiser - ja einfach reinsprühen. Und das Ding funktioniert, enteist. Man muss es halt ein paar Mal machen." "So ein Frostschutzmittel habe ich im Waschwasser." "Außer Eiskratzer habe ich nicht viel."

Wobei: Eiskratzer ist nicht gleich Eiskratzer. Da gibt es die traditionellen, mechanischen. Und es gibt welche, die die 'Kratz-Fläche' elektrisch beheizen. Allerdings:

"Beheizt wird bei diesen elektrischen Eiskratzern nur ein kurzes Metallstück. Das hat auch keinen direkten Kontakt zur Kratzer-Kante gehabt bei dem Modell, das wir getestet haben. Und diese Dinger werden schlichtweg nicht warm genug, um das Eiskratzen zu beschleunigen. Da war es in der Untersuchung fast unmöglich, auch nur dünnes Eis anzuschmelzen. Da geht es mit einem stabilen herkömmlichen Kratzer und Muskelkraft schneller", so ADAC-Sprecher Johannes Boos.

Heisses Wasser eine Gefahrenquelle

Der Automobilclub hat mehrere sogenannte "Wintergadgets", also Winterhilfsmittel fürs Auto, auf ihre Alltagstauglichkeit hin getestet - und sehr häufig nicht für gut befunden. Beispiel: Elektrisch über das Bordnetz betriebene Wasserkocher für das Tässchen Tee oder Kaffee während der winterlichen Fahrt.

Hier sieht Johannes Boos "schlicht ein Sicherheitsproblem: Die Verbrühungsgefahr bei den Insassen. Denken Sie daran, dass sie mal stark bremsen oder es erst recht zum Unfall kommt und diese heiße Flüssigkeit dann erst recht aus dem Wasserkocher oder aus dem Thermobecher heraus schwappt."

Wenn schon kein warmer Kaffee beim Fahren, dann soll’s wenigstens an sich mollig warm sein im Auto - möglicherweise mithilfe eines externen Heizlüfters?

"Kleine Heizlüfter gibt es häufig im Supermarkt oder beim Discounter, die die Windschutzscheibe freiblasen. Aber die bringen nur recht wenig Leistung. Da wird eine beschlagene Scheibe, wenn überhaupt, nur zum Teil frei."

Die Entfrostungs-Funktion der fahrzeugeigenen Heizung und die Trocknungsfunktion der eingebauten Klimaanlage leisteten demnach erheblich bessere Dienste. Auch sogenannte Trocknungssäckchen im Fahrzeug, die Flüssigkeit beispielsweise aus nasser Skibekleidung oder Winterbekleidung an sich binden, sieht die Untersuchung kritisch.

Sinnvoll: Abdeckmatten für die Frontscheibe

Zwar gilt: "Diese Trocknungssäckchen zeigen zunächst einmal einen gewissen Effekt, die Feuchtigkeit aus dem Auto zu nehmen." Allerdings: Ganz ungefährlich ist das nicht.

"Das Problem: Diese Dinger sind bis zu einem halben Kilogramm schwer, wenn sie voll gesaugt sind, teilweise noch mehr. Und die können dann wirklich zum Geschoß werden im Wagen, wenn beispielsweise scharf gebremst wird. Das ist tatsächlich ein Sicherheitsrisiko", sagt ADAC-Sprecher Boos.

Sinn machen dagegen Abdeckmatten oder -folien für die Frontscheibe, um beim Parken im Freien Eisbildung zu verhindern, allerdings nur dann, "wenn sie recht schwer sind und entsprechend gut verarbeitet. Im Idealfall lässt sich diese Abdeckung auch fixieren mit Magneten an der Motorhaube oder am Autodach".

Leichte Abdeckungen aus Plastik und Pappe, die häufig als Werbegeschenke verteilt werden, seien dagegen nicht empfehlenswert, so Boos, "weil die einfach zu schnell aufblähen und dann schlichtweg wegwehen. Aber letztendlich muss man die Abdeckung immer am konkreten Auto ausprobieren, ob die Abdeckung entsprechend gut hält und entsprechend dicht ist, damit kein Schnee oder Eis an die Scheibe kommt."

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