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StartseiteMikrokosmos - Die KulturreportageEine Nation im Heiratsfieber24.01.2020

HochzeitsmessenEine Nation im Heiratsfieber

Der Mythos von der Hochzeit als schönster Tag im Leben hat nach wie vor Strahlkraft: Im Jahr 2018 haben in Deutschland so viele Paare geheiratet wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Mit dem Heiratsfieber und der Inszenierung der Hochzeit lässt sich ordentlich Geld verdienen.

Von Johanna Rubinroth

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Ein Braut schwebt mit ihrem Kleid unter Wasser. (AFP / Johannes Eisele)
Sozialwissenschaftler beobachten eine "zunehmende Inszenierung der Eheschließung" (AFP / Johannes Eisele)
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Das eindrucksvolle Kleid, die weiße Kutsche, eine schwebende Torte und zum Abschluss ein Feuerwerk: Die Hochzeit ist für viele Paare einer der wichtigsten Tage im Leben und an dem soll alles perfekt sein. Auf der Messe im ehemaligen Dresdner Bahnhof in Berlin werden all diese Produkte beworben und angeboten. Dabei sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt und viele Besucherinnen und Besucher fühlen sich überfordert.

Für sie könnte der Hochzeitsplaner eine Hilfestellung bieten. Ein Berufs, der in den USA schon lange Tradition hat, und auch in Deutschland immer beliebter wird. Der "Weddingplanner" hilft den angehenden Eheleuten, ihre Visionen von der Traumhochzeit umzusetzen. Und die greifen dafür gern tief in die Taschen - Ausgaben von bis zu 15.000 Euro sind keine Seltenheit.

Hochzeit hat normative Wirkung

"Von der zunehmenden Inszenierung der Eheschließung erhoffen sich die Paare, dass auch die Beziehung perfekt wird", sagt die Religionswissenschaftlerin Angelika Hirsch und spricht von der normativen Wirkung der Heirat. Hinter der öffentlichen Hochzeit stecke die oft unbewusste Hoffnung, so die Buchautorin, sich nicht beim kleinsten Anlass wieder scheiden zu lassen. Um eine noch größere Öffentlichkeit zu erreichen, werden heutzutage vermehrt Fotographen, Hochzeitsmaler und Kameraleute eingesetzt. Sie halten den besonderen Moment fest und der wird dann in den sozialen Medien verbreitet.

Ein Model führt ein Brautkleid auf einer Hochzeitsmesse vor (Deutschlandradio / Johanna Rubinroth)Für viele immer noch ein Traum: das ganz große, weiße Kleid (Deutschlandradio / Johanna Rubinroth)

Heiratsplanung ist Frauendomäne

Meistens sind es die Frauen, die sich in die Vorbereitungen der Eheschließung besonders engagieren. So ist es auch auf der Hochzeitsmesse zu beobachten, auf der zwar die Paare angesprochen und mit Flyern zugedeckt werden. Im Verkaufsgespräch sind es aber meist die Frauen, die die Führung übernehmen. Eine Erklärung für dieses Muster lässt sich laut Religionswissenschaftlerin Hirsch in der Vergangenheit finden.

"Lange war die Hochzeit der einzige Tag im Leben einer Frau, an dem sie im Mittelpunkt stand", so Hirsch. Deshalb hätten Frauen bis heute eine größere Affinität als Männer.

Forscherin Angelika Hirsch, die sich viel mit der Kulturgeschichte des Hochzeitsrituals auseinandergesetzt hat, glaubt zu wissen, warum wieder mehr geheiratet wird in Deutschland. Sie sagt: In einer zunehmend unsicheren Welt steige der Wunsch, wenigstens in der eigenen Beziehung sicher zu sein.

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