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StartseiteCampus & KarriereLehrbeauftragte fordern bessere Bezahlung06.11.2014

HochschulenLehrbeauftragte fordern bessere Bezahlung

Sogenannte Lehrbeauftragte machen den gleichen Job wie Professoren - bezahlt werden sie jedoch um einiges schlechter. Zudem haben sie kein festes Anstellungsverhältnis und somit zum Beispiel auch keinen Anspruch auf Krankengeld. Diese Zustände wollen Gewerkschaften nun ändern.

Von Anja Nehls

Das neue Mundstück für die Oboe klingt noch nicht ganz optimal. Birgit Schmieder, Lehrbeauftragte für Oboe an der Universität der Künste hört ganz genau hin. Anschließend bespricht sie mit ihrer Schülerin, wie sie den Klang des empfindlichen Instruments noch verbessern kann. Seit 25 Jahren unterrichtet die 57-Jährige hier - nicht als angestellte Professorin, sondern als Lehrbeauftragte - mit begrenztem Stundenkontingent, unsicheren kurzfristigen Verträgen und miserabler Bezahlung:

"Natürlich macht mich das wütend, weil wir machen hier Arbeit, ich bin gut ausgebildet ich habe ein Konzertexamen, ich habe pädagogische Abschlüsse, ich habe das alles mit Auszeichnung gemacht und komme noch nicht mal finanziell über die Runden. Allein schon mein Instrument mal überholen zu lassen oder mal ein neues Instrument zu kaufen, ist eigentlich schon nicht mehr drin. Wenn ich jetzt krank werden sollte, dann sieht es schlecht aus."

Zwischen 22,50 Euro und 35 Euro verdienen Lehrbeauftragte pro Stunde. Bezahlt wird nur die tatsächlich abgehaltene Unterrichtsstunde. Vor- und Nachbereitung, Korrektur von Arbeiten oder Organisation von Konzerten werden nicht vergütet. Für 6,5 Stunden, die Birgit Schmieder bezahlt bekommt, arbeitet sie in der Uni gut zehn Stunden in der Woche. Daneben hat sie 30 Oboenschüler in drei verschiedenen Musikschulen in ganz Berlin - ebenfalls als Lehrbeauftragte mit ähnlicher Bezahlung. Auf 1.500 Euro brutto kommt die hoch qualifizierte Frau mit ihren drei Jobs im Monat. Gleiches Geld für gleiche Arbeit fordern nun unter anderem die GEW, die Zusammenschlüsse der Lehrbeauftragten an Sprach- und Musikhochschulen und die Deutsche Orchestervereinigung, sagt deren Geschäftsführer Gerald Mertens:

"Wir brauchen für die Lehrbeauftragten an deutschen Hochschulen Dauerstellen für Daueraufgaben. Lehrbeauftragte leisten überwiegend das, was Professoren auch leisten, sind aber nicht entsprechend vergütet. Und insgesamt müssen die Hochschulen an dieser Stelle mehr Geld bekommen, denn Lehrbeauftragte werden aus Sachmitteln nicht aus Personalmitteln bezahlt und das ist ein völlig unhaltbarer Zustand, hier muss sich dringend was ändern."

85.000 Lehrbeauftragte unterrichten an deutschen Hochschulen. Über ein Drittel des Pflichtlehrangebotes decken sie an der Berliner UDK ab, fast 50 Prozent an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin und sogar 70 Prozent an der Hochschule für Musik in Rostock. Die meisten Lehrbeauftragten sind sozial schlecht abgesichert, es gibt keinen Kündigungsschutz, kein Krankengeld, keinen Mutterschutz, in den Arbeitnehmervertretungen haben sie meist keine Stimme und mitunter werden sie sogar von den angestellten Kollegen wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Karola Theill, Sprecherin der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen:

"Es gibt wirklich Hochschulen, wo auch Professoren ganz klar dieses Gefälle deutlich machen und wo die Lehrbeauftragten sich auch nicht trauen den Mund aufzumachen, weil sie Angst haben um ihren Lehrauftrag und wo sie auch nicht widersprechen und einfach alles tun, was man ihnen aufbürdet, damit sie nur ja diesen Lehrauftrag nicht verlieren."

Karola Theill verdient als Pianistin neben ihren Lehraufträgen auch noch Geld durch Konzerte, genauso wie die Oboenlehrerin Birgit Schmieder. Lehrbeauftragte zum Beispiel für Musiktheorie haben diese Möglichkeit nicht. Nur ein kleiner Teil der Lehrbeauftragten hat einen festen Job außerhalb der Lehre und ist auf das Geld für den Lehrauftrag nicht angewiesen. Seit vielen Jahren sind die Stundensätze für die Lehrbeauftragten nicht erhöht worden. David Bowskill von der GEW fordert jetzt endlich eine faire Bezahlung.

"Das heißt, nicht 25 Euro pro Stunde. Vor- und Nachbereitung inbegriffen, sondern eine Stunde Vorbereitung, eine Stunde Lehre, eine Stunde Nachbereitung. Dann wären wir schon bei 75 Euro, das ist überhaupt die Untergrenze."

Ein regulär angestellter Professor liegt bei circa 82 Euro in der Stunde, hat die GEW ausgerechnet.

 

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