Sonntag, 18.11.2018
 
Seit 11:30 Uhr Sonntagsspaziergang
StartseiteHintergrundImmer mehr in Bedrängnis15.10.2009

Immer mehr in Bedrängnis

Die Atommacht Pakistan muss sich der Taliban erwehren

Nachdem Terroristen das Hauptquartier von Pakistans Armee in Rawalpindi angegriffen haben, plant die Regierung eine Offensive gegen die Taliban. Die Terroristen demonstrieren unterdessen mit weiteren Anschlägen Stärke.

Von Sascha Zastiral

Bombenanschlag auf das Marriott Hotel in Islamabad (AP)
Bombenanschlag auf das Marriott Hotel in Islamabad (AP)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast

Heute Lahore, vor wenigen Tagen erst der Angriff, der sich nachhaltig auswirken soll. Das Ziel: das Hauptquartier von Pakistans Armee in Rawalpindi.

Neun Angreifer fahren mit einem Lieferwagen vor. Sie erschießen Wachleute und werfen Handgranaten. Kurze Zeit später brechen fünf der Attentäter durch den zweiten Verteidigungsring, der das Nervenzentrum von Pakistans Armee umgibt, und dringen in das Gelände ein. Sie nehmen mehr als 40 Geiseln und verschanzen sich mit ihnen. Einer der Angreifer, der die Geiseln bewacht, trägt eine Sprengstoffweste und droht, sich und die Gefangenen in die Luft zu sprengen.

Erst am Morgen des darauffolgenden Tages gelingt es einer Armeesondereinheit, die Geiseln zu befreien. Die Soldaten erschießen vier der Attentäter und nehmen ihren vermeintlichen Anführer gefangen.

Die Organisation "Tehrik-e-Taliban Pakistan", übersetzt "Taliban-Bewegung in Pakistan" bekennt sich zu dem Angriff. Zahlreiche weitere Terrorzellen im ganzen Land seien angewiesen, sich für Schläge gegen den pakistanischen Staat bereit zu machen, erklärt ein Sprecher der Militanten. Die Anschläge würden erst dann aufhören, wenn die USA ihrerseits die Luftschläge gegen die Taliban in Pakistans Nordwesten einstellten.

Und: Die Armee solle sich vorsehen, in Südwaziristan einzumarschieren. Südwaziristan gilt als das Machtzentrum der pakistanischen Taliban an der Grenze zu Afghanistan. Dort wird auch die Führungsriege von El Kaida vermutet. Eine solche Offensive führe nur "ins Verderben", so die drohenden Worte des Sprechers.

Pakistans Elite steht unter Schock. Zwar bemüht sich ein Armeesprecher sichtlich, ruhig zu wirken, als er erklärt, die Befreiungsoperation in Rawalpindi sei "ein großer Erfolg" gewesen. Doch der Schreck über das Geschehene ist auch ihm anzumerken. Niemand hatte damit gerechnet, dass Attentäter zu solch einem Angriff - eben auf das Herz von Pakistans Sicherheitsapparat - in der Lage wären.

Es dürfte daher nicht mehr lange dauern, bis die Armee ihre seit Langem geplante Offensive gegen die Taliban in deren Machtzentrum im Nordwesten des Landes - in Südwaziristan - starten wird.

"Es wird keine Gnade geben, denn wir sind entschlossen, die Taliban aufzustöbern", sagt Pakistans Innenminister Rehman Malik. Bereits in der darauffolgenden Nacht fliegen Kampfflugzeuge der Armee Luftangriffe auf vermeintliche Stellungen der Militanten. Erste Nadelstiche, so Beobachter, vor Beginn der eigentlichen Offensive. Der Militärexperte Talat Masood, ein ehemaliger Generalleutnant der pakistanischen Armee:

"Die Armee wird die Taliban definitiv dort in Süd- und Nordwaziristan angreifen, wo die Stämme leben. Die Stämme dort sind sehr aggressiv, und sehr vertraut mit der Guerilla-Kriegsführung. Sie betreiben diese Form der Kriegsführung ja schon seit Jahrhunderten. Daher wird die Armee einige andere Taktiken anwenden müssen. Aber ganz sicher wird sie diese große Offensive starten. Denn sie muss die Hoheit des Staates wiederherstellen. Also, früher oder später werden sie damit beginnen. Sie werden versuchen, die Führung zu treffen, sowie Trainingslager, Munitionslager und Versorgungswege. Dabei werden sie, so eng wie möglich, mit den NATO-Truppen in Afghanistan und denen der US-Armee zusammenarbeiten."

Seit Monaten bringt sich Pakistans Armee in der Region um Südwaziristan in Stellung; einer Hochgebirgsregion, in der es fast unmöglich ist, mit schweren Fahrzeugen voranzukommen und in der Zigtausende von Höhlen beste Verstecke bieten. Die Armee hat die Versorgungsrouten abgeschnitten. Sie hat in den benachbarten Regionen die dort ansässigen Stämme gezwungen, Milizen aufzustellen; mithilfe eines Sondergesetzes, das nur für die halbautonomen Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan gilt. Die Milizen sollen fortan an der Seite der Armee gegen die Taliban kämpfen.

Es wäre bereits das zweite Mal, dass die Taliban mit ihrem Vorgehen eine große Militäroperation provoziert haben.

Anfang des Jahres hatte Islamabad noch versucht, sich andernorts in Pakistan mit den Taliban friedlich zu einigen: im Swat-Tal, im Nordwesten des Landes. Dort kämpfte seit 2003 der radikale Kleriker Maulana Fazlullah für die Errichtung eines Gottesstaates nach dem Vorbild der afghanischen Taliban.

Pakistans Regierung und die Regierung der Nordwest-Grenzprovinz boten Fazlullah an, die Scharia in Swat und dem umgebenden Malakand-Regierungsbezirk einzuführen, wenn seine Miliz im Gegenzug die Waffen niederlegen und den bewaffneten Kampf für beendet erklären würde. Das Ausland, allen voran die USA, zeigten sich entsetzt.

Doch die Taliban hielten sich nicht an die Absprache. Im April drangen Taliban-Verbände aus dem Swat-Tal in die südlich gelegene Region Buner ein. Nur 100 Kilometer von der Hauptstadt entfernt patrouillierten Talibankämpfer durch die Straßen. Die Regierung in Islamabad, vor allem aber die Armee, war in- und außerhalb des Landes blamiert.

Zugleich verübten Militante immer mehr blutige Anschläge in Pakistans einfluss- und bevölkerungsreichster Provinz Pandschab, in der auch Islamabad liegt. Ein Video aus dem Swat-Tal tauchte auf, auf dem Taliban-Kämpfer eine junge Frau mit einem Stock öffentlich züchtigen. Sie soll mit einem Mann auf der Straße angetroffen worden sein, mit dem sie nicht verwandt war. Die öffentliche Meinung wandte sich entschieden gegen die Taliban. Die Mehrheit der Pakistaner forderte die Armee und die Regierung dazu auf, dem Terror der Taliban ein Ende zu bereiten.

Und auch die Armee selbst erkannte, dass sie viel zu verlieren hatte. Der Militärexperte Masood:

"Die Militärführung hat verstanden, dass ihr Ruf auf dem Spiel stand. Pakistan hatte große Gebiete an diese Militanten verloren. Die Leute haben angefangen, Fragen zu stellen, insbesondere nach diesen Terroranschlägen, die in verschiedenen Teilen des Pandschab verübt wurden - und damit in vielerlei Hinsicht im Herzen des Landes -, dem dichtest besiedelten Gebiet in Pakistan."

Ende April marschierten starke Armeeverbände nach Buner und in das Swat-Tal ein. Sie eroberten alle Städte in der Region zurück und nahmen mehr als 8000 Taliban-Kämpfer gefangen. Sie konnten auch einige der Taliban-Anführer festnehmen, andere kamen bei Kämpfen ums Leben. Vor wenigen Wochen erklärte die Armee, das Swat-Tal sei wieder vollständig unter der Kontrolle des Staates. Die Flüchtlinge kehrten zurück, versuchen, sich fortan der Taliban selbst zu erwehren.

Auch aus diesem Grund verwundert, dass die Armee so lange gezögert hat, die Militanten in ihrer Hochburg Südwaziristan anzugreifen. Denn bereits seit Juni heißt es, die Armee stehe bereit; die Offensive könne jeden Augenblick gestartet werden.

Eine für Islamabad unangenehme Erklärung macht deutlich, woran liegen könnte, dass sich die Armee bislang zurückgehalten hat. Die Erklärung stammt von einer Miliz des Wazir-Stammes aus dem benachbarten Nord-Waziristan, ein Stamm, der Hunderttausende von Mitgliedern umfasst. In der Erklärung heißt es:

Der Stamm der Wazirs wird das Friedensabkommen mit der Armee aufkündigen, wenn diese in Südwaziristan einmarschieren wird.

Während die "Pakistanischen Taliban", die sich zu dem Angriff auf das Hauptquartier der Armee bekannt haben und deren wichtigste Anführer Mitglieder eines anderen Stammes sind, in Pakistan selbst um die Macht kämpfen, haben die Wazirs ein anderes Ziel. Sie dringen immer wieder ins benachbarte Afghanistan ein, um dort gegen die US-geführten Truppen zu kämpfen.

Die Erklärung, die darin zum Ausdruck gebrachte Verwicklung Islamabads in das Vorgehen der Extremisten in Afghanistan brachte Pakistans Führung in Bedrängnis. Denn genau das werfen die USA Islamabad schon seit Jahren vor: dass es bewusst zu wenig unternehme, um Angriffe auf ISAF- und US-Soldaten zu unterbinden, die von pakistanischem Staatsgebiet ausgehen. Pakistans Armee und Regierung blieb nichts anderes übrig, als die eindeutige Erklärung aus den Reihen des Wazir-Stammes zu dementieren. Man wisse nichts von so einem Friedensabkommen, hieß es dazu nur aus der Hauptstadt des Landes.

Doch tatsächlich unterstützt Pakistans Armee schon seit Jahrzehnten militante Gruppen im Nordwesten des Landes und in Kaschmir oder sie duldet sie zumindest, um Pakistans Interessen in der Region durchzusetzen. Farrukh Saleem vom renommierten "Center for Research and Strategic Studies" in Islamabad, erklärt, woran das liegt.

"Die nationale Verteidigungsstrategie baute lange auf dem Einsatz nicht-staatlicher Akteure auf, an der westlichen sowie an der östlichen Grenze des Landes. Die Dschihadis dienten dem Staat, ihrem Auftraggeber, als Agenten. Das ist nur natürlich und findet sich immer wieder in der Geschichte: dann nämlich, wenn ein Staat einen Feind hat, dessen Streitkräfte überwältigend stärker sind als die eigenen. Dann gibt es die Tendenz, unkonventionelle Instrumente der Außenpolitik einzusetzen: ob in Form von Taliban, in Form von Dschihadi-Kämpfern oder durch die Entwicklung eines Atomsprengkopfes. Und so hat auch Pakistan diese nicht-staatlichen Akteure unterstützt und die Beziehungen zu ihnen aufrecht erhalten."

Seit jeher konkurrieren Pakistan und Indien um Einfluss in Afghanistan. Nach seiner Staatsgründung im Jahr 1947 hatte Pakistan gute Kontakte nach Kabul. Doch durch den Einmarsch der Sowjets im Jahr 1979 verlor Islamabad allen Einfluss auf sein Nachbarland. Damals trat dort Indien, das beste Beziehungen nach Moskau hatte, immer stärker auf. Deswegen auch unterstützte der pakistanische Staat über seinen Geheimdienst ISI die Mudschaheddin: afghanische und ausländische Guerillakämpfer, die in den Heiligen Krieg gegen die Sowjets zogen. Washington und Saudi-Arabien finanzierten damals den Aufbau dieser sogenannten "Gotteskrieger".

Doch nach dem Abzug der Sowjets im Jahr 1989 versank Afghanistan im Chaos. Die Mudschaheddin-Gruppen bekämpften sich nun gegenseitig. Abertausende Menschen starben, Millionen flohen vor den Kämpfen. Damals begann Islamabad, die Taliban - radikale afghanische Koranschüler aus Flüchtlingslagern in Pakistan - zu unterstützen. Sie sollten Afghanistan unter ihre Kontrolle bringen - und somit Islamabads Einfluss auf Afghanistan wiederherstellen. Die Rechnung ging Mitte der 90er-Jahre auf. Die Taliban eroberten 1996 Kabul. Pakistan hatte seinen Einfluss auf den nördlichen Nachbarn wiedererlangt.

In den 80er-Jahren begann Pakistan, auch im pakistanischen Teil von Kaschmir militante Islamistengruppen zu unterstützen. Diese drangen ab 1989 immer häufiger in den indischen Teil von Kaschmir ein und kämpften dort gegen indische Sicherheitskräfte. Dabei kamen bis heute geschätzt 70.000 Menschen ums Leben. Kaschmir wurde zum Unruheherd, der sich erst in den vergangenen Jahren ein wenig beruhigt hat.

Jedoch ging der Schuss für Pakistan irgendwann nach hinten los: Die militanten Gruppen verfolgten immer mehr eigene Interessen. Seit sich Pakistan infolge der Anschläge vom 11. September 2001 auf die Seite der USA gestellt hat, kämpfen viele der Gruppen nun gegen den pakistanischen Staat, der sie einst aufgebaut hat. Farrukh Saleem:

"In den drei Jahrzehnten nach 1979 haben diese Agenten dann meistens auch getan, was ihnen gesagt wurde. Das Verhältnis zwischen beiden Seiten war intakt. Über die Jahre haben jedoch einige dieser Dschihadi-Gruppen damit begonnen, eigene Operationen durchzuführen, die nicht im Interesse des Staates waren. Daher gibt es heute in einigen Fällen zwischen Auftraggebern und Agenten kein Geschäftsverhältnis mehr."

Der Angriff auf das Armee-Hauptquartier vom vergangenen Wochenende forderte 19 Menschenleben und ging damit zwar weitaus glimpflicher aus, als viele andere Anschläge in der letzten Zeit, bei denen etliche Menschen mehr gestorben sind. Doch viele Beobachter im In- und Ausland waren entsetzt, dass es den Militanten gelungen war, in das Herz von Pakistans Sicherheitsapparat einzudringen und Geiseln zu nehmen.

Schon seit Langem ist die Sorge vor allem im Westen groß, dass eine Taliban-Kommandoeinheit eine der Atomanlagen des Landes stürmen und in den Besitz eines Atomsprengkopfes kommen könnte. Ein Albtraum. Doch wie realistisch ist solch ein apokalyptisches Szenario? Farrukh Saleem vom "Center for Research and Strategic Studies":

"4000, 5000, selbst 15.000 Taliban, bewaffnet mit Kalaschnikows können nicht eine Armee schlagen, die derzeit die sechstgrößte der Welt ist! Denn das sind halbe Analphabeten, ungebildete Koranschüler. Sie haben keine Ahnung, was eine Atomwaffe ist! Es gibt einen Zündmechanismus, ein Trägersystem und mehrere Codes. Jede dieser Komponenten wird einzeln aufbewahrt und ist durch einen Geheimcode geschützt. Es ist so gut wie ausgeschlossen, dass die Taliban diese Codes entschlüsseln können, diese Komponenten zusammenbauen und in eine abschussfähige Waffe verwandeln. Es kommt mir so vor, als hätten Teile der westlichen Medien Propaganda aus Regierungskreisen aufgegriffen und so dargelegt, als wären es Nachrichten. Auch die US-Regierung hat Propaganda gemacht, die ihren Zielen dienen soll. Ich sehe keine Gefahr, dass die Taliban in der Lage sind, Pakistan zu erobern. Ich sehe nicht, dass die Taliban je in der Lage sein werden, unser nukleares Arsenal in Besitz zu nehmen. Diese Gefahren werden in der westlichen Presse aufgebauscht."

Dennoch steht Pakistan das Schlimmste mit der Offensive gegen die Taliban in Südwaziristan noch bevor. Sollte sich Pakistans Armee nun, nach dem Angriff auf ihr Hauptquartier, tatsächlich dazu entscheiden, gegen die Militanten in ihrem Machtzentrum loszuschlagen, drohen verlustreiche Kämpfe. Auch wäre dann mit noch mehr und noch schwereren Anschlägen überall im Land zu rechnen.

Sie sind das Markenzeichen des neuen Talibanchefs Hakimullah Mehsud, der die "Pakistanischen Taliban" seit Ende August anführt. Anfang August war der langjährige, frühere Talibanchef bei einem US-Raketenangriff auf das Haus seines Schwiegervaters ums Leben gekommen. Er galt als gewiefter Diplomat und besonnener Anführer.

Hakimullah Mehsud, sein Nachfolger, gilt hingegen als unberechenbarer Hitzkopf. Er ist erst Ende 20, hat in der Vergangenheit bereits mehrere schwere Anschläge geplant und umgesetzt. Seit er die Militanten anführt, kommt es zu immer mehr und immer rücksichtsloseren Anschlägen. Erst am Montag sprengte sich in der Stadt Alpuri in Shangla, einem Nachbardistrikt vom Swat-Tal, ein Selbstmordattentäter neben einem Armeekonvoi in die Luft. Berichten zufolge kamen dabei 41 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Zivilisten. Wenige Tage zuvor hatte sich in Islamabad ein Selbstmordattentäter in einem Gebäude der Vereinten Nationen in die Luft gesprengt und fünf Menschen getötet.

Und auch weitere Details zum Anschlag auf das Armeehauptquartier geben Grund zur Sorge. Denn die Attentäter waren keine Paschtunen aus dem Nordwesten des Landes, aus dem Swat-Tal. Sie stammten aus dem Pandschab, der Provinz, in der auch Lahore, Rawalpindi und Islamabad liegen.

Schon seit Jahren gewinnen auch hier - im Süden der Provinz - radikale Islamistengruppen immer mehr Anhänger. In der Region herrscht tiefste Armut. Reiche Großgrundbesitzer mit besten Beziehungen nach Islamabad gebieten dort über riesige Ländereien, während die Landarbeiter, die in Tausenden auf ihren Feldern schuften, oft nicht einmal genug zu Essen haben. Das Bildungssystem und das Gesundheitswesen sind in miserablem Zustand.

Genau dort, im Pandschab, gründen Islamistengruppen seit einigen Jahren immer mehr Madrassas, Koranschulen. Die Gelder bekommen sie aus Saudi-Arabien, den Lehrplan und die militante Ideologie ebenso. Beobachter bezeichnen schon heute den Südpandschab als ein riesiges Rekrutierungsfeld für Selbstmordattentäter.

Hier offenbart sich auch das Kernproblem des pakistanischen Staates: Pakistan wurde mehr als die Hälfte der Zeit seit seiner Gründung im Jahr 1947 von Militärdiktatoren regiert. Dabei kam es nie zu einer wirklichen Demokratisierung des Landes. Auch gab es nie eine Landreform wie etwa in Indien. Stattdessen hat die Elite des Landes den gesamten Wohlstand unter sich aufgeteilt, während der Großteil der Menschen vor allem auf dem Land immer mehr im Elend versinkt.

Auch wenn glaubwürdige Umfragen besagen, dass eine Mehrheit der Menschen in Pakistan moderat eingestellt ist und jegliche Militanz ablehnt, haben militante Gruppen angesichts der offensichtlichen Ungerechtigkeit und der wachsenden Armut ein leichtes Spiel, neue Kämpfer zu rekrutieren.
Militärexperte Talat Masood glaubt dennoch, dass Pakistan in der Lage ist, seine massiven Probleme in den Griff zu bekommen:

"Wenn der Demokratisierungsprozess voranschreitet, gibt es keinen Grund, warum wir nicht in absehbarer Zeit unsere Position zurückgewinnen sollten. Pakistan ist sehr belastbar! Und Sie werden sehen, dass wir es schaffen werden. Es ist eine enorme Herausforderung. Aber die internationale Gemeinschaft unterstützt uns dabei sehr. Der Staat ist schwach, ja, aber Pakistan deshalb als 'Failed State', als 'Gescheiterten Staat' zu bezeichnen, ist überzogen. Die Gefahr, die von der sich ausbreitenden Militanz ausgeht, ist real. Da dürfen wir uns keiner Illusion hingeben. Doch sie hat so einen Hype erzeugt, dass nun wirklich alle aufgewacht sind. Und, wie Sie wissen, lieben wir unsere Atomwaffen. Wir werden sie nicht in die Hände von Militanten fallen lassen!"

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk