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StartseiteCampus & KarriereIdeenschmiede traditionell06.11.2009

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Lichtenberg-Kolleg eröffnet an der Universität Göttingen

Vor knapp 250 Jahren wirkte Georg Christof Lichtenberg als Physiker, Mathematiker und Philosoph an der Göttinger Universität. Jetzt ist er Patron eines Kollegs geworden, das den Göttingern im Rahmen der Exzellenzinitiative zugesprochen wurde.

Von Carolin Hoffrogge

Thinktank für Geisteswissenschaftler (AP Archiv)
Thinktank für Geisteswissenschaftler (AP Archiv)

Stimmungsvoll ist das Domizil des Lichtenberg-Kollegs in Göttingen. Denn die neun internationalen Geisteswissenschaftler arbeiten in der historischen Sternwarte des großen Mathematikers Carl Friedrich Gauß.

"Jetzt gehen wir in einen der Meridiansäle. Hier hatte Gauß sein Fernrohr aufgestellt. Und zwar waren die auf dem Boden fest installiert, sie waren beweglich in senkrechter Richtung. An einem Meridiankreis, das kann man sich vorstellen wie ein großes Rad konnte man dann die entsprechenden Maße ablesen."

Dagmar Coester-Waltjen ist Direktorin des Lichtenberg-Kollegs. Die kleine drahtige Juraprofessorin steht vor den riesigen Fenstern des wunderschönen, klassizistischen Bauwerks. In den alten Sälen reichen die Fenster vom Boden auf der einen Seite über die Decke bis hin zum Boden auf der anderen Seite des Raumes. Die historische Sternwarte ist liebevoll und aufwendig für das Lichtenberg-Kolleg restauriert worden und erstrahlt jetzt in neuem Glanz. Dieser Glanz, so Direktorin Coester-Waltjen, soll die Göttinger Geisteswissenschaftler inspirieren.

"Die alte Kollegidee war, dass man Forscher zusammenbringt, aus unterschiedlichen Disziplinen, die sich unterhalten, die Fachvorträge gegenseitig hören und damit dann die eigene Forschung befruchten können. Sodass Anregungen aus ganz anderen Richtungen kommen. Wir versuchen ja durch gemeinsame Diskussionen auch Anregungen für den Göttinger Forschungscampus zu bekommen."

In täglichen Diskussionen, in wöchentlichen Kolloquien oder bei monatlichen Vorträgen geht es im Lichtenberg-Kolleg fortan bunt und lebendig zu. Denn die neun Forscher, die sogenannten Fellows kommen aus aller Welt nach Südniedersachsen.

"Wir haben Fellows aus Europa, aus der Schweiz und Frankreich. Wir haben Fellows aus den USA und Argentinien. Im nächsten Jahr werden Fellows aus Brasilien kommen, aus Schweden, sodass wir eine sehr internationale Gruppe beherbergen werden. Unser Kolleg will einer kleinen Zahl Freiraum und Ruhe für Forschung gewähren. Sie von Verwaltungsarbeit völlig entlasten und ihnen einen Service bieten, indem sie Forschungsmittel zur Verfügung bekommen. Bücher werden ihnen gebracht, Fotokopien werden ihnen gemacht. Ansonsten brauchen sie nur ihre Wünsche anzumelden."

In den Genuss dieses Rundum-sorglos-Pakets kommt die Bostonerin Juliet Floyd. Die Professorin der Philosophie ist als erste der neun Fellows in Göttingen angereist und hat Expertenwissen über den Philosophen Ludwig Wittgenstein mitgebracht.

"Ich interessiere mich für Wittgenstein und die Mathematik. Wittgenstein ist ein Philosoph, des 20. Jahrhunderts. Ich bin ein Historiker dieser Zeit, also moderne Philosophie. Ich finde diese 100-Jahr-Spanne sehr wichtig. Es gibt hier in Göttingen einen sehr guten Experten, Philosophen der Wissenschaftslehre und das ist Felix Mühlhölzer. Wir haben eine Kooperation mit Felix über die Frage von Wittgenstein und den Naturwissenschaften. Und das ist in der Tradition von Lichtenberg würde ich sagen, denn Wittgenstein hat Lichtenberg geliebt."

Und so wie Ludwig Wittgenstein den Philosophen Lichtenberg geliebt hat, hat sich Juliet Floyd gleich in Göttingen verliebt. Eine gute Voraussetzung, um ihren Göttinger Kollegen durch ihre Forschung auch Anregungen geben zu können.

"Es ist sehr freundlich hier und in einer kleinen Universitätsstadt macht es alles leichter. Wir haben unsere Fahrräder. Das Leben ist sehr einfach und das ist sehr gut für Forschung."

Das Kolleg ist eine Begegnungsstätte; eine Begegnungsstätte, wie sie beispielsweise an angelsächsischen Universitäten dauerhaft etabliert ist. Dort sitzt dann die Physikerin neben dem Philosophen, der Kulturanthropologe neben der Soziologin. So ist es jetzt auch in Göttingen, in der historischen Sternwarte. Direktorin Coester-Waltjen.

"Wir versprechen uns davon, dass das Augenmerk auf die geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Forschung in Göttingen gerichtet wird und vielleicht manches, was vielleicht verschüttet liegt und bisher gar nicht so erkannt wurde, in den Vordergrund gerückt wird, dass das Interesse am Lichtenberg-Kolleg gefördert wird."

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