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StartseiteKommentare und Themen der WocheUmgang mit dem Coronavirus ist eine Reifeprüfung23.01.2021

ImpfengpassUmgang mit dem Coronavirus ist eine Reifeprüfung

2021 werden fünf Landtage und ein Bundestag gewählt. Der Chefautor des „Kölner Stadt-Anzeigers“, Peter Pauls, fragt, in welchem Ausmaß die Politik sich des medizinischen Themas bemächtigen werde. Der Umgang mit dem Virus sei eine Reifeprüfung – für die Politik und für die Gesellschaft.

Ein Kommentar von Peter Pauls, "Kölner Stadt-Anzeiger"

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Der Arzt Jan-Moritz Fischer (l) impft während des Starts des Impfzentrums im Sportforum der Turm ErlebnisCity die 83-jährige Editha Kölling aus Löwenberg gegen Covid-19. Links steht der Arzt Michael Batsch und füllt den Fragebogen aus. (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild - Soeren Stache)
Wirksamste Strategie im Kampf gegen Corona ist die Impfung. In Deutschland sind aber aktuell nicht mal zwei Prozent der Menschen geimpft worden (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild - Soeren Stache)
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Der Kampf gegen das Coronavirus und seine Mutationen ist eine Jahrhundertaufgabe. Wenn es eine Erkenntnis aus den Infektions- und Sterbestatistiken, den Lichtblicken und Rückschlägen der vergangenen Monate gibt, ist es diese. Geduld, Disziplin und Verzicht sind gefragt. An einem Sonntag, den 27. Dezember 2020, wurden in Deutschland publikumswirksam erste Impfstoffe gegen das Virus verabreicht. Meist war auch die Politik nicht weit. Die 92-jährige Kölnerin Gertrud Vogel schaffte es, stellvertretend für alle anderen Erstgeimpften, in die abendliche Tagesschau. "Wir kehren in unser altes Leben zurück", war die Botschaft.

Der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer. Eine Krankenschwester im UC Davis Medical Center in Sacramento, Kalifornien, zieht die Subsatnz aus einem Gläschen in eine Spritze. Zu sehen ist nur ihre mit einem blauen Handschuh geschützte Hand. (dpa/AP/Hector Amezcua) (dpa/AP/Hector Amezcua)Was Sie über die Corona-Impfung wissen müssen
Die Impfungen gegen das Coronavirus haben in Deutschland begonnen. Wer kann sich wann und wo impfen lassen? Wie sicher sind die Impfstoffe? Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten und ist man danach immun? Ein Überblick.

Sie ist inzwischen der Ernüchterung gewichen. Denn in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel werden die 53 Impfzentren verspätet - erst in gut zwei Wochen, am 8. Februar - den Betrieb aufnehmen. Im bevölkerungsreichsten Bundesland ist der Impfstoff knapp. Dann sind nicht nur 42 Tage vergangen, seit Gertrud Vogel ihre erste Spritze erhielt, sondern es sind 42-mal Abend für Abend die Kennzahlen gewachsen, die Krankheit und Tod im Lockdown-Alltag markieren. Mehr als 400.000 Menschen sind bislang nach offiziellen Zahlen in der Europäischen Union, der EU,  COVID-19 zum Opfer gefallen. Da verfliegt Optimismus schnell.

Bislang sind in Deutschland nicht einmal zwei Prozent geimpft

Wirksamste Strategie im Kampf gegen Corona ist die Impfung. In Deutschland sind aber aktuell nicht mal zwei Prozent der Menschen geimpft worden. Mit einer Quote von 2,95 Prozent der Bevölkerung ist Mecklenburg-Vorpommern Spitzenreiter und Baden-Württemberg mit 1,32 Prozent Schlusslicht. Die Unterschiede beruhen auf unterschiedlichen Strategien - die einen haben das Serum für die zweite Impfung im Depot, die anderen verimpfen, was da ist. In Großbritannien hat der viel geschmähte staatliche Gesundheitsdienst mittlerweile gut 7,5 Prozent der Bevölkerung geimpft, von stolzen 35 Prozent in Israel ganz zu schweigen. Warum klappt das hier nicht? Selbst die USA unter Donald Trump haben bisher fünf Prozent ihrer Bevölkerung versorgt.

Noch spielt Corona auf der politischen Bühne eine überschaubare Rolle. Man mag vermuten, dass sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder von der CSU als Führungsfigur positioniert. Und auch der Christdemokrat Armin Laschet, der NRW regiert, wird erfahren, dass er als möglicher Kanzlerkandidat attraktiver für Oppositionsattacken geworden ist. Doch hat die Konferenz aller Länderführungen mit der Kanzlerin verbindliche Regelungen erreicht - die Verlängerung des Lockdowns bis zum 14. Februar etwa, den gesetzlichen Druck zum Homeoffice und die verbindliche Einführung medizinischer Masken. Im Umgang mit Kita- und Schul-Schließungen herrscht ein Durcheinander in den 16 Bundesländern, als gäbe es in jedem einzelnen ein anderes Virus.

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Merkel muss sich nicht mehr profilieren

Unbeeindruckt von der Tagespolitik regiert Angela Merkel. Ihre Amtszeit endet mit der Bundestagswahl am 26. September. Bis zum 21. September, so die Kanzlerin bei einer Pressekonferenz, solle jeder Bürger ein Impfangebot erhalten haben. Das Virus wird dann eineinhalb Jahre unser Leben geprägt haben. Angela Merkel muss nicht taktieren um den Preis des eigenen politischen Erfolgs und ist unabhängig wie nie in ihrer Amtszeit. Sie zeigt Detailkenntnis in überraschender Tiefe. Gestattet sie sich öffentlich Gefühle, wirkt es glaubwürdig. Wenn sie etwa sagt, der Gedanke, dass alte Menschen allein in Heimen sterben, breche ihr das Herz.

In diesem Jahr werden fünf Landtage und ein Bundestag gewählt. Die Frage ist nur, in welchem Ausmaß die Politik sich des medizinischen Themas bemächtigt. Sie stand bereits Pate, als das europäische Impfprogramm aufgelegt wurde. Alle 27 EU-Staaten mussten gemeinsam Serum kaufen und im Gleichschritt anwenden. Einen "berührenden Moment der Einheit" nannte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das.

Letztlich muss jede Regel, die die Politik festlegt, den Alltagstest bestehen. Wer setzt das Recht auf Homeoffice um, wenn der Chef nicht mitspielt? Wer kontrolliert Masken im Detail oder die Teilnehmer eines Abendessens? Der Umgang mit dem Virus ist eine Reifeprüfung. Für die Politik, aber auch für die ganze Gesellschaft.

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