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StartseiteHintergrundIn Somalia schwindet die Hoffnung auf Frieden27.10.2005

In Somalia schwindet die Hoffnung auf Frieden

Nach dem Krieg ist vor dem Krieg

Das ostafrikanische Land Somalia hat seit 14 Jahren keine funktionierende Regierung mehr, stattdessen beherrschen Kriegsfürsten und Klanführer das Land. Seit Oktober 2004 gilt Abdullahi Yusuf Ahmed als neuer Präsident. Doch der traut sich wegen der vielen Warlords und Milizionäre nicht einmal in die Hauptstadt Mogadischu. Und so geht der Kampf um die Macht weiter.

Von Bettina Rühl

Bewaffnete Männer beschützen Mitglieder des somalischen Parlaments während einer Rundreise im Februar 2005 (AP Archiv)
Bewaffnete Männer beschützen Mitglieder des somalischen Parlaments während einer Rundreise im Februar 2005 (AP Archiv)
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Die beigen Hosen sind den meisten Männern viel zu groß, und mancher Rekrut lässt beim Marschieren deshalb eine Hand am Hosenbund. Dazu tragen die Kämpfer T-Shirts in den Farben Rot, Blau oder Weiß, und an den Füßen Gummischlappen, Sandalen oder Turnschuhe. Die 680 Männer sind Somali. Sie bilden den Kern einer neuen Militärpolizei - und damit den Grundstock für die Sicherheitskräfte eines neuen somalischen Staates.

Auf der Truppe mit den bunten T-Shirts ruhen deshalb große Hoffnungen. Denn das ostafrikanische Land hat seit 14 Jahren keine funktionierende Regierung mehr - und damit niemanden, der landesweit für Recht und Ordnung sorgt. Stattdessen beherrschen Kriegsfürsten und Klanführer das Land, seit der letzte Diktator Siad Barre im Januar 1991 floh. Die Männer, die nun mit ernsten Gesichtern und schweißüberströmt exerzieren, sind für das Chaos der vergangenen Jahre mitverantwortlich: Noch bis vor kurzem kämpften, plünderten und mordeten sie als Milizionäre im Auftrag unterschiedlicher Warlords. Sie waren Mitglieder verschiedener Bürgerkriegsfraktionen, untereinander tödlich verfeindet - und allesamt der Schrecken der Bevölkerung. Das gilt auch für den 27-jährigen Salad Moalim Abdullahi Mohamud.

"Ich bereue meine Vergangenheit. Es tut mir leid, dass ich getötet und geplündert habe. Jetzt möchte ich meinen Teil zur Versöhnung beitragen und dabei helfen, Recht und Ordnung wieder herzustellen. Ich möchte meinem Volk beweisen, dass ich guten Willens bin. Unsere Führer haben sich versöhnt. Sie haben es geschafft, eine neue nationale Regierung zu wählen. Wir sind bereit, unsere Haltung ebenfalls zu ändern und unsere Feindschaft zu vergessen. Wir müssen die zentrale Regierung mit allen unseren Kräften unterstützen. "

Seit Oktober 2004 gilt Abdullahi Yusuf Ahmed als neuer Präsident. Er wurde nach mehr als zweieinhalbjährigen Verhandlungen in Nairobi durch ein Übergangsparlament gewählt. Die Wahl galt als erster Schritt auf dem Weg zu neuen staatlichen Strukturen. Nun sollen auch Polizei und Armee wieder aufgebaut werden. Die Truppe marschiert über einen Innenhof, der zwischen lauter Ruinen erhalten blieb; die Rufe der Ausbilder hallen von den zerschossenen Mauerresten zurück. Die Rekruten haben noch keine Unterkünfte und kriechen wie eh und je unter ihre bewaffneten Fahrzeuge, um sich vor Sonne und Regen zu schützen. Trotzdem und obwohl sie keinen Sold bekommen, beschweren sie sich nicht.

