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StartseiteCampus & KarriereVon der Präsenzkultur hin zur Ergebniskultur12.01.2019

HomeofficeVon der Präsenzkultur hin zur Ergebniskultur

Zu Hause arbeiten trotz Festanstellung wird immer beliebter: Dank E-Mailverkehr und Videokonferenzen wird das Homeoffice-Modell von immer mehr Arbeitgebern ermöglicht. Es ist ein Wandel in der Unternehmenskultur - und dieser hat sowohl Vor- als auch Nachteile.

Von Moritz Börner

Eine Frau arbeitet in einem Homeoffice (imago / Westend61)
Arbeiten von zuhause: In vielen Abteilungen gibt es dennoch jede Woche einen Tag, an dem alle im Büro arbeiten müssen, damit der Kollegenkontakt nicht verloren geht. (imago / Westend61)
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Freitagnachmittag, der elfjährige Niklas Vogt ist zurück von der Schule und macht seine Hausaufgaben. Gleich neben ihm am Wohnzimmertisch arbeitet seine Mutter Tanja Vogt, sie macht sozusagen auch Hausaufgaben, heute ist ihr Homeoffice-Tag. Sie arbeitet in der Unternehmenskommunikation von Vodafone, über ihr Dienstlaptop verschickt sie Mails, sie telefoniert und macht Videokonferenzen per Skype. 

"Ich gestalte meine Arbeiten so, dass ich dann hier zu Hause, wenn die Kinder dabei sind, dann nicht mehr mich an so konzentrierte Textformulierungen setze, sondern vielleicht Mails abarbeite, oder Dinge, die im Büro liegen geblieben sind, die aber noch erledigt werden müssen. Und diese Kombination passt sehr gut und ich bin gleichzeitig Ansprechpartnerin für meine Kinder, wenn etwas sein sollte, gerade der große, wenn der von der Schule kommt." 

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Während für Tanja Vogt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Vordergrund steht, nutzt Stephanie Seipp, die bei Vodafone als Referentin des Finanzvorstands arbeitet, das Homeoffice, weil sie zwei Stunden entfernt in Hessen wohnt. Vier Tage in der Woche arbeitet sie im Hochhaus in Düsseldorf, ganz normaler Büroalltag: 

"Stephi kannst du mal ganz kurz hier schauen, ich hab hier was vorbereitet, was sagst du dazu?" 

"Ah, ist das die neue Unternehmenspräsentation?"

Einen Tag in der Woche verbringt sie im hessischen Wetzlar, wo sie mit ihrem Mann ein Haus gebaut hat. Dadurch konnte sie sich beruflich weiter entwickeln, ohne ihren Lebensmittelpunkt verändern zu müssen.

"Das heißt, ich komme montagmorgens hier ins Büro, nach Düsseldorf und fahre am Donnerstagnachmittag wieder, sodass ich dann am Freitag von Wetzlar aus arbeiten kann. Mir gibt das Homeoffice sehr viel Flexibilität und auch eine Lebensqualität, weil ich damit einfach einen Tag früher bei meinem Mann, bei meiner Familie, bei meinen Freunden sein kann, und mehr Zeit mit ihnen verbringe. Und das ist mir ganz besonders wichtig, ich glaube ohne diese Möglichkeit hätte ich mich nicht für diesen Job entschieden." 

Zu Hause in der hessischen Kleinstadt Wetzlar findet sie die Ruhe, um über anstehende Projekte nachzudenken. Im Homeoffice arbeitet sie effektiver: 

"Im Homeoffice kann man besonders gut strategische Dinge vorbereiten, wenn ich mir Gedanken über Konzepte machen muss, wenn ich mir überlegen muss, wie kann man ein Projekt angehen, kann ich das im Homeoffice deutlich effizienter als hier im Campus."

Wandel in der Unternehmenskultur

Genau so stellt sich das auch die Unternehmensleitung von Vodafone vor. Homeoffice steht auch für einen Wandel in der Unternehmenskultur, weg von der Präsenz, hin zur Ergebnisorientierung. Pressesprecherin Ute Brambrink: 

"Uns geht es um das Arbeitsergebnis, das mit einem Wandel der Unternehmenskultur, den wir hier haben, weg von der Präsenzkultur hin zur Ergebniskultur einhergeht. Das heißt, nicht mehr derjenige, der hier neben mir sitzt, der arbeitet auch toll, sondern derjenige, der die erwartete Leistung bringt, die ich von ihm verlange als Vorgesetzter."

Homeoffice habe aber nicht nur Vorteile, sagt Ute Brambrink, der regelmäßige Kontakt unter den Mitarbeitern dürfe nicht verloren gehen, deswegen gebe es in den meisten Abteilungen jede Woche einen Tag, an dem alle im Büro arbeiten müssen. Unterm Strich macht das Unternehmen mit Homeoffice zwar gute Erfahrungen, den Vorstoß der SPD, per Gesetz ein Recht auf Homeoffice zu verankern, sieht Tanja Vogt jedoch kritisch: 

"Ich bin der Meinung, nicht in jeder Branche kann man Homeoffice vernünftig durchführen, das muss natürlich passen, zu der Unternehmenskultur passen. Eine Unternehmenskultur, die noch sehr stark auf Anwesenheitspflicht schaut, wo auch die Anwesenheit der Mitarbeiter untereinander sehr sehr entscheidend ist, und wo es diese technischen Rahmenbedingungen nicht gibt, da wird natürlich eine Homeoffice-Struktur sehr schwierig werden, umzusetzen."

Die Pläne der großen Koalition sehen vor, Ausnahmeregelungen zu schaffen, für die zahlreichen Jobs, in denen Arbeiten von zuhause unmöglich ist. Vom Bäcker bis zum Vertriebsmitarbeiter.

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