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StartseiteCampus & Karriere"Ich bin der studentische Vizepräsident"15.01.2010

"Ich bin der studentische Vizepräsident"

Die Zeppelin-University Friedrichshafen beruft Studenten in hohe Positionen

Er ist gerade mal 26 Jahre jung – und bereits Vizepräsident einer Privat-Universität. Dabei hat Simon Pagany sein Masterstudium für Kommunikations- und Kulturwissenschaften an der Zeppelin-University Friedrichshafen noch gar nicht beendet. Dennoch berief ihn das Präsidium der jungen Hochschule auf den Posten.

Von Thomas Wagner

Das Präsidium der Zeppelin-University Friedrichshafen hat gezielt einen Studierenden für das Amt des Vizepräsidenten gesucht.  (AP)
Das Präsidium der Zeppelin-University Friedrichshafen hat gezielt einen Studierenden für das Amt des Vizepräsidenten gesucht. (AP)
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Besucher entdecken in dem mittelgroßen Arbeitszimmer nicht die geringste Spur von Pomp: Zwei weiße, einfache Bürotische, die sich gegenüberstehen; kahle Wände, auf der Ablage wenige Din-A-4-Blätter. Davor ein junger Mann im Anzug:

"Mein Name ist Simon Pagany. Ich bin halt 26 Jahre alt und komme aus Buxheim bei Memmingen im Allgäu. Ich bin der studentische Vizepräsident an der Zeppelin-Universität und habe in dieser Woche angefangen so richtig."

Mit seinen 26 Jahren ist Simon Pagany nach Angaben der Uni der jüngste Hochschul-Vizepräsident Deutschlands. Gezielt hatte das Präsidium der Zeppelin-University Friedrichshafen einen Studierenden für dieses Amt gesucht. Am Montag hat er seine Arbeit aufgenommen.

"Also diese Woche war für mich nicht alltäglich. Ich habe am Montag mit anderen Mitgliedern des Präsidiums die neuen Erstsemester begrüßt. Das war wirklich ein sehr komisches Gefühl, weil: Da sitzen an die 90 Neustudierende hier, von denen wir sehr viel erwarten, die auch von der Uni viel erwarten. Und dann steht man da als Student auch in dieser neuen Funktion und ist ordentlich nervös."

Simon Pagany muss in seine neue Rolle noch hineinwachsen. Eine Präsidiumssitzung, wichtige Einzelgespräche mit Professoren aber auch mit Studierendenvertretern im Senat prägten die erste Arbeitswoche. Dabei lotete er vor allem eines aus: Welche Erwartungen haben die unterschiedlichen Gruppierungen an ihn, also an jemanden, der vom 'einfachen Studenten' über Nacht auf die Position des Hochschul-Vizes aufrückte?

"Man will natürlich bewirken, dass eine studentische Perspektive im Präsidium Einzug hält. Das heißt nicht, dass das bisher gar nicht vorhanden war. Es gibt Studentenvertreter wie an jeder Hochschule auch. Aber es ist natürlich nochmals etwas ganz anderes, wenn ein Student Vollzeit im Präsidium mitarbeitet. Dadurch kann die studentische Perspektive in einer Präsidiumssitzung nochmals ein anderes Gewicht haben."

Und genau das war der Grund für die Zeppelin-University, zukünftig den Posten des Vizepräsidenten jeweils einem Studierenden anzubieten – ein bundesweit einzigartiges Projekt. Ausgehend über die Diskussionen zur Bildungsreformen in den vergangenen Monate sollen auf diesem Weg studentische Belange weitaus stärker als bisher bei der Neuausrichtung von Studienkonzepten Berücksichtigung finden.

"Zum Beispiel geht es um die Veränderungen der Bachelor- und Masterprogramme. Allerdings wird gerade diskutiert, wie ein vierjähriger Bachelor bei uns gerade neu konzeptioniert wird, der dann mit anschließendem Master und vielleicht auch noch mit folgender Promotion zusammen gefasst wird, also wie das aussehen kann, wie das verwirklicht werden kann. Da sollen auch Studierende mitwirken. Und deshalb ist das so wichtig."

In seiner ersten Arbeitswoche hat Simon Pagany eine Reihe weiterer Themen für sich entdeckt: Welche Voraussetzungen müssen für die Studierenden aus dem Ausland geschaffen werden? Wie lassen sich studentische Projekte wie Hochschulradio und soziales Engagement besser mit dem Uni-Alltag verzahnen? Dass er mit seinen 26 Jahren bei seinen zumeist wesentlich älteren Gesprächspartnern auf Gehör stößt, war für Simon Pagany die wichtigste Erfahrung in der ersten Arbeitswoche:

"Also ich denke, vom Präsidium her werde ich durchaus ernst genommen und fühle mich als durchaus vollwertiges Mitglied und nicht etwa als eine Art Quoten-Student, also als eine Art Alibi-Funktion. Ich glaube, sonst hätte das Präsidium auch diese Position nicht geschaffen und wäre auch nicht mit einer so großen Offenheit daran gegangen, diese Position zu besetzen."

Allerdings: In den Reihen derjenigen, aus denen er selbst kommt, macht der junge Hochschul-Vizepräsident Simon Pagany noch eine Spur Skepsis aus:

"Von Studentenseite habe ich sowohl sehr positive Kommentare beziehungsweise Rückmeldungen bekommen, aber auch ein bisschen kritische Kommentare im Sinne, dass man nicht genau weiß, was diese Funktionen eigentlich zu bedeuten hat, was diese Person genau macht. Das hängt auch damit zusammen, dass ich in der ersten Woche bin, noch nicht so präsent war, was natürlich kommen wird in den kommenden Wochen."

Dann, hofft Simon Pagany, wird sich die studentische Anfangs-Skepsis legen – eine möglicherweise berechtigte Hoffnung. Dominik Schreyer und Juli Küchler, Studierende der Zeppelin-University:

"Grundsätzlich halte ich das für eine gute Idee, einen studentischen Vizepräsidenten zu installieren. Ich glaube, da müssen sich beide Seite erst einmal dran gewöhnen – an diese Möglichkeit eines weiteren Weges, also nicht nur über die Semestersprecher, sondern sich auch durch andere Institutionen durchzusetzen."

"Man hört ja von Studenten immer wieder, dass sie nicht ganz zufrieden sind mit der Hochschulpolitik und zu wenig Einfluss haben. Daher finde ich, ist das doch ein gutes Mittel, um das einmal auszuprobieren, ob das funktioniert und ob das Zukunft haben könnte."

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