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StartseiteVerbrauchertippSchutz im Internet wird immer wichtiger25.06.2021

IdentitätsmissbrauchSchutz im Internet wird immer wichtiger

Immer häufiger missbrauchen Fremde die Identitäten von Verbrauchern. Mit ergaunerten Daten werden im Internet Waren bestellt, Nutzerkonten eingerichtet und kostenpflichtige Verträge abgeschlossen. Ein paar Vorkehrungen kann man noch treffen, auch wenn es bereits passiert ist.

Von Werner Nording

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Ein Mann mit Kapuze und Guy Fawkes- Maske sitzt vor einem Computer  (Unsplash/ Clint Patterson)
Gesunde Skepsis ist wichtig: Im Internet sollte man sich nur auf Seiten mit https oder Vorhängeschloss bewegen und nie über eine Aufforderungsmail oder SMS auf Links klicken. (Unsplash/ Clint Patterson)
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Die Verbraucherin ist verwundert. 736,61 Euro fordert das Inkasso-Unternehmen für Produkte, die sie gar nicht bestellt hatte. Der Betrag setzt sich aus offenen Forderungen eines Outdoor-Ausrüsters zusammen sowie aus Inkassogebühren und Verzugszinsen. Jeder Geschädigte sollte unbedingt einer solchen Nachricht sofort widersprechen, rät Kathrin Körber von der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Bei Missbrauch sofort schriftlich widersprechen

Sie dürfen diesen Brief nicht wegschmeißen oder ignorieren, sondern Sie müssen mit dem Rechnungssteller, vermutlich häufig mit einem Anbieter oder Verkäufer Kontakt aufnehmen - und zwar schriftlich - und mitteilen, dass Sie diesen Vertrag nicht geschlossen haben, und damit auch nicht Schuldner der Forderung sind.

Ist man sich absolut sicher, keinen Vertrag abgeschlossen zu haben, ist es hilfreich, Strafanzeige zu stellen. Persönliche Daten werden im Internet mittlerweile wie eine Handelsware verkauft. Denn der Einsatz von personengebundenen Daten ist lukrativ.

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Schnell kommen vierstellige Summen zusammen

Personenbezogene Daten von Verbraucherinnen und Verbrauchern sind halt bares Geld wert. Betrüger können sie nutzen, um mit meiner Kreditkarte einzukaufen, Bankkonten zu eröffnen oder ein Darlehen aufzunehmen. So haben Betrüger auf den Namen eines Verbrauchers auch mehrere Telefonverträge abgeschlossen und gleichzeitig hochpreisige Smartphones eingekauft. Der Schaden belief sich auf eine hohe vierstellige Summe. Die Verbraucherschützer hatten große Probleme den Telefonanbieter davon zu überzeugen, dass der Geschädigte den Vertrag gar nicht abgeschlossen hatte, sondern dass er durch Datenmissbrauch selbst zum Opfer geworden ist.

Betrüger locken mit vermeintlich lukrativen Jobs in Heimarbeit

Schließlich hat Körber durch Rückfragen bei dem Verbraucher herausbekommen, dass er im Rahmen eines sogenannten job-scammings seine personenbezogenen Daten preisgegeben hat und letztlich auch eine Kopie seines Personalausweises mit hochgeladen hatte, mit dem der Betrüger sich ausgewiesen hatte. Beim job-scamming, mit dem die Verbraucherschutzzentralen immer häufiger zu tun haben, werden im Internet verlockende Arbeitsstellen mit einem hohen Gehalt angeboten, die man in Heimarbeit erledigen kann. Bei einer Bewerbung ist es üblich, persönliche Daten an den neuen Arbeitgeber zu übermitteln. Die neue Stelle existiert aber gar nicht.

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Nie auf Aufforderungen einfach auf Links klicken

Die Cyberkriminellen wollen damit nur an die persönlichen Daten herankommen. Um Betrügern ihre Machenschaften so schwer wie möglich zu machen, sollten Adressaufkleber nur geschreddert in die Papiertonne wandern. Im Internet sollte ich mich nur auf Seiten mit https oder Vorhängeschloss bewegen und nie über eine Aufforderungsmail oder SMS auf Links klicken. Opfer eines Missbrauchs sollten sich neben der Polizei auch bei der Schufa oder Chris Bürgel melden, damit ihre Kreditwürdigkeit nicht herangestuft wird.

Alle Generationen und Berufsgruppen betroffen

Die Verbraucherschützerin Kathrin Körber weiß, dass die Schamgrenze sehr hoch ist, anderen zu berichten, dass man selbst Opfer eines Datenmissbrauchs geworden ist. Dabei seien alle Generationen betroffen.

"Es kann dem Professor passieren, wir haben hier selbst schon Juristen sitzen gehabt, das passiert jungen Menschen, die sich eben auf Jobs bewerben, das passiert gestandenen Eltern, die durchaus mit beiden Beinen im Leben stehen, jede Falle hat sozusagen ihre Opfer und es kann jedem passieren."

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