Samstag, 06.06.2020
 
Seit 16:30 Uhr Forschung aktuell
StartseiteForschung aktuellHoffnung für die kalte Fusion?16.12.2004

Hoffnung für die kalte Fusion?

US-Energieministerium ließ Forschungsstand überprüfen

<strong>Physik. – Trotz spektakulärer Flops bleibt das Thema kalte Kernfusion der Wissenschaft erhalten. In den USA setzte das Energieministerium eine erneute <papaya:link href="http://sc.doe.gov/Sub/Newsroom/News_Releases/DOE-SC/2004/low_energy/index.htm" text="Prüfung" title="Bewertung der Kalten Kernfusion durch das US-Energieministerium, Dezember 2004" target="_blank" /> der wissenschaftlichen Grundlagen an, die allerdings keine neue Einschätzung des Fachgebietes ergab. In ihrem Bericht kommen die Gutachter wie bereits ihre Vorgängern 1989 zu dem Schluss, dass einzelne gut definierte und begründete Forschungsvorhaben förderungswürdig seien, eine Schwerpunktförderung durch Gelder der Washingtoner Regierung empfahl jedoch niemand.</strong>

Die Kernfusion soll nicht nur wie hier beim Fusionsexperiment ITER mit großtechnischem Aufwand gelingen.. (ITER)
Die Kernfusion soll nicht nur wie hier beim Fusionsexperiment ITER mit großtechnischem Aufwand gelingen.. (ITER)

Einen gewaltigen Presserummel und viel Aufsehen in der Fachwelt lösten 1989 die beiden Wissenschaftler Stanley Pons und Martin Fleischmann aus, als sie behaupteten die kalte Kernfusion durchgeführt zu haben. Bei Raumtemperatur sei es ihnen gelungen, bei der Spaltung von schwerem Wasser einige der freiwerdenden Wasserstoffatome fusioniert und dabei Energie gewonnen zu haben. Als niemand ihre Experimente nachvollziehen und die Behauptungen untermauern konnte, wurden ihre Ergebnisse ad acta gelegt. Eine Untersuchung des US-Energieministeriums kam zu dem Ergebnis, dass das Forschungsfeld zwar bei einzelnen gut konzipierten Projekten förderungswürdig sei, einen Förderschwerpunkt sei das Thema jedoch nicht wert. Danach wurde es ruhig um die "kalte Kernfusion", bis jetzt.

Im Herbst 2003 wurden vier Wissenschaftler im Energieministerium vorstellig, um dem Thema noch einmal Aufmerksamkeit zu verschaffen. David Nagel, Professor in der Abteilung für Elektro- und Computertechnik: "Wir hatten das Gefühl, dass niederenergetische Kernreaktionen oder "kalte Fusion" ein wichtiges Problem darstellen, das die Aufmerksamkeit der Wissenschaft verdient. Das war nicht gegeben." Gegenüber der Forschung im Ausland, so Nagel, liefen die USA Gefahr den Anschluss zu verlieren. Beim zuständigen Wissenschaftsbüro des Energieministeriums fanden sie damit Gehör. James Decker, stellvertretender Bürochef: "Die vier Wissenschaftler sagten, es gäbe interessante neue Ergebnisse. Da es namhafte Leute sind, dachte ich, man sollte ihnen zuhören." Die Gruppe wurde aufgefordert, den seit 1989 erreichten Fortschritt in einer Denkschrift zusammenzufassen und zu belegen.

Im Kern werden seit 1989 immer wieder zwei Ergebnisse berichtet: Erstens die Entstehung von Überschusswärme als Zeichen einer Energieproduktion, die nicht durch chemische Reaktionen erklärt werden kann. Und zweitens die Entstehung von Fusionsprodukten wie Helium und Tritium in unerwartet großen Mengen. Diese Schrift wurde dann 18 Experten aus dem Fachgebiet zum peer review vorgelegt. Das Ergebnis war gemischt. Obwohl die Hälfte der Gutachter die Belege für eine Energieproduktion für eindeutig hält, sind sich praktisch alle einig, dass die Belege für Kernreaktionen bei Raumtemperatur nicht schlüssig sind. Nagel, ein starker Befürworter der kalten Kernfusion, ist zwar enttäuscht, stimmt den Gutachtern allerdings darin zu, dass die Experimente immer noch nicht gänzlich verstanden und daher nicht beliebig wiederholbar seien.

Hoffnung schöpfen die Anhänger der kalten Fusion aus dem erneuten Befund, dass auch Forschungen aus diesem Bereich förderungswürdig seien, vorausgesetzt sie sind wohl definiert und beschäftigen sich mit den Fragen der Produktion überschüssiger Energie und der Kernfusion bei geringem Energieniveau beschäftigen. Decker: "Wenn wir gut durchdachte Anträge erhalten, die wissenschaftlich vielversprechend sind und unseren Vorgaben entsprechen, werden wir diese gewiss bedenken. Wir haben aber auch in der Vergangenheit nie gesagt, dass wir Anträge auf diesem Gebiet nicht berücksichtigen würden."

[Quelle: Haiko Lietz]

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk