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StartseiteWirtschaftsgesprächWarum kaum ein Landwirt gegen Dürreschäden versichert ist31.07.2018

HitzewelleWarum kaum ein Landwirt gegen Dürreschäden versichert ist

Gegen Verluste oder Schäden durch Extrem-Wetterlagen wie Sturm, Starkregen oder Frost sind viele Bauern versichert. Jedoch kaum ein Landwirt hierzulande ist gegen extreme Trockenheit oder Dürre abgesichert. Das liegt auch daran, dass die entsprechenden Policen extrem teuer sind.

Günter Hetzke im Wirtschaftsgespräch mit Christiane Kaess

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Ein Mähdrescher erntet in Garching (Bayern) ein Weizenfeld.  (dpa-Bildfunk / Lino Mirgeler)
Landwirte leiden unter der Trockenheit - versichert dagegen ist kaum jemand (dpa-Bildfunk / Lino Mirgeler)
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Extreme Wettersituationen gehören zum Alltag der Landwirte – und deswegen können sie sich auch gegen Verluste oder Schäden absichern. Es gibt eine Vielzahl von Anbietern – wie die weltweit handelnden Versicherungskonzerne Münchner Rück oder die Allianz sowie kleinere Anbieter wie die Vereinigte Hagelversicherung in Gießen, die sich selbst als Marktführer in Deutschland im Bereich Pflanzenbau bezeichnet.

Schäden durch Hagel, Frost und Sturm sind meist versichert

Meist sind die Landwirte vor allem gegen Hagel versichert - das ist sozusagen die Mutter der Extrem-Wetter-Versicherungen. So eine Police haben rund zwei Drittel der Landwirte abgeschlossen. Sie sind zudem versichert gegen Sturm, Starkregen oder Frost – zumindest gilt das für rund ein Drittel der Landwirte. Denn es ist klar geregelt, bei Ernteschäden durch Hagel oder Frost gibt es vom Staat nichts. Da lautet die Devise: Versichere Dich, sonst gehst du leer aus.

Gegen extreme Trockenheit oder Dürre ist jedoch kaum ein Landwirt versichert. Bei der Vereinigten Hagel sind etwa fünf Millionen Hektar – das ist damit knapp die Hälfte der Ackerfläche in Deutschland - gegen gängige Extremwettersituationen versichert. Dem stehen aber nur 500 Hektar gegenüber, die gegen Dürre versichert sind.

Policen gegen Dürreschäden kosten sehr viel

Der Grund: Die Versicherungsprämie in Deutschland ist extrem teuer. Bei Dürreschäden liegt sie zwischen 25 und 30 Prozent des Versicherungswertes. Zum Vergleich: Bei anderen Extremwetter-Situationen liegt die Versicherungsprämie in einer Höhe von anderthalb bis fünf Prozent der vereinbarten Versicherungssumme. Das liegt schlicht daran, dass Ernteausfälle durch extreme Trockenheit bisher eher selten der Fall sind. Und wenn sie auftreten, dann sind immer gleich weite Teile Deutschlands betroffen.

Bei Ertragsausfällen durch Hagel oder durch Frost ist das anders – sie sind überwiegend regional begrenzt. Damit bleibt die Schadenssumme überschaubar.

Hitze-Versicherungen sind in anderen Ländern durchaus verbreitet

In anderen Ländern hingegen sind solche Versicherungen gegen Ernteausfälle wegen Hitze durchaus verbreitet. In hitzegeplagten Ländern wie Italien, Griechenland oder in Spanien, aber auch in vielen anderen EU-Staaten ist die Versicherung gegen Trockenheit weitaus erschwinglicher und damit auch weitaus verbreiteter als in Deutschland.

Hintergrund ist, dass in vielen EU-Ländern die Prämie für Dürre-Versicherungen vom Staat bezuschusst und damit erschwinglich wird. Die EU stellt dafür auch Mittel zur Verfügung. Die Länder nutzen den Agrar-Geldtopf für begleitende Maßnahmen. Damit soll die Entwicklung des ländlichen Raums gefördert werden. Dieses Geld kann zur Förderung der Risikovorsorge eingesetzt werden.

In Deutschland wird dieses Geld – wohl auch zum Bedauern der Versicherungsunternehmen – für andere Hilfs- und Unterstützungsprogramme verwendet. Doch vielleicht ändert sich das in Zukunft, wenn das Problem Dürre häufiger auftritt als bisher. 

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