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StartseiteWirtschaft und GesellschaftHohe Geburtenraten vor allem in armen Ländern26.10.2011

Hohe Geburtenraten vor allem in armen Ländern

Die Vereinten Nationen haben den neuen Weltbevölkerungsbericht vorgestellt

Am kommenden Montag wird voraussichtlich der siebenmilliardste Mensch das Licht der Welt erblicken. Innerhalb von nur 12 Jahren ist damit die Weltbevölkerung um eine Milliarde Menschen gewachsen. Doch sie wächst vor allem dort, wo Ressourcen wie Bildung oder Nahrung ohnehin schon knapp sind, wie der neue UNFPA-Bericht zeigt.

Von Vincent Neumann

Die Bevölkerung wächst vor allem in armen Regionen wie in Afrika. (AP / Farah Abdi Warsameh)
Die Bevölkerung wächst vor allem in armen Regionen wie in Afrika. (AP / Farah Abdi Warsameh)
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Die Hunger-Spekulanten

Am kommenden Montag wird es voraussichtlich soweit sein – der siebenmilliardste Mensch erblickt das Licht der Welt. Für Staatssekretär Hans-Jürgen Beerfeltz, der bei der Präsentation des Berichts Entwicklungsminister Niebel vertrat, kein wirklicher Grund zur Freude.

"Wir freuen uns auf das Baby am Montag, aber insgesamt ist das natürlich alles andere als ein Grund für Hurra-Rufe."

Innerhalb von nur 12 Jahren – sogar noch schneller als erwartet – ist damit die Weltbevölkerung um 1 Milliarde Menschen gewachsen. Während die Gesellschaft in Deutschland und anderen Industrieländern immer kleiner und immer älter wird, nimmt die Geburtenrate in Südasien und auch in Afrika stark zu – in den Ländern südlich der Sahara bekommt eine Frau durchschnittlich 4,8 Kinder. Ein Problem, denn gerade der Mangel an Bildung und Gesundheitsversorgung in diesen Gebieten wird dadurch immer eklatanter. Doch Beerfeltz kann dem Weltbevölkerungsbericht auch positive Entwicklungen abgewinnen.

"Der Bericht zeigt uns auf der einen Seite, dass wir mit der heute weltweit höheren Lebenserwartung, mit der gesunkenen Kindersterblichkeit – ganz wichtig – und vor allen Dingen auch mit der Halbierung der Zahl der Kinder pro Frau weltweit ziemlich beeindruckende Entwicklungserfolge erzielt haben."

Man stünde jedoch immer noch vor enormen Herausforderungen, räumte er ein. Und auch Werner Haug vom UN-Bevölkerungsfonds relativierte die "beeindruckenden Entwicklungserfolge". Die Menschen leben insgesamt länger und gesünder als je zuvor, aber nicht überall auf der Welt kommen diese Errungenschaften auch an.

"In Regionen mit hohem Bevölkerungswachstum und tiefem Einkommen haben viele Frauen nach wie vor nicht die Möglichkeit, Zahl und Zeitpunkt ihrer Geburten selber zu bestimmen."

In diesen Gebieten wächst die Bevölkerung meist schneller als die Wirtschaft. Der Aufbau eines funktionierenden Gesundheitssystems wird dadurch erheblich erschwert.

"Komplikationen bei Teenagerschwangerschaften sind immer noch die wichtigste Todesursache bei Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren weltweit. Und 71 Prozent aller HIV-positiven Personen im südlichen Afrika sind junge Frauen. Kinderehen sind nach wie vor weit verbreitet, und all dies führt nicht nur zu Gesundheitsproblemen, sondern erhöht das Armutsrisiko, und fördert Bevölkerungswachstum."

Und das muss sich nun verlangsamen, gerade in den Entwicklungsländern, sagt Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung. Der Schlüssel dazu sei die Familienplanung, denn allein in den Entwicklungsländern werden jedes Jahr 75 Millionen Frauen ungewollt schwanger.

"Es gibt kein Beispiel von einem Land, das sich aus der Armut befreien konnte, ohne in Maßnahmen der Familienplanung investiert zu haben. Ich nehme die Ölstaaten da raus, aber ansonsten gibt es kein Beispiel."

Vorbilder für positive Entwicklungen gibt es laut Renate Bähr zu Genüge.

"Schauen Sie sich all die ostasiatischen Tigerstaaten an, wie Thailand – die haben in den 70er und 80er-Jahren auf Familienplanung gesetzt, und das war eine ganz wesentliche Voraussetzung dafür, Armut bekämpfen zu können."

Doch um durch Familienplanung die Armut weiter bekämpfen zu können – gerade im Angesicht einer stetig wachsenden Weltbevölkerung – braucht man viel Geld. 6,7 Milliarden Dollar veranschlagt die Stiftung Weltbevölkerung dafür. Doppelt so viel, wie bisher bereitgestellt wurde – aber insgesamt nicht einmal ein Dollar pro Mensch.

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