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StartseiteMarkt und MedienIm Fadenkreuz des Islamismus11.11.2006

Im Fadenkreuz des Islamismus

Der Berliner Sender Aypa TV

Seit 13 Jahren produzieren Ali Yildirim und Claudia Dantschke in Berlin ihr Programm Aypa TV über Islam und Islamismus. In dieser Zeit hat Aypa TV eine beeindruckende Karriere gemacht: von der Billigproduktion zum renommierten Zulieferer großer Fernsehmagazine wie "Frontal 21" und "Spiegel TV".

Von Peter Kessen

Die Hände betender Muslime in der Mevlana-Moschee in Berlin-Kreuzberg. (AP)
Die Hände betender Muslime in der Mevlana-Moschee in Berlin-Kreuzberg. (AP)
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"Im Jahre 1992, als ich den Antrag auf Lizenzerteilung gestellt hatte, hatte ich hier im Fernsehbereich gesehen, dass recherchierte Beiträge über islamische und islamistische Szene waren kaum zu sehen. Und das wollte ich eigentlich mit meiner Kollegin zusammen recherchieren, und die Zuschauer sollten sich selbst ein Bild machen, weil die meisten islamistischen Vereine hier die deutsche Gesellschaft belügen."

Als Mitstreiterin im Kampf gegen den Islamismus traf der Diplom-Ingenieur Ali Yildirim nach der Wende Claudia Dantschke, die in der DDR Arabistik studiert und bei der Nachrichtenagentur ADN gearbeitet hatte. Die beiden begannen neben dem Job mit einfacher Videokamera ihre Dokumentationen und Interviews für den Berliner Spartensender Spreekanal zu produzieren. Trotz spartanischer Technik, als Schnittplatz dient immer noch das Wohnzimmer, wollte Aypa TV immer ein Medium des investigativen Journalismus sein.

Claudia Dantschke: "Wir haben immer langfristig an Themen gearbeitet, uns ging es nie um den heutigen Knalleffekt. Ich kann mit meiner Kamera irgendwo hin gehen, provozieren, rein, knall - dann habe ich plakative Bilder. Wir sind immer thematisch vorgegangen, immer wieder hin, immer wieder hartnäckig nachgefragt. Und das hat sich gezeigt, dass sich das dann auch rechnet."

Diese Qualität zeigen zum Beispiel die Beiträge zur Organisation Hizb ut-Tahrir. Die Islamisten hatten bis zum Sommer 2002 unbehelligt rund ein dutzend Veranstaltungen in der Technischen Universität Berlin veranstaltet können. Als erstes Medium interviewte Aypa TV vor vier Jahren einen Funktionär der Organisation:

"Und was hat das jetzt ganz konkret mit Israel zu tun? Weil Ihr Vortrag, den wir allerdings nicht mitfilmen durften, wo ich mir aber einiges mitgeschrieben hatte, hatte so das impliziert: Israel ist für sie der Einbruch der westlichen säkularen Welt in die islamische Welt. Und insofern wäre die Befreiung Palästinas zunächst einmal die Befreiung von Israel, diesem Vorboten der erste. Welt, ein Weg diese islamische Umma herzustellen."

"Nein, es ist eher umgekehrt! Tatsache ist, dass Israel ein kapitalistisches, säkularistisches Bollwerk im Herzen der islamischen Welt ist.""

Beim nächsten Vortrag der Hizb ut-Tahrir entdeckten Dantschke und Yildirim plötzlich zwei führende NPD-Mitglieder im Publikum. Neben Horst Mahler saß der Bundesvorsitzende Udo Voigt, der sich auch zu Wort meldete:

""Und ich glaube, als Vorsitzender einer nationalen Oppositionspartei in Deutschland hier für alle Nationalen in Deutschland zu sprechen: Wenn es zu der großen Auseinandersetzung kommt, werden die nationalen Deutschen nicht auf der Seite Amerikas stehen."

So lieferte Aypa TV exklusive Bilder von der Liaison zwischen NPD und Islamisten. Renommierte Magazin, vom "Spiegel" bis zu "Frontal 21" nutzten das Dokument für eigene Beiträge. Nach diesen Berichten erließ das Bundesinnenministerium ein Verbot der Organisation Hizb ut-Tahrir.

Diese Recherchekünste des Duos habe für den "taz"-Journalisten Eberhard Seidel eine außergewöhnliche Qualität:

"Ich bin der Auffassung, ein investigativer Journalismus kann nur Sinn machen, wenn man Namen nennt, Organisationszusammenhänge beschreibt und sich nicht in allgemeinen Betrachtungen über Islam und Islamismus verliert, sondern man genau Organisationen benennen muss. Aber das erfordert eben genau den Mut, den oft auch viele Redaktionen nicht mehr haben, und dann eher darauf verzichten."

Solch hartnäckige Recherchen machen Feinde. Vor allem Ali Yildirim bekam die Wut der betroffenen Organisationen zu spüren: Die Repressionen reichten von zwölf Unterlassungsklagen der Vereinigung Milli Görüs, einer Messerattacke auf einen Mitarbeiter, bis zu Beschimpfungen, Computerblockaden per Massen-E-Mail, Morddrohungen per SMS und einem Anzeigenboykott. Trotz allem Stress senden die Aypa-Macher weiter: am Feierabend, neben dem Job.

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