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StartseiteSport am Wochenende"Wollen die Atmosphäre insgesamt verbessern"02.01.2021

Homophobie im Fußball"Wollen die Atmosphäre insgesamt verbessern"

Nach Thomas Hitzlsperger gab es im deutschen Profi-Männerfußball kein Coming-Out mehr. Die Interessensvertretung "Gay Players Unite" will homosexuellen Spielern als Anlaufstelle dienen. Der frühere Fußballer Marcus Urban ist seit Dezember Sprecher des Projekts und ist von dessen Erfolg überzeugt.

Marcus Urban im Gespräch mit Raphael Späth

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Marcus Urban (ehemaliger Fussballprofi) in der ZDF-Talkshow maybrit illner am 09.01.2014 in Berlin Thema der Sendung: Hitzlsperger bricht ein Tabu - Wie tolerant ist der Fussball? Marcus Urban former Professional football in the ZDF Talk show Maybrit Illner at 09 01 2014 in Berlin Theme the Consignment Hitzlsperger breaks a taboo Like tolerant is the Football (imago images | Müller-Stauffenberg)
Der frühere Fußballprofi Marcus Urban. (imago images | Müller-Stauffenberg)
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Homophobie ist im Fußball fest verankert. Zwar hat Ex-Profi Thomas Hitzlsperger, heute Vorstandsvorsitzender beim VfB Stuttgart, nach seinem Coming-Out viel Zuspruch bekommen. Bis heute hat sich jedoch kein weiterer Profi-Spieler in Deutschland geoutet. "Die Angst überwiegt noch", sagte Diversity-Coach Marcus Urban im Deutschlandfunk. "Die Angst, die Karriere nicht fortsetzen zu können. Die Angst, gedisst oder gemobbt zu werden von Mitspielern, Fans oder der Öffentlichkeit." Wobei sich das auch schon gewandelt habe, so Urban: "Die Öffentlichkeit ist jetzt eher pro zu dem Thema. Vielleicht ist der Schritt gar nicht mehr so weit, dass sich weitere outen."

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Urban wäre selbst fast Profifußballer geworden. Doch der Druck, sich als Homosexueller in der Fußballwelt verstecken zu müssen, war zu groß für den 49-Jährigen. Seit Anfang Dezember ist er nun Sprecher der Interessensvertretung "Gay Players Unite", die als Anlaufstelle für homosexuelle Fußballer dienen soll. Eines der Ziele von "Gay Players Unite" ist ein Gruppen-Coming-Out mehrerer Fußballspieler. Von Einzel-Coming-Outs rät die Initiative ab. "Weil der Einzelne doch recht alleine dastehen würde", erklärt Urban. "Ich persönlich würde nicht direkt von einem Einzel-Coming-Out abraten, wenn man sich stark genug fühlt."

"Das Ganze kommt aus der Mitte der Zivilgesellschaft"

Ein Gruppen-Coming-Out wäre zudem "nur ein Symptom, aber nicht unbedingt das Ziel, das wir primär verfolgen", so Urban. "Wir wollen insgesamt an der Atmosphäre etwas verbessern, und da geht es auch um die Umsetzung des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes und der EU-Richtlinien zum Arbeiternehmer- und Arbeitnehmerinnenschutz, das jetzt auch im Fußball seinen Platz finden darf und kann." Dabei war Urban dem Projekt gegenüber zunächst skeptisch. Dann hat er sich entschlossen, ein Teil davon zu werden, "weil es ein gutes zivilgesellschaftliches Engagement ist. Das Ganze kommt aus der Mitte der Zivilgesellschaft und das finde ich toll. Ich habe mich auch eingebracht, um das Ganze zu professionalisieren, wissentlich dass das Projekt noch viele Fragen klären und sich weiterentwickeln muss." Das Projekt sei aber schon gut aufgestellt und auch international vernetzt. "Bei Gay Players Unite wird sich in Zukunft also einiges tun", so Urban.

Doch die Kritik am Projekt ist groß: 2019 ist ein Twitter-Kanal mit dem Namen "gay_Bundesligaspieler" entstanden. Der Nutzer hatte damals angegeben, ein schwuler Spieler aus der 2. Bundesliga zu sein und sich auf dem Kanal outen zu wollen. Zu einem Coming Out kam es nicht. Stattdessen ist dieser Kanal heute der Hauptkanal von "Gay Players Unite". Kritiker sprechen von einem Fake und behaupten nun, dem Projekt fehle die Glaubwürdigkeit. Urban kann die Skepsis verstehen, ist aber weiterhin vom Erfolg des Projekts überzeugt. "Es ist schon eine Interessensvertretung, es steht ein Netzwerk dahinter. Es bildet schon einen Erfolg ab, indem es sich dazu entwickelt hat, eine anonyme Anlaufstelle zu sein. Über alles andere entscheiden dann auch die Spieler, wenn sie sich melden wollen."

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