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StartseiteInformationen am MorgenSchlechter Schutz für verfolgte Minderheiten23.07.2018

HIV-InfektionenSchlechter Schutz für verfolgte Minderheiten

Rund 37 Millionen Menschen weltweit sind mit HIV infiziert. Während die Zahl der Infektionen in Deutschland niedrig bleibt, steigt sie in Russland und in einigen Ländern Osteuropas. Der Grund: der mangelnde Schutz verfolgter Minderheiten. Das ist eins der Kernthemen der Internationalen Aids-Konferenz, die heute in Amsterdam beginnt.

Von Ralph Sina

Ein südafrikanisches Kind hält antiretrovirale Medikamente in der Hand, mit der eine HIV-Infektion behandelt werden. (picture alliance / dpa / Nic Bothma)
Ein südafrikanisches Kind hält antiretrovirale Medikamente in der Hand, mit der eine HIV-Infektion behandelt werden. 71 Prozent der Neuinfektionen weltweit werden in den Subsahara-Staaten registriert (picture alliance / dpa / Nic Bothma)
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Daran hat sich nichts geändert, trotz erheblicher Fortschritte in der Aids-Behandlung:

Über 26 Millionen der rund 37 Millionen weltweit HIV-Infizierten leben in Afrika südlich der Sahara.2000 junge Südafrikaner infizieren sich wöchentlich an dem Virus.71 Prozent der Neuinfektionen weltweit werden in den Subsahara-Staaten registriert. Und über 700.000 Afrikaner sterben jährlich an Aids. Auch sind mittlerweile auch Russland und mehrere Länder in Osteuropa von einer massiven Ausbreitung von Aids betroffen.

"Die Schwierigkeit liegt insbesondere in Russland in der homophoben Einstellung der Regierung", betont der sozialdemokratische EU-Politiker Arne Lietz. Ähnlich wie Putin die Begriffe HIV und Aids nicht in den Mund nimmt, tabuisieren auch zahlreiche Regierungen in Afrika weiterhin das Thema Aids. Zudem werden Homosexuelle in vielen afrikanischen Staaten strafrechtlich verfolgt. Auf der tansanische Insel Sansibar werden sie nach Informationen von Amnesty International von der Polizei zuweilen regelrecht gejagt.  

EU ist doppelt gefordert

Dass verfolgte Minderheiten am schlechtesten gegen Aids geschützt sind, ist ein Kernthema der 22. Internationalen Aids-Konferenz in Amsterdam. Aus Sicht des Europaparlamentariers Arne Lietz ist die EU vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Aids-Krise in Ost-Europa und dem anhaltenden Aids-Drama in den Subsahara-Staaten doppelt gefordert.

"Die EU-Kommission hat einmal einen Fond aufgelegt. Und dieser Fond ist ausgelaufen." Gerade vor dem Hintergrund der Migrationsbewegungen in Richtung EU müsse die Juncker-Kommission aktiv werden fordert Lietz. 

Denn Europa ist von dem Teufelskreis aus Armut, Aids und Aids-Tabuisierung in den Subsahara-Staaten direkt betroffen. Denn  laut Angaben von Eurostat, der Statistikagentur der EU, beantragten zwischen 2014 und 2017 beinahe eine Million Bewohner der Länder südlich der Sahara Asyl in Europa. Rund 15 Prozent aller Neuinfektionen entfallen laut einer Erhebung des Robert-Koch-Instituts RKI mittlerweile in der Bundesrepublik auf Migranten  aus den Subsaharastaaten, obwohl sie nur einen winzigen Teil der deutschen Gesamtbevölkerung ausmachen, nämlich 0,25 Prozent. Die meisten von ihnen erfahren erst durch Routineuntersuchungen in der Erstaufnahme von ihrer Infektion und sind mit der Situation meist hoffnungslos überfordert. Viele fürchten, dass sie wegen ihrer HI-Infektion sofort abgeschoben werden oder ihr Asylantrag keine Chance hat. Und einige wollen einfach nicht glauben, dass eine Aids-Infektion in Deutschland keinen Ausweisungsgrund darstellt. Einige  Aidsinitiativen in der EU ziehen die Konsequenzen -und beschäftigen Mitarbeiter die selber aus Subsaharastaaten stammen und mehrere afrikanische Sprachen sprechen.   

"Der Zulauf von Menschen aus Schwarzafrika hat deutlich zugenommen," sagt Markus Willeke, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Essen. Die mit Pierre Kembo Majemba seit längerem einen Mitarbeiter aus dem Kongo beschäftigt. "Es zeigt, dass es wichtig, ist einen Türöffner wie Herrn Majema zu haben", betont der Leiter der Aidshilfe Essen.

Ein Beispiel, das Schule machen sollte angesichts der Aids-Krise in Afrika und der Flüchtlingsbewegung aus den Subsaharastaaten Richtung EU. 

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