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StartseiteHörspielmagazinSound Writing. Schnittstellen und Schaltsätze17.03.2018

Hörspielmagazin ExtraSound Writing. Schnittstellen und Schaltsätze

Das Schreiben ist leise und das Lesen laut – sagt man. Warum? Schrift ist nicht einfach nur zum Ansehen da – wie etwa ein Gemälde. Man kann Schrift kaum sehen, ohne sie sofort zu lesen, mit ihr etwas zu machen, sie in Gedanken, Bilder und Klänge zu übertragen.

Vortrag von Swantje Lichtenstein

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Die Künstlerin Swantje Lichtenstein sitzt bei einer Performance an einem Tisch vor einem Laptop, neben ihr ein Mischpult. (Enkidu Leyendecker)
Die Autorin, Künstlerin, Professorin Swantje Lichtenstein (Enkidu Leyendecker)
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"Der Sound ist eine Zone. Die Zone ist der Speckgürtel, ist die Fettgrenze, die bezeichnet und dann abgespiegelt werden kann. Alles ist gespeichert darin und darüber hinaus. Mit den Händen drehe ich an Knöpfen, die den Klang (re-) produzieren, transformieren, verschalten, weiter leiten. Am Controller die Manipulationen ausprobieren, die niemanden schmieren, die vielmehr aus den poetischen Höllen helfen."

"Das laute Schreiben des Sound Writings gibt Laute wie ein Lautsprecher aus und ist keine Steigerungsform der hörbaren Töne, ist schallender Klang im responsiven Sinne einer vermeintlichen Außenwelt. Das Unhörbare ist als Gegensatz zum Unverständlichen erlaubt. Und ein möglicher Reiz. Der bei der Bewegung begann. Mich mitbewegt.  Der Einfall ins Ohr ist ein Zusammenfall. Es gibt einen klingenden Sinn. Gerade weil die Lieder immer noch keine Lider haben und die Ohren eben auch nicht." (vgl. J. Lacan).

"Das Sound Writing ist ein Umformungsprozess, wie ein Umarmen schließt es sich an andere Schreibpraxen an und geht doch von einer expliziten Textarbeit aus, die beim Klang beginnt. Und Texte aufs Klangliche hin ausliest und akustisch aufschreibt. Das ist ein Zugang und mein Versuch, das Textuelle im Prozessieren zu bewahren. Das umarmende Umformen als performativer Prozess, der bewegen und verändern kann, ein Transmitter im mittleren Gang. Das Publikum ist die sich mitbewegende Gang, die den persönlichen Prozess veröffentlichen kann, die hindurch klingt  zwischen Exklusion und  Inklusion, die dadurch  und  dazwischen verschnaufen können."

"Bereits 1975 schrieb Ulises Carrión in seinem Manifest The New Way of Making Books ein_e Schreibende_r sei eben keine Person, die Bücher schreibt, sondern Texte, die in verschiedenen medialen Zuständen erscheinen können (Vgl. U.Carrión), die man v.a. teilen kann. Zusammenschreiben. Ist Zusammenarbeit von Lauten. Sound Writing ist Soundwork ist Teamwork. Die Sonorisierung ist selbstreflexiv, bezieht sich auf die ästhetischen Implikationen der Technologien, der Edition als Kreation, des unendlichen Textraums, der spricht."

     (aus: "Sound Writing. Schnittstellen und Schaltsätze")

Swantje Lichtenstein ist Autorin, Künstlerin, Professorin und Übersetzerin. Sie lehrt an der Düsseldorfer Hochschule im Bereich Kultur-Ästhetik-Medien als Professorin für Text & Ästhetische Praxis. Als Künstlerin betätigt sie sich mit Performance, elektroakustischer Sound Art, Konzeptuellem Schreiben, sie engagiert sich auch als Verlegerin und veranstaltet gemeinsam mit Mark Matter das cOsmOsmOse-Festival für Performancepoesie und Verbophonie

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