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StartseiteSprechstundeBeipackzettel warnen künftig vor Depressionen29.01.2019

Hormonelle VerhütungBeipackzettel warnen künftig vor Depressionen

Bei hormonellen Verhütungsmitteln wird künftig auf den Beipackzetteln vor Depressionen als möglicher Nebenwirkung gewarnt. Erhebliche Kritik daran gibt es aber von deutschen Gynäkologenverbänden.

Anne Preger im Gespräch mit Georg Nickenig

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Monatspackung der  Antibaby Pille | Verwendung weltweit, Keine Weitergabe an Wiederverkäufer. | picture alliance / imageBROKER (imageBROKER)
Bei der Antibaby-Pille wird künftig vor Depressionen als mögliche Nebenwirkung gewarnt (imageBROKER)
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Hersteller der Antibabypille und anderer hormoneller Verhütungsmethoden sowie das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel- und Medizinprodukte hätten eine Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA umgesetzt, die Beipackzettel ihrer Präparate künftig mit einem zusätzlichen Warnhinweis zu versehen:

"Manche Frauen, die hormonelle Verhütungsmittel anwenden, berichten über Depressionen oder depressive Verstimmungen. Depressionen können schwerwiegend sein und gelegentlich zu Selbsttötungsgedanken führen. Wenn bei Ihnen Stimmungsschwankungen oder depressive Symptome auftreten, lassen Sie sich so rasch wie möglich von Ihrem Arzt medizinisch beraten." Ärzte und Apotheker seien außerdem aufgefordert, Patientinnen auf diese mögliche Gefahren hinzuweisen.

Anlass für die neue Verordnung der Arzneimittelaufsicht sei eine große Studie der Universität Kopenhagen aus dem Jahr 2017, die über acht Jahre Daten von knapp 500.000 Frauen ausgewertet hätten. Demnach hätten Frauen, die hormonelle Verhütungsmittel nutzen, im Vergleich zu anderen Frauen ein doppelt so hohes Risiko für Suizidversuche und ein dreifach so hohes Risiko für vollendeten Suizid.

Gynäkologenverband: "Studie wertlos"

Kritik gebe es allerdings vom Berufsverband der Frauenärzte und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, die die Studie als "wertlos" bezeichneten. Die Verbände hätten vor allem "methodische Fehler" bemängelt: Die Studie zur Suizidgefahr habe lediglich einen zeitlichen Zusammenhang nachgewiesen: In der Zeit, in der junge Frauen hormonelle Verhütungsmittel nähmen, steige die statistische Wahrscheinlichkeit, dass sie versuchen, sich das Leben zu nehmen. Die Forscher könnten aber nicht ausschließen, dass in dieser Zeit nicht andere Faktoren die Ursache für dieses Risiko seien, zum Beispiel Stress in Beziehungen oder bei Teenagern Stress mit den Eltern. Diese Faktoren seien aber nicht erfasst und berücksichtigt worden.

Trotz der Kritik rieten aber auch die Gynäkologenverbände, auf mögliche Stimmungsschwankungen nach der Einnahme hormoneller Verhütungsmittel zu achten. In diesem Fall gelte ebenfalls die Empfehlung, mit dem Arzt oder der Ärztin über mögliche alternative Verhütungsmittel zu sprechen.

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