"Geld ist jetzt nicht das Wichtigste. Wir müssen dabei helfen, das Land wieder aufzubauen. Ich kriege hier meine Mahlzeiten, also brauche ich erst einmal kein Geld. Unser jetziges Leben kann man natürlich nicht mit unserem früheren vergleichen, wir hatten viel Geld, als wir noch Milizionäre waren. Aber das macht nichts, wir können warten, bis sich die Verhältnisse insgesamt bessern und unser zerstörtes Land wieder aufgebaut ist – dann wird es auch uns wieder besser gehen. "

Auch die übrigen Kämpfer erklären sich bereit, für den Frieden fast jeden persönlichen Preis zu zahlen. Und trotzdem ist die Truppe vermutlich kein Teil der somalischen Lösung, sondern wohl eher ein Teil des somalischen Problems. Denn Oberbefehlshaber der ehemaligen Milizionäre ist nicht etwa der neue Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed - Oberbefehlshaber sind drei Minister aus dem fast 90-köpfigen Kabinett. Einer von ihnen ist Wirtschaftsminister Muse Sudi Yalahow. Der Minister sitzt am Rande des Exerzierplatzes unter einem Baum, denn trotz seines neuen Amtes verbringt er wie eh und je die meiste Zeit bei seinen Kämpfern – Muse Sudi hat sich bislang als Warlord einen Namen gemacht. In Richtung des Präsidenten schickt er eine kaum verhohlene Drohung:

"Wir laden den Präsidenten, den Premierminister und den Rest des Kabinetts ein, nach Hause zu kommen. Wenn der Präsident sich allerdings weigert … - na ja, noch fordern wir ihn auf, hier mit uns zusammenzuarbeiten."

Die neue Regierung, erst seit rund einem Jahr im Amt, ist schon wieder in zwei unversöhnliche Lager gespalten. Der Streit entzündete sich vordergründig an zwei Fragen: Erstens geht es um den Regierungssitz: Mogadischu ist laut Verfassung die Hauptstadt Somalias, doch in keinem anderen Landesteil gibt es so viele Warlords und Milizionäre wie dort. In ihrer Mitte hat Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed Angst um sein Leben. Zweitens möchte der Präsident Schutz und Unterstützung durch Soldaten der Afrikanischen Union oder der Vereinten Nationen, bis Somalia wieder eine eigene Truppe hat. Schon in der Frage der Hauptstadt sind die so genannten bewaffneten Minister von Mogadischu zu keinem Kompromiss bereit. Osman Ato wurde vom Warlord zum Wohnungsbauminister befördert, doch auch er sucht bis heute die Nähe seiner Kämpfer:

"Wer nicht bereit ist, hierher zu kommen und hier mit uns inmitten der Zerstörung zu leben, der hat nicht das Recht, sich Präsident zu nennen. Wenn Herr Yusuf also das für ihn bestimmte Amt übernehmen will, dann soll er nach Mogadischu kommen. Wir haben ihn zum Präsidenten von Somalia gewählt. Wenn er diesen Posten nicht haben möchte, gibt es genug andere, die sich dafür interessieren – ich bin mir sicher, dass es immer jemanden gibt, der das Amt des Präsidenten übernimmt. "

Das ist in der Tat die einzige Gewissheit in der somalischen Politik – und der Grund für den jahrelangen Krieg. Der schien durch die Regierungsbildung im Oktober 2004 endlich beendet, die Warlords schienen zum Machtverzicht bereit. Doch die Hoffnung auf Frieden schwindet wieder, der Kampf um die Macht geht offenbar weiter. Denn Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed ist so kompromisslos, wie seine Gegner.

"Ich bin nicht deren Befehlsempfänger. Es ist nicht an ihnen, mir die Legitimation als Präsident abzusprechen. Natürlich ist Mogadischu die Hauptstadt von Somalia, niemand leugnet das. Aber die Stadt gehört dem ganzen Volk, nicht nur einer Gruppe von Warlords – woher nehmen sie sich das Recht, mich dorthin einzuladen, als sei die Stadt ihr Zuhause? Außerdem gab es schon viele Versuche, eine neue somalische Regierung zu bilden, und alle diese Regierungen sind in Mogadischu gescheitert. Wir wollen diesen Fehler unserer Vorgänger nicht wiederholen. Die Sicherheitsprobleme in der Hauptstadt müssen gelöst werden, dann erst können wir dort unsere Arbeit aufnehmen. "

