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StartseiteCampus & KarriereNachwuchsforscher: Bund-Vorgaben zur Mittelverwendung fehlen03.05.2019

HochschulpaktNachwuchsforscher: Bund-Vorgaben zur Mittelverwendung fehlen

Ob der neue Hochschulpakt mehr Dauerstellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs bringe, bleibe abzuwarten, sagte Christian Hof von der Jungen Akademie in Berlin im Dlf. Er forderte zudem einen strukturellen Wandel, der dem Nachwuchs mehr Unabhängigkeit in Forschung und Lehre gebe.

Christian Hof im Gespräch mit Sandra Pfister

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Studenten lernen am 26.06.2017 in Berlin im Hörsaal am Institut für Mathematik an der Freien Universität Berlin (dpa / Karo Kraemer)
Bund und Länder haben sich am Freitag (03.05.2019) auf einen neuen Hochschulpakt geeinigt. Er heißt jetzt "Zukunftsvertrag". (dpa / Karo Kraemer)
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Sandra Pfister: Dann fragen wir eben gleich den wissenschaftlichen Nachwuchs. Wir fragen nämlich Christian Hof von der Jungen Akademie in Berlin, in der sich der wissenschaftliche Nachwuchs der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina organisiert. Guten Tag, Herr Hof!

Christian Hof: Einen schönen guten Tag!

Pfister: Herr Hof, Sie sind einer der Sprecher dort, die die Wissenschaftspolitik beobachtet. Wie empfinden Sie das, wie gut sind diese drei Pakte jetzt für junge Wissenschaftler?

Hof: Also da muss ich schon an der einen oder anderen Stelle ein Fragezeichen dransetzen. Natürlich freut es uns, dass das auf hohem Niveau verstetigt wird, was hier jetzt verhandelt wurde. Andererseits ist eben die Vorgabe beziehungsweise die nicht vorhandene Vorgabe des Bundes, Dauermittel auch für Dauerstellen zu schaffen, sehr bedauerlich.

"Mal schauen, ob die Länder ihren Verpflichtungen nachkommen"

Pfister: Sie wollen diese Dauerstellen. Wie sehen Sie denn die Chancen, dass die Mittel aus dem Nachfolgehochschulpakt vollständig für diese dauerhaften Beschäftigungsverhältnisse verwendet werden?

Hof: Wenn es an Einzelverträgen mit den jeweiligen Ländern nun hängt, was ja so auszusehen scheint, dann wollen wir mal schauen, ob da die Länder ihren letztendlich aus unserer Sicht Verpflichtungen nachkommen. Ich möchte aber auch noch mal drauf hinweisen, dass natürlich auch bei aller Forderung nach Dauerstellen und nach aller Finanznumerik oder so es auch wichtig ist, darauf zu achten, in welchen Strukturen solche Stellen geschaffen werden. Da haben wir in der Jungen Akademie mehrfach drauf hingewiesen, dass es schon auch eine Frage ist, welche Perspektiven gebe ich den jungen Kolleginnen und Kollegen nicht nur hinsichtlich einer Dauerperspektive, die natürlich wünschenswert ist, sondern auch, bin ich unabhängig in dem, was ich tue, was ich unterrichte, was ich forsche. Denn wir glauben, dass eine frühere Unabhängigkeit, unabhängig von einem direkt vorgesetzten Lehrstuhlinhaber oder Lehrstuhlinhaberin, letztendlich besser ist sowohl für die jungen Leute, aber auch für die Wissenschaft als Ganze.

"Zu einem Wandel der Strukturen kommen"

Pfister: Sehen Sie das denn irgendwie gefährdet durch diese Pakte?

Hof: Es ist ja im Moment nicht so der Fall, dass wir sowohl hinreichend Dauerstellen haben als auch hier eine hinreichende Unabhängigkeit haben.

Pfister: Denn 90 Prozent der Stellen sind befristet im Moment.

Hof: Wir haben den überwiegenden Anteil eben in den befristeten Stellen, und hier zu einem Umsteuern zu kommen in Richtung mehr Dauerstellen, aber auch zu einem Wandel der Strukturen weg von all dem klassischen, und ich würde schon sagen: überkommenen Lehrstuhlsystem hin zu einer Department-Struktur mit mehr gleichberechtigt Forschenden und Lehrenden, die ihre Arbeit auf Augenhöhe miteinander teilen und untereinander verteilen, das sind eigentlich die Ziele, zu denen wir kommen müssen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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