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StartseiteKalenderblatt"Il Baciccio" - Meister des Kolorits02.04.2009

"Il Baciccio" - Meister des Kolorits

Vor 300 Jahren starb Freskomaler Giovanni Battista Gaulli

Sein überschäumendes Temperament, sein Erfolg und der Verlust von Ruhm und Ehre im Alter machen ihn zu einer wahren Film-Figur: Giovanni Battista Gaulli, genannt "Il Baciccio", war Ende des 17. Jahrhunderts in Rom einer der führenden Freskomaler des Hochbarock. Heute vor 300 Jahren starb der Künstler.

Von Carmela Thiele

Blick auf die italienische Hauptstadt Rom, im Vordergrund der Petersplatz im Vatikan. (Stock.XCHNG / Matic Zupancic)
Blick auf die italienische Hauptstadt Rom, im Vordergrund der Petersplatz im Vatikan. (Stock.XCHNG / Matic Zupancic)

In seinem spöttischen, selbstbewussten Blick liegt die Ahnung des Ruhms, der ihm zuteil werden würde. In den Uffizien in Florenz hängt ein Selbstporträt von Giovanni Battista Gaulli, genannt "Il Baciccio". Er war noch keine 30 Jahre alt, als er es malte, aber bereits unterwegs auf der Treppe des Erfolgs. Wir sehen einen Höfling mit gelocktem, dunklen Haar, ohne Bart. Er trägt eine goldene Weste und eine dunkelrot schimmernde Samtkappe. 15 Jahre später sollte Gaulli zu den führenden Freskomalern des römischen Hochbarock zählen.

Der Überlieferung zufolge ist "Il Baciccio" eine Verniedlichung, wie sie in Genua üblich war, wo der Maler 1639 geboren wurde. Viel ist über seine Jugend nicht bekannt. Im Alter von 14 oder 18 Jahren soll er nach Rom gekommen sein, nachdem seine Eltern und neun Geschwister – womöglich an der Pest – gestorben waren. Der Barockmaler Carlo Giuseppe Ratti erwähnt sein hitziges Temperament, das ihn auch später mehrfach in Konflikt mit dem Gesetz brachte:

"Seine Lehrzeit in Rom betrug nur wenige Tage. Während einer Auseinandersetzung mit seinem neuen Meister nahm der Jüngling ein Hufeisen vom Tisch, versetzte dem Älteren damit einen Schlag ins Gesicht und lief hinaus auf die Straße."

In welcher Werkstatt Gaulli in Rom Anschluss gesucht hat, ist nicht verbürgt. Bekannt ist, dass er zunächst für einen Kunsthändler gearbeitet hat, der ebenfalls aus Genua stammte. Über ihn lernte er das Universalgenie Gianlorenzo Bernini kennen, der als Hofkünstler der Päpste das Kunstgeschehen in Rom unter Kontrolle hatte. Eine Begegnung mit Folgen: Bald erhielt "Il Baciccio" seine ersten öffentlichen Aufträge, porträtierte zahlreiche Kardinäle, und wurde in die renommierte Accademia di San Luca aufgenommen. Sein prominenter Förderer war auch das Zünglein an der Waage, als es um die Entscheidung für einen äußerst lukrativen Auftrag ging, um die Ausmalung der Decke der Jesuitenkirche in Rom, Il Gesù, mit neun monumentalen Fresken.

Das mächtige Tonnengewölbe, in dem der "Triumph des Namen Jesu" dargestellt ist, gilt als Meilenstein der illusionistischen Deckenmalerei. Architektur, Plastik und Malerei gehen ineinander über. Die gesamte Komposition ist durchpulst von lebhaft rhythmisierten Figuren und einer satten, vitalen Farbigkeit. Der amerikanische Gaulli-Experte Robert Engpass beschreibt in seiner Monographie die Komposition:

"Wir sehen die Bewohner des Himmels, die in Anbetung vor dem Heiligen Licht knien, das von dem Monogramm Jesu ausstrahlt. Es zieht die Gesegneten in den Himmel und schleudert die Verdammten hinab in die Hölle. ... Alle Figuren sind in starker Verkürzung dargestellt. Wir sehen sie kopfüber durch den Äther schlingern, heraufschießen oder hinabstürzen. ... Wie in einem Theater schauen wir für einen Moment entrückt dem Schauspiel zu, dem Hineindrängen der himmlischen Heerscharen in den profanen Kirchenraum."

Es gilt als sicher, dass der alte Bernini auf die Konzeption dieses grandiosen Freskos Einfluss genommen hat. Nicht angezweifelt wird jedoch Gaullis Verdienst, in seiner Malerei die Stärken seiner Vorgänger auf einzigartige Weise verschmolzen zu haben: Michelangelos expressive Körperauffassung, Berninis bewegte Draperien, Correggios meisterhafte Illusionsmalerei, das Kolorit von Rubens und van Dyck. Als der Klassizismus in Mode kam, eine Malerei der kühlen Farben, die mehr Gewicht auf Linien und Details legte, passte sich Gaulli notgedrungen dem neuen Trend an. Für den zeitgenössischen Biographen Lione Pascoli lag darin der große Fehler des zuvor so erfolgreichen Malers, der dadurch an Ansehen verlor.

"Wäre er gestorben, nachdem er die Gewölbezwickel von S. Agnese oder von Il Gesù ausgemalt hatte, oder nach einem der anderen Werke seiner besten Jahre, als er in einem kraftvollen, extravaganten Stil arbeitete, der von einer ungeheuren Schönheit war, hätte er den Vergleich mit den größten Meistern nicht scheuen müssen."

Giovanni Battista Gaulli starb wahrscheinlich am 2. April 1709 im Alter von 70 Jahren in Rom. Kaum ein Werk markiert besser das Ende des römischen Hochbarock.

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