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StartseiteEuropa heuteMafiöse Strukturen in Rumänien05.09.2014

HolzhandelMafiöse Strukturen in Rumänien

Von Manfred Götzke und Leila Knüppel

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Illegaler Holzhandel - Baum-Gene verraten Herkunft (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 21.03.2014)

Gutes oder schlechtes Holz (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 18.03.2013)

Wer auf Rumäniens Nationalstraßen unterwegs ist, muss alle paar Kilometer Holzlaster überholen. Sie bringen ihre Ladung nach Deutschland, Russland oder zum Schwarzmeerhafen Constanza. Von da geht's nach Katar, Dubai oder China. Rumänien ist Europas größter Holzlieferant. Dabei hat das Land im Vergleich zu anderen EU-Ländern nur no­ch wenig Wald, knapp 27 Prozent der Landesfläche (nur zur Info: EU-Durchschnitt 37%). Beim Ausverkauf der rumänischen Wälder wird ein Großteil illegal abgeholzt: Seit der Wende sind in Rumänien fast 400.000 Hektar illegal abgeholzt worden - eine Fläche fast anderthalb Mal so groß wie das Saarland. Förster, Polizei und Politik schauen weg - oder verdienen am illegalen Kahlschlag mit. Manfred Götzke und Leila Knüppel waren mit einem Umweltaktivisten unterwegs, der gegen den Kahlschlag in Rumänien vorgeht.

"Wir sind jetzt schon hier. Wir müssen da hin."

Hans Hedrich hält die Karte auf dem Schoss und dirigiert das Auto über Feldwege, hoch ins Fagaras-Gebirge. Mit über 2500 Metern das höchste Bergmassiv in Rumänien.

Der Umweltaktivist hat hier vor einigen Wochen ein Gebiet entdeckt, in dem illegal abgeholzt wurde. Nun möchte er es sich genauer ansehen. Mit seiner Zwei-Mann-NGO "Neuer Weg" geht der Deutsch-Rumäne gegen den massiven Kahlschlag in seinem Land vor.

"Wir fahren jetzt bis zum Kleinwasserkraftwerk. Gleich nebenan werden wir eine Schneise sehen, die ist einen knappen Kilometer lang, geht einen steilen Hang hinauf im Wald. Und dort wurde ganz klar illegal Holz geschlagen, das hat uns das Forstamt später bestätigt. Das Forstamt, das zuständig ist, um so einen Kahlschlag zu verhindern."

Tricks der Förster

An einer schlammigen Piste kommt das Auto nicht mehr weiter. Hedrich setzt seine verspiegelte Sonnenbrille auf und geht im flotten Schritt den Berg hinauf. Er erzählt von den gängigsten Methoden der Förster beim Holzschlag zu tricksen – und einige tausend Lei extra zu verdienen.

"Offiziell wird eine bestimmte Menge an stehendem Holz markiert. Das wird auch in eine Inventurliste eingetragen. Und dieses offiziell markierte Holz versteigert dann eine Firma, die auch die Holzernte übernimmt. Nebenher wird entweder illegal mehr abgesägt, ohne dass das Holz markiert wäre. Das wird dann schwarz verkauft."

Der zusätzliche Gewinn wird unter der Hand verteilt - vom kleinen Förster bis zum hochrangigen Politiker verdienen alle mit, sagt Hedrich.

"Teilweise werden auch Wahlkämpfe finanziert. Wo es um große Flächen geht, die kahl geschlagen werden, um hunderte Hektar, dort sind oft die Parteikassen Nutznießer der Schwarzgelder. Ja, es gibt Insider, die sagen, dass vor den Wahlkämpfen besonders viele Holz-LKW durch die Gegend fahren, weil die Wahlkämpfe auch immer teurer werden. Die kosten ja etwas."

Seit ein paar Jahren berichten die Medien zwar immer wieder über die mafiösen Strukturen im Holzhandel. Konsequenzen hat das bisher kaum. Selbst hochrangige Politiker wie der amtierende Verteidigungsminister, Mircea Dusa, sollen in den illegalen Holzhandel verstrickt sein.Dusa selbst wies die von rumänischen Anti-Korruptionsbehörden und Medien erhobenen Vorwürfe stets zurück.

Eine breite Schotterpiste führt durch das Naturschutzgebiet, einen Flusslauf hinauf. Holztrucks und schwere Forstmaschinen haben hier ihre Abdrücke hinterlassen. Vor einigen Jahren sei hier nur ein schmaler Wanderweg gewesen, erzählt Hedrich. Viel ist nicht von dem Naturidyll geblieben. Am Ende der ausgebauten Piste zieht sich eine breite Schneise schnurgerade durch den Wald einen steilen Hang hinauf. 40 Meter breit, knapp einen Kilometer lang.

"Hier sehen wir einen Fall vom illegalen Kahlschlag, der schaut sehr hässlich aus, von der Fläche her ist es aber nicht so dramatisch. Da sind es vielleicht zwei bis drei Hektar maximal. Es gibt andere Regionen, nicht weit von hier. Da sind es locker zig Hektar, wenn nicht hunderte Hektar. Das sind riesengroße Flächen. Und das ist leider auch die Regel in sehr, sehr vielen Gegenden."

Schädlingsbefall als Vorwand für Abholzung

In diesem Fall soll jedoch der Borkenkäfer schuld sein: Weil der Schädling Bäume auf dem Berggipfel befallen hatte, musste hier die Schneise zum Abtransport der kranken Stämme geschlagen werden. Das haben die zuständigen Förster Hans Hedrich erzählt. Der Umweltaktivist hält das für einen Vorwand.

"Die Förster haben das auch eingestanden, ja, die Schneise ist zu breit geraten. Die haben die Schuld auf die Firma geschoben. Die hätte diesen Verlauf des Kabels nicht richtig gemessen. Ist alles nur vorgeschoben, meiner Meinung nach."

Hedrich konfrontiert nicht nur Förster und Behörden mit solchen Fällen. Gemeinsam mit einer Bukarester Anwältin geht er auch auf juristischem Weg gegen die Abholzung der rumänischen Wälder vor. Zwei von fünf Fällen hat er bisher gewonnen.

Doch gegen das Kartell aus Holzfirmen und Politik kommt er mit seiner Zwei-Mann-NGO letztlich nicht an.

"Rumänien wird mehr und mehr zum billigen Rohstofflieferanten. Die ganze Wirtschaft richtet sich schrittweise mehr und mehr darauf ein, dass wir uns selbst ausbeuten, selbst prostituieren auf den Weltmärkten. Und zurück bleibt hier diese Wüste. Das wollen wir nicht."

Daran, dass sich in Rumänien bald eine breitere Umweltbewegung entwickelt, glaubt Hedrich allerdings nicht. Die meisten Rumänen hätten genug damit zu tun, irgendwie über die Runden zu kommen.

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