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Holocaust-Gedenkstätte JerusalemKandidat für Yad-Vashem-Leitung sorgt weiter für Kritik

Ein Blick in das Holocaust-Memorial Yad Vashem. In einem Betonkegel sind unzählige Fotos von Überlebenden der Shoah zu sehen. (Getty Images/Lior Mizrahi)
Yad Vashem ist die bedeutendste Gedenkstätte, die an die nationalsozialistische Judenvernichtung erinnert und sie wissenschaftlich dokumentiert. (Getty Images/Lior Mizrahi)

Die geplante Ernennung des nationalreligiösen Politikers und Generals Ephraim Eitam zum Direktor der Jerusalemer Holocaustgedenkstätte Yad Vashem sorgt für breite Kritik.

"Wir werden keine Ernennung zur Regierung bringen, die nicht Teil eines umfassenden Abkommens ist, das die politische und staatliche Stabilität zum Nutzen der Bürger Israels gewährleistet", erklärte das Parteienbündnis "Blau-weiß" des Verteidigungsministers und alternierenden Ministerpräsidenten Benny Gantz laut der Zeitung "Haaretz". Der Koalitionspartner von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu droht mit einer zumindest vorläufigen Blockierung der Ernennung. Hintergrund ist ein Streit um die Besetzung mehrerer Schlüsselpositionen, darunter des Generaldirektors des Justizministeriums sowie des Leiters der Haushaltsabteilung des Finanzministeriums. Inhaltlich wollte sich das Parteienbündnis laut Bericht nicht zu dem Kandidaten positionieren.

Rechtsnationaler Hardliner

Der für Yad Vashem verantwortliche Minister für höhere Bildung und Wasserversorgung, Zeev Elkin, warnte vor einer Lähmung der Gedenkstätte und vor deren wirtschaftlichem Zusammenbruch, sollte Eitams Ernennung verhindert werden. Eitam gilt als rechtsnationaler Hardliner. Unter anderem forderte er in der Vergangenheit die Vertreibung von Palästinensern aus den besetzten Gebieten sowie den Ausschluss arabischer Israelis aus dem politischen System Israels.

Seine Ernennung "würde eine international angesehene Institution, die sich der Dokumentation von Verbrechen gegen die Menschlichkeit und der Verfolgung der Menschenrechte widmet, in Spott und Schande verwandeln", heißt es laut Medienberichten in einer internationalen Petition, die bislang von 750 Wissenschaftlern sowie Mitarbeitern an mit dem Holocaust befassten Einrichtungen unterzeichnet wurde. Eitams hasserfüllte Rhetorik gegenüber Palästinensern stehe in Widerspruch zur erklärten Mission von Yad Vashem.

Kritik auch aus den USA

Auch die Anti-Defamation-League aus den USA sowie eine Dachorganisation von Holocaust-Überlebenden hatten sich gegen Eitam ausgesprochen. Unter anderem warfen sie dem Kandidaten fehlende Kompetenzen für die Leitung von Yad Vashem vor. Man sorge sich um einen potenziellen Schaden für die Institution Yad Vashem durch mangelnde diplomatische, sprachliche, finanzielle und fachliche Kenntnisse des Kandidaten.

Der Leiter der Yad-Vashem-Medienabteilung, Simmy Allen, hatte auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur erklärt, die Nominierung eines neuen Direktors der Gedenkstätte erfolge entsprechend dem Yad-Vashem-Gesetz durch den israelischen Ministerpräsidenten und den zuständigen Minister. Die Wahl müsse durch den zuständigen Parlamentsausschuss bestätigt werden. Einen Kommentar zur Diskussion um Eitam lehnte die Gedenkstätte ab.

Der gegenwärtige Yad-Vashem-Direktor Avner Schalev hatte im Sommer angekündigt, sein Amt nach 27 Jahren zum Jahresende niederzulegen. Berichten zufolge steht die Gedenkstätte finanziell erheblich unter Druck. Verantwortlich seien neben einem deutlichen Spendenrückgang ausstehende staatliche Gelder.

Diese Nachricht wurde am 19.11.2020 im Programm Deutschlandfunk gesendet.