Kultur heute 12.07.2020

Historikerin Habermas über Rassismusdebatte"Die Diskussion ist das eigentlich Wichtige"Rebekka Habermas im Gespräch mit Doris Schäfer-Noske

Beitrag hören U-Bahnhof-Schild "Mohrenstraße" (picture alliance / Bildagentur-online / Schoening)Die Berliner Verkehrsbetriebe wollen den U-Bahnhof "Mohrenstraße" umbenennen (picture alliance / Bildagentur-online / Schoening)

Muss das Wort „Mohr“ aus Straßen- oder Apothekennamen verschwinden? Das „eigentlich wichtige Ereignis“ sei die öffentliche Diskussion über diese Frage, sagte die Historikerin Rebekka Habermas im Dlf.

Das Wort "Mohr" gilt als diskriminierend und rassistisch. Deshalb verschwand der "Mohr" bereits aus dem Namen von Eiweißgebäck mit Schokoglasur und dem Logo der Firma Sarotti. Doch in Straßennamen, auf den Schildern von Apotheken und auch in Stadtwappen wie in Coburg hält sich der "Mohr" weiter hartnäckig. Erst vor ein paar Tagen stoppte der Berliner Senat das Vorhaben der Verkehrsbetriebe, den U-Bahnhof "Mohrenstraße" umzubenennen. Die Historikerin Rebekka Habermas hält die Debatte darüber, ob der Mohr verschwinden solle, für das "eigentlich wichtige Ereignis", wie sie im Deutschlandfunk-Interview bekräftigte.

Bedeutungswandel eines historischen Begriffs

"In dem Moment, wo der Begriff "Mohr" in einer breiteren Öffentlichkeit, also jenseits der Universitäten diskutiert wird, entsteht so etwas wie eine Vorstellung, dass es ein Problem geben könnte mit dem Namen - dass es Spuren von Rassismus gibt, dass das historische Hintergründe im Kolonialismus hat", sagte Habermas. Eine Apotheke möge sich vielleicht weiter "Mohrenapotheke" nennen, entscheidend aber sei die Diskussion darüber, auch über die veränderte Bedeutung des Begriffs "Mohr" im Laufe der Geschichte. "Wenn sich ein Großteil der Bevölkerung heute daran stört, dann finde ich das ein wichtiges Argument", so die Historikerin im Dlf.

Denkmäler als Orte der Diskussion

Zur Debatte über den Umgang mit Denkmälern, die an rassistische "Helden" der Kolonialzeit erinnern, sagte Habermas: "Das Mindeste, was man tun kann, ist eine erläuternde Tafel anbringen an den jeweiligen Denkmälern und die Diskussion über diese Personen in irgendeiner Form festhalten." So werde das Denkmal nicht mehr als Ort der positiven Erinnerung an diese Personen begriffen, sondern als Ort der Diskussion über den Kolonialismus.

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