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StartseiteKulturfragenWie eine Stadt zur Metropole wird23.12.2018

Historiker über StadtkulturWie eine Stadt zur Metropole wird

Zwei Drittel der Weltbevölkerung lebt in Städten. Der Sog, mit dem Städte Touristen und qualifizierte Arbeiter anziehen, entstehe erst durch kulturelle Grundpfeiler, sagte der Historiker Friedrich Lenger im Dlf. Nicht jede Großstadt sei daher automatisch auch Metropole. Dies gelte insbesondere für die wachsende Zahl der Megastädte.

Friedrich Lenger im Gespräch mit Michael Köhler

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Skyline von Frankfurt am Main (Imago/Arnulf Hettrich)
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Die Frage, ab wann eine Stadt Großstadt ist, lasse sich an quantitativen Kriterien festmachen, sagte der Historiker Friedrich Lenger. Eine Metropole müsse qualitative Standards aufweisen und "Weltgeltung" in mehreren wichtigen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens beanspruchen können - solche Städte seien ein Touristenmagnet. Ohne eine führende Rolle im Kultursektor sei der Anspruch auf Metropolenstatus kaum denkbar. Kulturelle Infrastruktur sei eine notwendige Vorbedingung für Innovation, sagte Lenger. Ein allgemein gültiges Rezept, wie Innovation gefördert werden kann, gebe es aber nicht.

Die Vermehrung von Megastädten mit mehr als zehn Millionen Einwohnern halte nicht Takt mit der Zunahme von Metropolen, sagte der Historiker der Soziologie und Kulturwissenschaft der Universität Gießen. "Beim Metropolenstatus geht es ganz stark auch um Formen von Zentralität. Und Zentralität ist nicht beliebig vermehrbar." Nicht alle Städte, die sich auf Kulturtourismus spezialisieren, könnten profitieren.

Teilhabe im Kino und beim Protest

Kultur in der Stadt sei immer Massenkultur. Das Kino sei im 19. Jahrhundert als Prototyp dieser Massenkultur entstanden - ein Medium, das stark auf Visualisierung setze und - danke der Stummfilme - intensive Gespräche der Besucher gefördert habe. Mit dem Wort "Armentheater" werde deutlich, wie skeptisch das bildungsbürgerliche Publikum dieser neuen Kunstform damals gegenüber gestanden habe.

Der intensive Austausch in Gesprächen und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben habe sich auch im Protest manifestiert. Dabei müssten die Demonstranten damals wie heute gut bekannte Plätze "erobern", um erfolgreich zu sein - wie jüngst beim Protest der "Gelbwesten" am Pariser Arc de Triomphe, den Demonstranten beschmiert haben, zu beobachten gewesen sei. "Die Sensibilität ist in dem von Frankreichs Präsident Macron gewählten Verb 'besudeln' sehr gut aufgehoben. Da schwingt viel von der Symbolik besonderer Orte mit, die dann Protesten auch ihre besondere Aufmerksamkeit und vielleicht Wirksamkeit gibt."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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