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StartseiteInformationen am Morgen"Wer gegen Schwule ist, kommt in den Himmel"06.05.2019

Homosexualität in Südkorea"Wer gegen Schwule ist, kommt in den Himmel"

Gleichstellung von Schwulen und Lesben: In Ostasien ist man davon vielerorts noch weit entfernt. Besonders drastisch ist die Lage in Südkorea. Dort ist Homosexualität zwar erlaubt, jedoch stark tabuisiert. In der Armee steht sie sogar unter Strafe. Manche junge Rekruten dienen deswegen in ständiger Angst.

Von Kathrin Erdmann

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Südkoreanische Soldaten stehen Wache in der demilitarisierten Zone, die Nord- und Südkorea trennt   (AFP/Jung Yeon-je)
Südkoreanische Soldaten beim Wachdienst: Homosexualität steht bei der Armee in dem ostasiatischen Land unter Strafe (AFP/Jung Yeon-je)
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Ein südkoreanischer Militär konfrontiert einen Rekruten damit, dass die Armee Belege über seine gleichgeschlechtliche Beziehung habe. Die Armee als Spitzel. Die Veröffentlichung dieser Mitschnitte sorgte vor zwei Jahren für einen Skandal in Südkorea. Song-U macht derzeit noch seinen Wehrdienst. Der 21-Jährige ist bisexuell. 

"Ich hatte damals wirklich Angst, denn ich stand kurz vor dem Militärdienst. Also habe ich kurz vorher alle meine Spuren im Netz über meine sexuelle Identität gelöscht, auch bestimmte Freunde aus meinem Facebook-Account und Kommentare entfernt, die auf meine Bisexualität hindeuten könnten."

Dass er zu einem Gespräch mit dem ARD-Hörfunk bereit ist, zeugt von großem Mut, denn, noch immer heißt es im Artikel 92 im südkoreanischen Militärrecht:

"Da steht: Wenn zwei Soldaten Geschlechtsverkehr haben, kann dies bestraft werden." 

Und zwar mit bis zu zwei Jahren Gefängnis. Er müsse ständig auf der Hut sein.

"Ich kann mich einfach nicht so geben, wie ich bin, muss meine Persönlichkeit verstecken, damit die Truppe mich nicht isoliert. Ich möchte nicht das schwarze Schaf sein. Anfangs hatte ich auch einen Freund draußen, und jedes Mal, wenn ich mit ihm sprechen wollte, musste ich erst gucken, ob jemand zuhören könnte und mir eine ruhige Ecke suchen."

Sprüche reißen, um nicht aufzufallen

Ein Gefühl, dass Su-Chol kennt. Der 22-jährige Student ist schwul. Sein Wehrdienst endete vor zwei Jahren. Immer mit einer Lüge zu leben, fiel im schwer und lange dachte er, er sei sicher.

"Aber dann habe ich gemerkt, dass sie die Briefe, die ich mit meinem Freund ausgetauscht habe, gelesen haben. Also wussten sie, dass ich homosexuell bin."

Oft wurden anschließend Witze über Schwule gemacht, wenn er in der Nähe stand. Erst am Ende seiner Dienstzeit fasst sich Su-Chol ein Herz und beschwerte sich bei dem zuständigen Vorgesetzten über den Umgang mit Schwulen in der Armee.

Kim Hyung Nam hat großen Respekt vor Su-Chol, denn sich zu beschweren, trauen sich nur die wenigsten. Er setzt sich mit seiner Nichtregierungsorganisation für die Einhaltung der Menschenrechte in der südkoreanischen Armee ein.

Liebe gibt es nur zwischen Mann und Frau

Dass das Militär sich weiterhin so gegen vehement gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen wehrt, führt er auf eine einfache Tatsache zurück:

"In der südkoreanischen Armee gibt es viele hochrangige Mitglieder, die christlich sind. Mit dem Thema Homosexualität versuchen sie Stimmung zu machen."

Etwa ein Drittel der Südkoreaner sind christlich, Liebe gibt es in ihrem Weltbild nur zwischen Mann und Frau.

"In ihren Gottesdiensten wird oft gepredigt: Wer gegen Schwule ist, kommt in den Himmel."

Menschenrechtsgruppen haben allerdings Hoffnung: Noch in diesem Jahr könnten Richter entscheiden, ob das Verbot der Homosexualität beim Militär gegen die Verfassung verstößt.

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