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StartseiteTag für TagDrei Religionen unter einem Dach26.09.2019

House of One in BerlinDrei Religionen unter einem Dach

Das Christentum, das Judentum und der Islam sollen im House of One unter einem Dach präsentiert werden. Das Konzept klingt einfach, die Umsetzung ist aber kompliziert. Auf einem Podium in Düsseldorf wurde darüber diskutiert, was die Architektur zum Frieden zwischen den Religionen beitragen kann.

Von Klaus Englert

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Rabbiner Andreas Nachama, Pfarrer Gregor Hohberg und Imam Kadir Sanci feiern den Abschluss der Tiefgründungsarbeiten mit dem letzten Bohrpfahl beim Bauprojekt für die interreligiöse Begegnungsstätte "House of One - Bet- und Lehrhaus Berlin" - am Petriplatz in Berlin-Mitte (imago images / snapshot)
Rabbiner Andreas Nachama, Pfarrer Gregor Hohberg, Imam Kadir Sanci feiern den Abschluss der Tiefgründungsarbeiten für das House of One (imago images / snapshot)
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House of One in Berlin Drei Religionen, zwei Küchen, ein Haus

"Wir im House of One sagen: Wenn wir hier etwas zusammen machen wollen, müssen wir den einen Schritt gehen. Wir müssen respektieren, dass es Menschen gibt, die sich Gott anders vorstellen, die eine ganz andere Glaubenswahrheit für lebenswichtig halten. Wir müssen es respektieren", sagt Pfarrer Gregor Hohberg. Er hat das House of One gegründet, zusammen mit dem Rabbiner Andreas Nachama und Imam Kadir Sanci.

Raum für drei Religionen

Gregor Hohberg sprach während des Symposiums "Glaube – Identität – Architektur. Religion braucht Raum" in der Düsseldorfer Kreuzkirche. Hohberg erzählte auch, wie den Architekten vom Berliner Büro Kühn Malvezzi mit dem Entwurf zum House of One die Quadratur des Kreises gelang: Einen sakralen Ort für alle drei Religionen zu schaffen und dabei nicht das Trennende, sondern das Zusammenwirken hervorzukehren:

"Der Grundgedanke, die eigene Identität zu pflegen und aus der die Kraft zu schöpfen für die Begegnung mit dem Anderen, mit dem Fremden, spiegelt sich darin wider."

In die Düsseldorfer Kreuzkirche kamen nicht nur Theologen und Religionswissenschaftler, sondern auch Architekten, die über ihre Erfahrung beim Bau von Sakralräumen berichteten. Unter ihnen war Paul Böhm, der vor einigen Jahren die Kölner Pfarrkirche St. Theodor errichtete und später durch die neue Ditib-Zentralmoschee in Köln bekannt wurde. Die Moschee im Stadtteil Ehrenfeld zeichnet sich zwar durch traditionelle islamische Sakralelemente wie dem Minarett aus, weist aber durch seine fragmentierte Gestalt deutlich Einflüsse aus der westlichen Moderne auf. Dieses Zusammenwirken unterschiedlichster Einflüsse beobachtet Paul Böhm auch an den Religionen:

"In den letzten Jahrzehnten ist es etwas komplexer geworden, aber es hat uns vielleicht auch geholfen, diesen Umgang mit anderen Religionen zu relativieren. Ohne, dass man den eigenen Glauben aufgeben muss: Ich will meine Identität nicht aufgeben. Ich glaube, dass wir irgendwann zwar nicht dahin kommen, die Identitäten aufzugeben, aber dass sich Identitäten vielleicht verschmelzen. Ich glaube, wenn wir unseren Frieden in dieser Welt bewahren oder herstellen wollen, dann müssen wir in diese Richtung denken."

