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StartseiteUmwelt und VerbraucherHolzmüll der Atom-Katastrophe energetisch nutzen26.08.2011

Holzmüll der Atom-Katastrophe energetisch nutzen

Japan will Erneuerbare Energien mit einer Einspeisevergütung fördern

Der Aufstieg der Erneuerbaren Energien in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte, ihr Anteil an der Stromversorgung nähert sich mit Riesenschritten der 20 Prozent-Marke. Hohe Investitionen in diesem Bereich sind die Folge. Japan sucht nach der Katastrophe von Fukushima dringend nach neuen Energiequellen - und will jetzt auch auf diesen Weg setzen.

Von Peter Kujath

Eine Aufnahme nach der Kernschmelze im Reaktorblock 1 in Fukushima. (picture alliance /  dpa)
Eine Aufnahme nach der Kernschmelze im Reaktorblock 1 in Fukushima. (picture alliance / dpa)

Aufgeschüttetes Land darf in Japan erst einmal nicht als Wohnraum genutzt werden. Die Stadt Kawasaki hatte sich deshalb entschieden, das dank des Mülls neu gewonnene Land in der Tokio-Bucht für ein Solarkraftwerk zu nutzen. Ukishima liefert seit dem 10. August Elektrizität. , erklärt der zuständige Herr Yumida.

"An schönen Tagen erzeugt die Anlage über 6000 kW Strom. Wenn wie heute Wolken den Himmel bedecken reicht es nur für eine etwa 20-prozentige Auslastung. "

Ukishima und Ogishima bilden mit zusammen 20 Megawatt Leistung eines der größten Solarkraftwerke in Japan. Betrieben wird es vom Energiekonzern Tepco. Vom 1. Juli nächsten Jahres an müssen die Energieriesen wie Tepco Strom aus erneuerbaren Energien zu festgesetzten, höheren Preisen aufkaufen und in ihre Netze einspeisen. Das entsprechende Gesetz wurde heute vom japanischen Parlament verabschiedet. Die Einzelheiten müssen aber noch geklärt werden, so der Direktor des Büros für Umwelt und Nachhaltigkeit der Stadtverwaltung von Kawasaki.

"Im Allgemeinen heißt es, dass der Preis für Solarstrom der höchste sein wird. Strom aus Biomasse zum Beispiel soll nur halb so viel bringen, wenn er eingespeist wird. Aber das wird von der Zentralregierung entschieden, auch wenn wir hier in Kawasaki davon natürlich stark betroffen sein werden. Wir haben uns deshalb zusammen mit Yokohama und der Präfektur an die Zentralregierung gewandt, um für Solarstrom einen Preis von 42 Yen pro kW zu fordern. Ich hoffe, dass diese Anregungen bei der Umsetzung der Förderung von erneuerbaren Energien berücksichtigt werden."

Yasuhiro Fukushiba weiß um die Schwierigkeiten, die mit diesem Gesetz verbunden sind. Zu hohe Preise belasten die Energieunternehmen, wenn der Staat nicht einen Teil davon übernimmt. Sind die Preise zu gering, reichen die Anreize nicht aus, um erneuerbare Energien effektiv zu fördern. Das Biomasse-Kraftwerk in Kawasaki ist ein privates Unternehmen, das seit einem halben Jahr Strom durch das Verbrennen von Holzchips erzeugt. Die Kapazität beträgt 33 Megawatt.

"Was den Strompreis angeht, kann ich ihnen leider keine Auskunft geben. Das neue Gesetz wird voraussichtlich keinen Einfluss haben. Wir haben mit Tepco langfristige Verträge abgeschlossen über den Abnahmepreis und Stillschweigen vereinbart."

Hiroshi Nakamura ist der Direktor des Biomasse-Kraftwerks Kawasaki. Da in Japan viele Häuser aus Holz gebaut werden und keine allzu lange Lebensdauer haben, fällt beim Abbruch eine Menge Holz an, das nur mehr verheizt werden kann. Als zusätzliche Energiequelle werden Soja-Bohnen-Abfälle aus der benachbarten Fabrik von Ajinomoto genutzt, aber die machen laut Nakamura bisher nur fünf Prozent aus.

Angesichts der großen Menge an Holz-Müll, der durch das Erdbeben und den Tsunami vom 11. März angefallen ist, sollen in Tohoku, im Nordosten Japans, neue Biomasse-Kraftwerke gebaut werden. Für die wäre ein hoher Preis für die Stromeinspeisung im Zusammenhang mit dem Gesetz zur Förderung von erneuerbarer Energie von großer Bedeutung. Der Direktor der Umweltabteilung in Kawasaki, Yasuhiro Fukushiba, hat bezüglich der notwendigen Umsetzung aber seine Zweifel.

"Derzeit herrscht in der japanischen Politik, vor allem bei der Regierungspartei Chaos. Deshalb wird es mit den Nachfolgegesetzen über die Einspeisungspreise oder die Dauer der Maßnahmen oder die staatlichen Zuwendungen nicht so schnell gehen. Wir als lokale Behörde hoffen natürlich möglichst bald auf die Details, um sie an unsere Bürger und Unternehmen weitergeben zu können, aber angesichts der politischen Turbulenzen wird das noch dauern."

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