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StartseiteCorsoJazz-Pionier und Polit-Aktivist23.01.2018

Hugh Masekela ist totJazz-Pionier und Polit-Aktivist

Die südafrikanische Jazzlegende Hugh Masekela ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Doch nicht nur die Musik prägte sein Leben. Er war auch mit ganzer Kraft politischer Aktivist - während der Apartheidszeit und bis zum Ende seines Lebens.

Von Annette Lennartz

Der südafrikanische Musiker Hugh Masekela im Oktober 2016. (imago stock&people)
Der südafrikanische Musiker Hugh Masekela ist im Alter von 78 Jahren gestorben (imago stock&people)
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Er tanzte, er weinte, er schrie und flüsterte, jede Nuance seiner Gefühle ließ er sein Publikum spüren. Bei ihm kam die Musik aus dem Bauch. Immer wieder setzte er seine Trompete ab und sang. Hier eine Aufnahme von "Coal Train" ein Song über den berühmten Dampfzug, der Minenarbeiter von Nah und Fern in die Goldminen nach Südafrika gefahren hat. 1986 sang Masekela über deren Ausbeutung und Heimweh. Da heißt es:

"Tief, tief, tief in den Bauch der Erde, wo sie graben und bohren mussten nach diesem mächtigen glänzenden Stein, wo sie dieses Matschessen bekommen auf Blechtellern, wo sie an ihre Lieben daheim denken, wenn sie in ihren stinkigen, filzigen Baracken sitzen, voller Flöhe"

Bis zum Schluss sang er dieses Lied, manchmal mit Tränen in den Augen, denn es erinnert ihn stark an damals, als sich Südafrika in der Phase der brutalsten Apartheid befand.

Freiheitskämpfer in Südafrika und den USA

Hugh liebte Musik von klein auf, er sang gern, wie fast alle Südafrikaner und er lernte mit 14 Jahren Trompete zu spielen. Später erkannte Louis Armstrong sein Talent und schenkte ihm eine Trompete. Aber nach dem Massaker von Sharpeville musste und wollte er raus aus Südafrika. Im Londoner Exil wurde er von Yehudi Menuhin bei seinem Musikstudium unterstützt, später half ihm Miriam Makeba in die USA zu kommen.

"Ich kam in die Staaten, als sie dort Schwarze töteten und lynchten. Und Harry Belafonte hat sich sehr engagiert. Keiner hat so viel Geld für die Bürgerrechtsbewegung gesammelt wie er. Das war eine sehr schwierige Zeit damals in den Staaten.

Wie in Südafrika, so haben sich auch in den USA die Jazzer politisch engagiert. Miriam Makeba und Hugh Masekela sangen und spielten auf vielen Konzerten, auch für Martin Luther King. Er heiratete sie. Makeba war damals bereits der absolute Star. Allerdings hielt die Ehe nur zwei Jahre.

Gemeinsame Auftritte auch nach der Ehe

Trotzdem, sie blieben eng verbunden, auf vielen Solidaritätskonzerten traten sie gemeinsam auf.

"Miriam war nicht nur eine sehr gute Freundin. Ich glaube, niemand hat so viel getan für Afrika und hat so wenig Anerkennung dafür bekommen. Sie hat alle Freiheitsbewegungen in Afrika unterstützt, so viele Kinder in die Schule geschickt, Flüchtlingslager hat sie mit Geld unterstützt, nicht nur in Afrika, auch in der Karibik. Sie war wunderbar, und nur wenige auf dieser Welt konnten so singen wie sie, und sie war unglaublich großzügig."

In Amerika spielte Masekela zunächst Modern Jazz, mit der gesamten Prominenz. "Seine Musik ist so schwarz wie die Nacht", sagte Eric Burdon damals. Masekela wurde dann für den Grammy nominiert, und zwar für "Grazing in the grass" und war damit sehr lange die Nummer eins in den US Charts.

Bis zum Schluss ein kritischer Begleiter Südafrikas

Aber er entwickelte bald eine ganz eigene Musik, die hat den südafrikanischen Township Jive mit dem Jazz verbunden. Hugh Masekela hat noch jeden zum Tanzen gebracht.

"Wir sind ja hier, um die Leute glücklich zu machen. Wir kommen ja aus einer Township-Tanz-Band. Südafrika tanzt immer. Europäer tanzen nur zu besonderen Anlässen. Bei uns gehören Tanz und Musik zusammen. So sind wir eben."

Masekela hatte in den USA Heimweh, ihn zog es wieder nach Afrika. Er musste allerdings in verschiedenen afrikanischen Ländern im Exil leben, konnte nicht heim. Aber als Mandela frei war, konnte ihn niemand mehr aufhalten. Da wurde seine sehr populäre Mandela-Hymne wahr: "Bring him back home".

Er blieb bis zum Schluss ein kritischer Begleiter des neuen Südafrika.

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