Leitende Begriffe: Identität, Unterschied und Offenheit

Die leitenden Begriffe der Veranstaltung waren Identität, Unterschied und Offenheit. Wie lässt sich der Friede unter den Religionen herstellen, wenn man bedenkt, dass niemand die Unterschiede übersehen kann. Einheit in der Vielheit – so lässt sich das Motto des Berliner House of One benennen. Das Bewahren der Identitäten ist dabei keineswegs das leitende Motiv, eher eine grundsätzliche Offenheit – meint Gregor Hoberg:

"Wie wir mit unseren Unterschieden umgehen. Das ist für uns die zentrale Frage. Wie ist der modus vivendi des Zusammenlebens im Wissen darum, dass es Unterschiede gibt? Wie kriegt man es hin, dass man nicht die Schatzhäuser der Religionen plündert, bloß damit man etwas zusammen machen kann."

Momentan erfährt der Bau der drei Religionen seine Tiefengründung im unsicheren Boden des Petriplatzes, in unmittelbarer Nähe zum Humboldtforum. Im nächsten Frühjahr sollen die Bauarbeiten beginnen. Errichtet wird das House of One auf dem Fundament der zu DDR-Zeiten abgerissenen Petrikirche. Pfarrer Hoberg ist zuversichtlich, dass der künftige Sakralbau auf der Museumsinsel die Erwartungen der christlichen, islamischen und jüdischen Gemeindemitglieder erfüllen wird:

"Es ist gelungen, mit dem Entwurf von Kühn Malvezzi unsere theologischen Gedanken raummetaphorisch zu übersetzen. Nämlich, indem es drei Räume gibt für die Glaubenstradition und –identität. Und diese drei sind fest verbunden um einen vierten Raum, der frei ist von einer bestimmten Glaubenstradition und der Offenheit ermöglicht, die die Grundlage ist für die Begegnung der unterschiedlichen Religionsvertreter."

Architektur: Wie ein Geheimnis

Die Berliner Architekten haben das Kunststück vollbracht, einen Sakralbau zu schaffen, der ohne identifizierbare religiöse Symbole auskommt. "Wir wollten ein sakrales Gebäude schaffen – so Kühn Malvezzi -, das von außen wie ein Geheimnis wirkt." Das ist vielleicht der gemeinsame Nenner aller Versuche, sich diesem Bauwerk zu nähern. Gregor Hohberg räumt aber selbstverständlich ein:

"Im Äußeren sind keine klassischen Typologien für Kirche, Synagoge und Moschee zu erkennen. In den Sakralräumen glaube ich schon. Da wird es sehr typische Elemente geben. Es wird in der Kirche ein Altar geben, es wird eine Bima geben, einen Toraschrein. Von außen ist es von einem Geheimnis umwebt. Was verbirgt sich in diesem Gebäude?"

Und noch eine letzte Frage an den protestantischen Pfarrer: Wird es in dem christlichen Sakralraum ein Kreuz mit oder ohne Corpus geben?

"Es ist beides denkbar. Im Moment geht unser Denken in die Richtung des Nagelkreuzes von Coventry. Also ohne Corpus. Aber es ist noch nicht entschieden."

Das englische Kreuz mit den zwei zum Querbalken geformten Nägeln könnte so etwas wie eine ökumenische Einheit zwischen protestantischer und katholischer Kirche symbolisieren, die sich trotz Zustimmung von Erzbischof Heiner Koch zu wenig im "House of One" repräsentiert fühlt. Das scheint derzeit aber eher ein zweitrangiges Problem zu sein. Es bleibt nämlich zu hoffen, dass aus dem angestrebten Frieden unter den drei Religionen nicht doch wieder ein Streit unter den muslimischen Glaubensgemeinden wird.

Die Charta des "House of One" verpflichtet den Imam Kadir Sanci dazu, weitere muslimische Partner ins Projekt zu holen. Sanci bestätigt derweil, "jenseits festgefahrener, politisierter Konstellationen neue Wege im interreligiösen Dialog beschreiten" zu wollen. Es bleibt also ein steiniger Weg hin zur religiösen Einheit in der Vielheit.

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