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StartseiteHörspielDas Notizbuch vom Kiefernwald06.10.2018

Hörspiel des Monats Das Notizbuch vom Kiefernwald

"Der Gegenstand ist immer wichtiger, interessanter, ermächtigter: er ist mir gegenüber zu nichts verpflichtet, während ich ihm in jeder Hinsicht verpflichtet bin. […] Niemals versuchen, "die Dinge zu arrangieren". Die Dinge und die Poeme sind unversöhnbar."

Von Francis Ponge

Ein Kiefernwald im Nebel.  (picture alliance / ZB / Patrick Pleul)
Ein Kiefernwald im Nebel (picture alliance / ZB / Patrick Pleul)

In der Begründung der Akademie der Darstellenden Künste heißt es:

"Ulrich Lampen hat ein Antihörspiel geschrieben. Seine radiophone Anverwandlung von Ponges 'Das Notizbuch vom Kiefernwald' in der Übersetzung Peter Handkes entspricht in ihrer spröden Verweigerung erzählerischer oder auch akustischer Kulinarik auf überraschende Weise der asketisch-meditativen Besinnung Ponges auf das Objekt selbst, auf das Rohe an ihm, auf das, was es unterscheidet von dem was der Dichter über es geschrieben hat: Es ist die Schrift, die sich vom Objekt entfernt, die Literarisierung, die der französische Dichter damit im Schreiben selbst kritisiert. Und wie ein Gelübde klingt es, wenn er gleich eingangs verspricht, keinesfalls "das Objekt meiner Wissbegier keinem Vorzeigen irgendeines gelegentlichen Wortfunds zu opfern, auch nicht dem Arrangieren einiger solcher Funde zu einem Poem".

Dem entspricht Lampen durch eine Rücknahme alles Inszenatorischen: So scheint er nur diejenigen der Regieanweisungen, die er seinem Libretto mitgegeben hat, zu befolgen, hält er sich streng nur an jene, die einen Verzicht fordern: "Wir brauchen keine virtuose Musik". Es gibt ein paar Fauré-Akkorde. Es gibt ein wenig atmosphärisches Rauschen. Der Rest ist Sprache - im Raum gesprochen, glasklar intoniert von Sylvester Groth. Sperrig und faszinierend hört sich Ponges Dichtung, die gar nicht auf die Performance, die Phoné setzt, in Ulrich Lampens Arbeit an. Zwar gibt es einen Ursprung in der symbolistischen Dichtung - "die Pinien Ponges wurzeln bei Claudel", schreibt Daniel Rondeau, aber eine symbolistische Deutung verbietet sich und das Vorhaben geht über den Hoffmannsthalschen Sprachekel weit hinaus: Möglicherweise lässt sich eine Verwandtschaft der Intention mit den Kritiken totalitärer Sprache bei Orwell, Huxley, Klemperer andeuten - bei gleichzeitig radikal eigenständigem, ganz anderem und poetologisch sehr tief begründeten Ansatz."

Aus dem Französischen von: Peter Handke
Bearbeitung und Regie: Ulrich Lampen
Komposition: Jakob Diehl
Mit: Sylvester Groth

Produktion: HR 2018
Länge: 49'05

Die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste in Frankfurt am Main zeichnet jeden Monat ein Hörspiel aus den Produktionen der ARD-Anstalten aus. Die Entscheidung über das HÖRSPIEL DES MONATS trifft eine Jury, die jeweils für ein Jahr unter der Schirmherrschaft einer ARD-Anstalt arbeitet. Am Ende des Jahres wählt die Jury aus den 12 Hörspielen des Monats das HÖRSPIEL DES JAHRES.

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