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StartseiteForschung aktuellGrillvergnügen ohne Tropenholz28.07.2016

Holzkohle unterm MikroskopGrillvergnügen ohne Tropenholz

Im Sommer wandern nicht nur Würstchen und Filets über den Tresen, sondern auch säckeweise Holzkohle. Welche Holzarten darin enthalten sind und vor allem, ob Tropenholz dabei ist, ließ sich bisher nicht zuverlässig feststellen. Doch jetzt bringen Forscher vom Hamburger Thünen-Institut endlich Licht in das Dunkel.

Von Simon Schomäcker

Sergej Kaschuro, Mitarbeiter im Thünen-Kompetenzzentrum Holzherkünfte, beim Untersuchen einer Holzkohlenprobe (Christina Waitkus / Thünen-Institut)
Sergej Kaschuro, Mitarbeiter im Thünen-Kompetenzzentrum Holzherkünfte, beim Untersuchen einer Holzkohlenprobe (Christina Waitkus / Thünen-Institut)
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Pressemitteilung des Thünen-Instituts, Hamburg

Grillen Je besser die Kohle, desto weniger Asche

Gerald Koch: "Also es ist eigentlich schon relativ lange bekannt, dass die meiste Holzkohle, die in Deutschland verwendet wird, aus Osteuropa stammt. Und man muss deutlich sagen, die Rohstoffe können Sie in den tropischen Ländern deutlich billiger generieren."

Woher die Rohstoffe für Holzkohle wirklich kommen, ist schwer nachzuvollziehen. Gerald Koch, Holz-Experte am Hamburger Thünen-Institut, hat gemeinsam mit seinem Team versucht, dieses Problem zu lösen:

"Man möchte, wenn man seine schöne Wurst isst, nicht davon ausgehen, dass da Tropenhölzer als Grillgut verwendet werden."

Um Holzarten bestimmen zu können, nehmen Forscher normalerweise 20 bis 30 Mikrometer dünne Schnittproben aus einem größeren Stück. In diesem Fall ist es aber komplizierter, wie Gerald Koch erklärt:

"Das geht leider bei Holzkohle nicht, die lässt sich nicht schneiden und würde auseinanderbrechen. Dennoch haben wir auch zuvor versucht, es zu identifizieren, indem man die Holzkohle bricht. Mit einer Lupe haben wir an den offenen Bruchstellen auch schon relativ gut die Struktur erkennen können. Mit der Methode war es uns möglich, zum Beispiel zwischen Laub- und Nadelhölzern zu unterscheiden."

Dünn geschnittene Rohholzproben sind durchsichtig. Somit können sie unter dem Rasterelektronenmikroskop durchleuchtet und die Zellstruktur mehrdimensional erfasst werden. Bei Holzkohle geht das aber nicht, was eine exakte Bestimmung der Baumarten erschwert.

Ein spezielles Leuchtverfahren bringt Licht ins Dunkel

Das spezielle Belichtungsverfahren erlaubt Einblicke in die Feinstruktur von Holzkohle. Hier sieht man die recht grobe Zellstruktur der Holzkohle aus Eschenholz (Thünen-Institut)Das spezielle Belichtungsverfahren erlaubt Einblicke in die Feinstruktur von Holzkohle. Hier sieht man die recht grobe Zellstruktur der Holzkohle aus Eschenholz (Thünen-Institut)

"Die Materie ist schwarz, es kommt nichts zu der Linse. Oder es glänzt metallisch und dann überstrahlt das Ganze", erklärt Sergej Kaschuro, Technik-Experte am Thünen-Institut. Die Forscher entwickelten deshalb ein besonderes Beleuchtungsverfahren: Extrem gerichtetes und geglättetes Licht scheint von oben auf die Kohleprobe. Kaschuro führt weiter aus:

"Das, was vorher pechschwarz war, erscheint dann in verschiedenen Grüntönen, abhängig sogar von Zelltyp und Dichte. Wir haben dadurch ein sehr kontrastreiches Bild, das zusätzlich auch noch ziemlich scharf ist. Nicht alle Merkmale kann man so erkennen, weil es eben nicht durchsichtig ist. Wir gucken nur drauf."

So können die Forscher schließlich feststellen, aus welchen Ursprungshölzern die Kohle besteht. Tropenhölzer zeichnen sich vor allem durch eine sehr hohe Zelldichte aus. Diese ist bei europäischen Hölzern wie Eiche oder Buche erheblich geringer. Aber das Hamburger System hat auch seine Grenzen, weiß Gerald Koch:

"Wir können über die Holzartenerkennung immer nur grob das Verbreitungsgebiet eingrenzen - bei der Buche von Westeuropa bis an den Ural zum Beispiel. Und dann festzustellen, ob das jetzt ein geschützter Wald in Rumänien in den Karpaten gewesen ist oder ein ganz normaler Wirtschaftswald, das wird leider nicht möglich sein."

... während dieses Bild die deutlich höhere Zelldichte eines Tropenholzes aus der Familie der Sapotaceae zeigt (Thünen-Institut)... während dieses Bild die deutlich höhere Zelldichte eines Tropenholzes aus der Familie der Sapotaceae zeigt (Thünen-Institut)

Für den österreichischen Konsumentenschutz hat das Thünen-Institut schon den Inhalt von mehreren Holzkohlesäcken geprüft, so Koch:

"Von 18 Sortimenten haben wir drei mit Tropenhölzern gefunden: Ein reines Tropenholzsortiment ohne Angaben und zwei Mischsortimente, wo bei einem stand, dass es in Frankreich hergestellt wurde. Und das ist schon ein bisschen überraschend, weil in Frankreich ja keine Tropenhölzer wachsen."

Holzkohle fällt zwar noch nicht unter die EU-Holzhandelsverordnung. Rechtliche Konsequenzen sind für die Hersteller bei einer Materialprüfung aber trotzdem nicht ausgeschlossen, meint Gerald Koch:

"Die können das natürlich als Instrument sehen, mehr Wert drauf zu legen, dass wenn eine Holzart angegeben wird, die Auswahl auch erfüllt wird. Das könnte handelsrechtliche Konsequenzen haben. Denn das wäre Verbrauchertäuschung, wenn draufsteht: 'Zu 100 Prozent aus Buchenholz', aber andere Hölzer drin sind. Da würde dann das Verbraucherrecht tragen."

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