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StartseiteInterviewEhe für alle? "Für mich nicht"14.06.2015

HomosexualitätEhe für alle? "Für mich nicht"

Die Ehe ist für den Regisseuren Rosa von Praunheim eine reaktionäre Einrichtung. Er verstehe nicht, warum die homosexuelle Bewegung alles daran setze, sie für sich zu öffnen. Außerdem zeige die nervös geführte Diskussion, dass die sexuelle Freiheit in Deutschland nur scheinbar gegeben sei. Von Praunheim: "Es bleibt noch viel zu tun."

Rosa von Praunheim im Gespräch mit Burkhard Müller-Ullrich

Filmemacher Rosa von Praunheim (dpa / picture alliance / Horst Galuschka)
Rosa von Praunheim hält die "Ehe für alle" für reaktionär - und nicht für fortschrittlich. (dpa / picture alliance / Horst Galuschka)
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Die Religionen dominieren laut Rosa von Praunheim noch viele Bereiche der deutschen Gesellschaft. Es gebe etliche Milieus, in denen junge Menschen nicht zu ihrer Homosexualität stehen können, sagte der Regisseur und Filmemacher im Deutschlandfunk. Dazu zählt von Praunheim vor allem muslimische Kreise. Aber auch die christlichen seien längst nicht so fortschrittlich, wie sie es nach außen hin gerne demonstrieren würden, so von Praunheim. Genau müsste die homosexuelle Bewegung mehr tun, anstatt für eine "Ehe für alle" zu kämpfen. Die sei nämlich "fürchterlich reaktionär." Die Homosexuellen sähen oftmals nur das schöne Fest - und würden die Verpflichtungen, die sie mit einem solchen Bündnis eingehen, nicht berücksichtigen. 

Berlin sei in der Zeit der Weimarer Republik von 1919 bis 1933 ein El Dorado für die Schwulen gewesen. Homosexuelle aus der ganzen Welt seien in die deutsche Hauptstadt gekommen, um frei leben zu können. Diesen Rang erobere sich auch das aktuelle Berlin nach und nach zurück. "Queere" Menschen - Schwule, Lesben, Transgender - strömen laut von Praunheim in die Stadt - und prägen zunehmend mit ihren Galerien, Perfomances und Ateliers das kulturelle Leben. "Berlin hat New York den Rang abgelaufen"

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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