Freitag, 16.11.2018
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteForschung aktuellHüter der koptischen Laute26.11.2008

Hüter der koptischen Laute

Zu Besuch in der Musikinstrumentensammlung der Universität Göttingen

Musikgeschichte. - Klaus-Peter Brenner betreut an der Georg-August-Universität ein Forschungsarchiv mit besonderem Klang: Der Musikethnologe und Instrumentenkundler ist Kustos der Musikinstrumentensammlung des Musikwissenschaftlichen Seminars, in der rund 1800 Tonerzeuger aus aller Welt archiviert sind.

Von Michael Stang

Klaus-Peter Brenner mit einer Sampuna (Sackpfeife) aus Griechenland (Michael Stang)
Klaus-Peter Brenner mit einer Sampuna (Sackpfeife) aus Griechenland (Michael Stang)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Ein Blick in wissenschaftliche Sammlungen in Deutschland

" Ist echt ein toller Boden hier. - Das Haus wäre hier fast einmal zusammengekracht. "

Es sei das schönste Gebäude in Göttingen, sagt Klaus-Peter Brenner auf dem Weg ins Musikarchiv. In der prächtig sanierten ersten Frauenklinik Deutschlands aus dem 18. Jahrhundert verwaltet der Kustos der Instrumentensammlung rund 1800 Musikinstrumente.

" Gut die Hälfte ist ausgestellt in einer Dauerausstellung, die das gesamte zweite Stockwerk des historischen Accouchierhauses hier in Göttingen umfasst. Insgesamt sind das etwa14 Räume und, ja wir gehen jetzt einfach mal durch und verschaffen uns so einen Überblick. "

Der geschlossene Rundgang umfasst einen europäischen und einen außereuropäischen Abschnitt. Klaus-Peter Brenner öffnet einen Sicherungskasten und sorgt für Strom und Licht.

" Also, hier in diesem ersten Raum befinden sich historische Tasteninstrumente, genauer gesagt Saitenklaviere. "

Der Instrumentenkundler führt durch Räume, die kontinental aufgeteilt sind, Europa macht den Anfang. Nach den Tasteninstrumenten folgen Pedalharfen und historische Zupfinstrumente, darunter eine barocke Zupfgitarre.

" Dann schließt sich ein Raum mit Blechblasinstrumenten beziehungsweise horn- und trompetenartigen Instrumenten im weiteren Sinne an. "

Die Sammlung ist auch bekannt für ihre altägyptischen Instrumente.

" Zwei der bedeutendsten Stücke in der Sammlung sehen Sie hier in dieser Vitrine, es handelt sich um den etwas unansehnlichen, kornschaufelhaft aussehenden Gegenstand, hinter dem sich die möglicherweise älteste, überhaupt erhaltene altägyptische Bogenharfe verbirgt. "

Nebenan steht eine Rekonstruktion der 4500 Jahre alten Bogenharfe. Bemerkenswert ist ihre Saitenbefestigung, die nicht aus Wirbeln, sondern aus Stimmringen besteht. Drehte man diese, konnte man die Tonhöhe einstellen.

" Daneben sehen sie ein ganz kleines, etwa 40 Zentimeter langes, bräunliches Objekt, bei dem es sich um eins von weltweit nur sieben Exemplaren der so genannten koptischen Laute handelt. "

Ebenso einzigartig wie diese kleinste bekannte koptische Laute ist die älteste erhaltene Blockflöte des europäischen Mittelalters aus dem 14. Jahrhundert.

" Natürlich dienen diese Instrumente nicht nur Studienzwecken im Rahmen der universitären Lehre, sondern sie sind auch in vielfältiger Weise in die instrumentenkundliche Forschung einbezogen. "

Obschon viele dieser Instrumente ihren Reiz haben, merkt man Klaus-Peter Brenner alsbald seine Vorliebe für seine Fachrichtung an - er ist Musikethnologe.

" Hier beginnt der eigentliche ethnologische Teil mit den älteren afrikanischen Beständen. "

Schlitztrommeln, Tamburine, Rasseln.

" Hier handelt es sich eben um Sammlungen, die von Musikethnologen vor Ort im Rahmen von Feldforschungen gesammelt worden sind und die hier in einer gut dokumentierten Art und Weise für die Nachwelt erhalten werden. "

Unter den hölzernen Klangplatten dieses Xylophons aus Ghana sind kleine Kürbisse als Resonanzgefäße angebracht. (Michael Stang)Unter den hölzernen Klangplatten dieses Xylophons aus Ghana sind kleine Kürbisse als Resonanzgefäße angebracht. (Michael Stang) Klaus-Peter Brenner steht vor einem Ko-Gyilli, einem Xylophon aus Ghana, bei dem unter den hölzernen Klangplatten kleine Kürbisse als Resonanzgefäße angebracht sind. Er greift zu den Schlegeln. Dann seien die Workshops zum Erlernen dieses Instruments nicht umsonst gewesen.

Ein paar Räume weiter, außerhalb der Dauerausstellung. Auf einem Tisch sieht man dutzende afrikanische Instrumente, die man heute noch überall in Simbabwe findet. Einige hat Klaus-Peter Brenner bei eigenen Feldforschungen mitgebracht und der Sammlung als Dauerleihgabe vermacht.

" So, eine kleine Kostprobe aus dem Repertoire der Mbira dza Vadzimu. "

Klaus-Peter Brenner sitzt auf einem Stuhl, auf dem Schoß ein Medizinballgroßes Lamellophon. Die Träger sind aus Holz, die Lamellen im Inneren aus geschmiedetem Eisen. Das Eisen wird heute nicht mehr selbst gewonnen und verhüttet, sondern Industrieabfälle sind das gängige Grundmaterial - ebenso ersetzen Kronkorken als Schellen die einstigen Schnecken.

Ein Instrument hat es ihm jedoch besonders angetan. Es stellt - wie er sagt - den Schlüssel zum evolutionären Werdegang eines ganzen musikalischen Systems dar: ein Mundbogen aus Zimbabwe.

Klaus-Peter Brenner spielt auf einem hölzenernen Mundbogen aus Simbawe (Michael Stang)Klaus-Peter Brenner spielt auf einem hölzenernen Mundbogen aus Simbawe (Michael Stang) " Das ist ein einseitiges Saiteninstrument, das beim Spielen mit der Mundhöhle verstärkt wird, wobei man dabei ähnlich wie beim Mautrommelspiel dann eben Obertöne aus dem Grundklang herausfiltert und zusammen genommen ergibt sich das Potential eben eine harmonische, ganz interessante Mehrstimmigkeit zu erzeugen - etwa so: "

Über einen einfachen Bogen aus Holz ist eine Saite gespannt. In der Mitte wird sie durch einen Faden zum Seitenträger hingezogen, bleibt dabei aber in verschiedenen Richtungen beweglich. So kann Klaus-Peter Brenner vier Grundtöne erzeugen. Er umfasst den Griff in der Bogenmitte, hält das Instrument so, dass die Saite nach außen weist und der Bogenrücken an den Lippen liegt. Durch das Regulieren der Mundhöhlenresonanz erklingt für jeden Grundton eine eigene Kolumne von Partialtönen.

" Genug? "

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk