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StartseiteWirtschaft am MittagSinkende Mieten durch Konjunkturdelle?16.01.2019

Immobilien als AnlageSinkende Mieten durch Konjunkturdelle?

Trotz hoher Preise und einem knappen Angebot ist die Nachfrage nach Immobilien in Deutschland zuletzt gestiegen. Das zeigt eine Befragung der Unternehmensberatung EY unter Immobilieninvestoren. Das nachlassende Wirtschaftswachstum könnte die Entwicklung aber bremsen - und Mieter entlasten.

Von Mischa Ehrhardt

Altbau-Häuser in der Wittgensteinstraße in Köln Lindenthal.  (imago / Hardt)
Weniger stark steigende Mieten: Das wäre eine gute Nachricht für Mieter - und eine weniger gute für Investoren. (imago / Hardt)
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Im vergangenen Jahr haben viele Immobilien den Besitzer gewechselt - das Volumen solcher Käufe und Verkäufe von Wohn und Gewerbeimmobilien befindet sich auf Rekordniveau. Das verdankt sich zum einen natürlich den steigenden Immobilienpreisen. Zum anderen aber auch den günstigen Finanzierungskonditionen, einfacher ausgedrückt: Den niedrigen Zinsen.

Zunehmende Nachfrage - aber keine Blase

Um sieben Prozent haben die Transaktionen im vergangenen Jahr angezogen - auf rund 78 Milliarden Euro. Von einer Blase am Immobilienmarkt will der Leiter der Studie bei EY, Paul von Drygalski, aber nicht sprechen.

"Wir sind nicht der Meinung, dass man von einer Blase sprechen muss. Sicherlich befinden wir uns derzeit bereits am Ende eines bereits sehr lange anhaltenden Marktzyklus; aber wir würden nicht davon ausgehen, dass es zu einem Crash kommt".

Konjunktur lässt nach, damit die Nachfrage

Kein Crash, dafür dürfte der Rückenwind am Immobilienmarkt aber in diesem Jahr etwas nachlassen. Der Grund ist unter anderem, dass die Konjunktur nicht mehr so stark läuft wie im vergangenen Jahr.

"Derzeit gehen wir davon aus, dass der Immobilienmarkt immer noch von der positiven Konjunktur profitiert. Insofern ist der Immobilienmarkt derzeit sehr positiv. Aber er kann sich nicht komplett von der wirtschaftlichen Entwicklung abkoppeln. Das heißt, wenn es wirklich massive Bremsspuren geben würde, würde sich das so äußern, dass die Mieten weniger stark steigen oder eben nicht mehr steigen", sagt der Leiter des Immobiliensektors bei EY, Christian Schulz-Wulkow.

Weniger stark steigende Mieten: Das wäre eine gute Nachricht für Mieter - und eine weniger gute für Investoren. Die haben es zum einen auf Mietwohnungen abgesehen. So hat beispielsweise der im Dax notierte Immobilienkonzern Vonovia im vergangenen Jahr die österreichische Buwog übernommen und mit ihr allein in Deutschland rund 27.000 Wohnungen. Zum anderen sehen Großinvestoren aber vor allem im Kauf von Gewerbeimmobilien lukrative Anlagen. Favoriten in Sachen Büroimmobilien sind die Städte Berlin und Frankfurt, gefolgt von Hamburg und München.

Digitalisierung beeinflusst selbst den Immobilienmarkt

Ein Trend, der auch in diesem Jahr eine zunehmende Rolle spielen wird ist auch im Immobilienbereich die Digitalisierung. "Wir merken, dass Investoren sich verstärkt Gedanken machen: Welche Asset-Klassen profitieren von der Digitalisierung und welche Standorte profitieren von der Digitalisierung? Und Sie erleben das, dass Projektentwickler, die neue Büroobjekte jetzt bilden, das massiv im Fokus haben und eben Sensoren und weitere Themen berücksichtigen und einbauen".

Auch Zukunftsthemen wie Ladeinfrastrukturen für Elektroautos werden am Immobilienmarkt zunehmend eine Rolle spielen. Bremsend wirkt bei Bau oder Projekten zur Erneuerung des Bestandes an Immobilien übrigens, dass Baufirmen dringend gesucht sind. Diese Kapazitätsengpässe führen tendenziell zu steigenden Preisen und der Verzögerung von Bauvorhaben.

Brexit kurzfristig gut für die Branche

Profitieren schließlich dürfte die hiesige Immobilienbranche durch den Brexit. "Viele verschiedene Finanzinstitute erwägen ja oder haben schon entschieden, ihre Standorte zu verlagern. Das wird positive Impulse sowohl im Bürobereich als auch im Wohnbereich geben. Wenn der Brexit allerdings irgendwann auch negative Auswirkungen auf die europäische und deutsche Wirtschaft haben wird, dann kann das natürlich auch negative Implikationen für den Immobilienmarkt haben".

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