Also ging der Präsident zunächst nach Jowhar, in ein kleines, bislang unbedeutendes Städtchen an der Grenze zu Äthiopien. Genau deshalb, wegen der Nähe zur Grenze, lasse der Präsident sich dort nieder, sagen seine Gegner: So sei es für seine Schutzmacht Äthiopien nicht weit, wenn sie ihm militärisch zur Hilfe komme. Das berührt den zweiten zentralen Streitpunkt innerhalb der neuen Regierung: Die Frage einer afrikanischen Friedenstruppe für Somalia. Das Verhältnis zu Äthiopien spielt dabei die Schlüsselrolle. Es ist kein Geheimnis, dass der Präsident den Rückhalt Äthiopiens hat – und damit ausgerechnet des Landes, das vielen Somali als Erzfeind gilt. Die beiden Nachbarländer streiten seit Jahrzehnten um eine Region namens Ogaden, in der zwar Somali leben, die aber zum Staat Äthiopien gehört. Deshalb lehnen die Gegner des somalischen Präsidenten die von ihm gewünschte Schutztruppe kategorisch ab: Sie fürchten die Beteiligung äthiopischer Soldaten - und somit eine "kalte Eroberung". Wirtschaftsminister Muse Sudi Yalahow ist deshalb allenfalls bereit, UN-Soldaten zu akzeptieren.

"Das somalische Volk wird sich vereinen, um jeden äußeren Aggressor oder jede fremde Armee zu bekämpfen – besonders, wenn die Truppen aus den Nachbarstaaten Äthiopien oder Kenia kommen. Denn Äthiopien hat seit langer Zeit einen Teil Somalias besetzt, und dasselbe gilt für Kenia. Die Somali, die in den äthiopischen und kenianischen Gebieten leben, werden ganz unwürdig behandelt und gedemütigt. Deshalb warnen wir unsere Nachbarländer eindringlich davor, Truppen nach Somalia zu schicken. Sie sollten besser nicht kommen – andernfalls könnte es Krieg geben. "

Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed scheint nicht bereit, auf diese Warnungen zu hören. Er will die ausländische Schutztruppe um jeden Preis und egal in welcher Zusammensetzung. Unter dem Eindruck der eskalierenden Regierungskrise hat der Präsident in den vergangenen Wochen mehrere tausend Kämpfer rund um Jowhar zusammengezogen. Darunter sind auch äthiopische Soldaten. Damit droht eine weitere Eskalation der Krise – und möglicherweise ein größerer Krieg. Die Waffen dafür werden nach Erkenntnissen der UN trotz eines Embargos bereits geliefert.

Die UN-Kommission beschuldigt das arabische Yemen, dem somalischen Präsidenten neben Kalaschnikows auch Granatwerfer, Maschinengewehre, Flakgeschütze, Helikopter, Handgranaten und Anti-Panzer-Minen zu liefern. Inzwischen hat der Präsident auch Geld, um für die Waffen zu bezahlen: Die arabische Liga zahlte 26 Millionen Dollar in einen Fonds zur Unterstützung Somalias. Statt dieses Geld zum Wiederaufbau zu verwenden, nutzt Abdullahi Yusuf dieses Geld offenbar, um sich für den nächsten Krieg zu rüsten.

In Mogadischu gibt es wenig, was bei neuen Gefechten noch zerschossen werden kann – ein Großteil der Stadt liegt ohnehin in Trümmern. Doch die zerstörten Häuser sind nicht verlassen – wohin sollten die Menschen auch gehen? Also nutzen sie jedes Dach und jede Mauer, die ihnen nach 14 Jahren Krieg noch blieb. Hier und da gibt es sogar Fensterhöhlen, die zum Schutz vor Sonne und Staub mit Pappe abgedeckt sind, doch an vielen Gebäuden fehlen die Außenmauern, und jeder Passant kann den Menschen ins Wohnzimmer gucken.

"Manchmal frage ich mich, ob ich verrückt bin. Oder vielleicht gerade einen schlechten Traum durchlebe. Ob das hier die Realität ist, oder ob ich vielleicht längst tot und in einer anderen Welt wieder aufgewacht bin. Ich grüble manchmal zu viel. Hin und wieder gelingt es mir, damit aufzuhören und mit meinen Kindern zu spielen, um mich abzulenken. "

Der 38-jährige Adem Hassan Bashir sitzt vor der ehemaligen, halb zerstörten Kaserne, in der er mit seiner Frau und elf Kindern wohnt. Nur fünf der Kinder sind seine eigenen, die übrigen sind Waisen seines verstorbenen Bruders und anderer Verwandter.

"Wir leben alle zusammen in diesem einen Raum, in dem Nebenzimmer wohnt jemand anderes. Wenn unser Nachbar nicht da ist, schlafen einige der Kinder in seinem Zimmer, doch in den anderen Nächten müssen wir uns den Platz hier teilen. Wenn es regnet, wird es besonders eng, denn das Dach ist an einer Stelle undicht, und wir müssen da zusammenrücken, wo es nicht tropft. Aber wenn der Regen sehr stark ist, wird natürlich der ganze Raum nass. "

Adem Hassan Bashir wurde in Mogadischu geboren, doch als der Krieg begann, floh er in das Städtchen Belet Huen – weil sein Klan hier zu Hause ist, fühlt er sich nirgends so sicher wie hier. Bis zum Beginn des Krieges studierte Adem Hassan Bashir in Mogadischu erfolgreich Informatik. Noch als Student verdiente er als Computerspezialist so viel Geld, dass er die Großfamilie unterstützen konnte.

"Wenn ich mit meinen Kindern spiele, erinnere ich mich manchmal an diese Zeit. Daran, wie ich mir damals meine Zukunft vorstellte: Ich dachte, dass ich einmal einen gut bezahlten Job haben würde. Ich sah mich mit meinen Kindern in einem gepflegten Garten spielen, der zu einem schönen Haus gehörte. Ich dachte, dass ich meinen Kindern ein gutes Leben bieten könnte. Stattdessen leben wir in einer halb zerstörten Kaserne. Wir haben noch nicht einmal Moskitonetze, weil ich nicht genug Geld verdiene, um für jeden eins zu kaufen. Es ist schon ein Kampf, das tägliche Essen zu beschaffen. Und wenn meine Frau die Kleidung der Kinder wäscht, weil sie schmutzig ist, dann müssen die Kinder drinnen bleiben, bis ihre Sachen trocken sind – sie haben nichts zum Wechseln. "

Seit 14 Jahren lebt die somalische Bevölkerung ohne eine Regierung, die sich um ihre Bedürfnisse kümmert: Die ein Gesundheitswesen aufbaut und ein Bildungssystem unterhält, Lehrpläne für die Schulen entwickelt und Ausbildungsplätze schafft, Universitäten gründet, den Abfall entsorgt und Straßen baut. Und Adem Hassan Bashir glaubt nicht mehr daran, dass die neue Regierung diese Aufgaben eines Tages übernimmt.

"Jeder von ihnen verfolgt nur seine eigenen Interessen. Sie empfinden keine Verantwortung für uns. Sie denken nicht einmal an uns. Das gilt für die gesamte Regierung – auch für den Präsidenten und seinen Premierminister. Sie bekämpfen einander, weil jeder nur daran denkt, wie er sich persönlich bereichern kann. Deshalb gibt es für uns noch immer keine Hoffnung. Das ist unser Hauptproblem: Dass es noch immer keine Hoffnung gibt - ich jedenfalls habe keine mehr. "

In der Hauptstadt ist die Lage nicht besser. Auf dem riesigen Bakhara–Markt im Zentrum von Mogadischu drängen sich die Menschen: Schuster und Schuhputzer, Passfälscher und Geldwechsler, Schreiner und Schmiede bieten ihre Dienste an. Händler verhökern Kalaschnikows oder Granatwerfer, Medikamente oder Fruchtsäfte, Stoffe oder Autoreifen. Doch trotz aller Mühe verdienen die meisten Menschen kaum das Nötigste zum Überleben – es gibt zu wenig kaufkräftige Kunden. Seit Jahren ist die Situation vieler Menschen in Somalia verzweifelt. Von der weit verbreiteten Not profitieren islamistische Gruppen, warnt Omar Olad. Er ist selbst ein gläubiger, aber gemäßigter Muslim und arbeitet für die somalische Hilfsorganisation Daryeel BulshuGuud, "Hilfe für Alle"; sie wird von der Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt.

"In Somalia werden die Islamisten Tag für Tag stärker – das gilt vor allem für Mogadischu und die angrenzenden Regionen. Sie kontrollieren weite Bereiche der Wirtschaft und einen Großteil der Schulen, vor allem die Koranschulen. Diese islamistischen Gruppen sind bestens organisiert und haben jede Menge Geld. Ich weiß nicht, wo das herkommt, ob von Al Qaida oder anderen Gruppen. Ich bin mir aber sicher, dass diese islamistischen Gruppen weiteren Zulauf haben werden, wenn wir nicht bald aus der politischen Sackgasse kommen und sich diese chaotische Lage beruhigt. "

Die "International Crisis Group" teilt Omar Olads Sorge. Diese internationale Organisation analysiert Kriege und Konflikte, um Strategien für deren Lösung zu finden. Sie ist davon überzeugt, dass sich in Somalia eine neue Terrorgruppe mit Verbindungen zu Al Qaida etabliert hat. Die Zelle mit Sitz in Mogadischu werde von einem Extremisten geführt, der in Afghanistan ausgebildet wurde, meldete die "International Crisis Group" im Juli in Nairobi. Washington verdächtigt Al Ittihad Al Islamia bereits seit dem 11. September 2001 der Zusammenarbeit mit Al Qaida. Seitdem haben die USA ihren Anti-Terrorkampf in Somalia massiv verstärkt. Die "International Crisis Group" schreibt über die Situation in dem ostafrikanischen Land:

"Abseits der Fernsehscheinwerfer wird in Somalia ein verborgener, schmutziger Krieg geführt. Schauplatz sind die von Schutt übersäten Straßen der zerstörten Hauptstadt dieses Landes, das seit Jahren ohne Regierung ist. Dort führen Anhänger von Al Qaida, Extremisten des Heiligen Krieges, äthiopische Geheimdienste und vom Westen gestützte Terroristenjäger einen Schattenkrieg. Sie kämpfen mit Methoden wie Einschüchterung, Entführung und Mord um die Vorherrschaft. "

Die Islamisten treten auf der politischen Bühne immer selbstbewusster auf. Zu den Gegnern des Präsidenten gehört auch Sheikh Hassan Dahir Aweys. Er gilt als einer der Gründer der Terrororganisation Al Ittihad Al Islamia und steht deshalb auf der Fahndungsliste der Amerikaner. In Mogadischu wechselt er deshalb ständig seinen Aufenthaltsort, ist aber trotzdem zu einem Interview bereit. Die Verbindungen zur Al Ittihad weist er zurück – es gebe diese Gruppe nicht. Doch aus seiner Feindschaft zu Abdullahi Yusuf Ahmed, dem somalischen Präsidenten, macht er Dahir Aweys kein Geheimnis:

"Jedes Land braucht eine Regierung. Alle Somali brauchen eine Regierung. Das einzige Problem ist das Prinzip: Was für eine Regierung brauchen wir? Alle Somali sind Muslime, deshalb brauchen wir eine islamische Regierung. Wir werden Abdullahi Yusuf nicht bekämpfen, aber hinter ihm stehen andere, mit denen wir kein gutes Verhältnis haben, zum Beispiel Äthiopien. Wenn Yusuf also mit diesem Staat kooperiert – nun, dann werden wir vielleicht keinen Krieg gegen ihn führen, aber es könnte eine Opposition geben. In Zukunft werden sich also zwei Dinge als Problem erweisen: Dass unsere jetzige Regierung nicht islamisch ist, und dass Yusuf von Äthiopien unterstützt wird – einem Staat, der unser Feind ist. Und sollten äthiopische Truppen somalischen Boden betreten – dann werde ich gegen sie Krieg führen. "

Nach Informationen der Vereinten Nationen werden ihm die Waffen dafür bereits geliefert. In den vergangenen Monaten reiste der Sheikh mehrmals nach Zentralsomalia. Die UN vermuten, dass er dorthin verschwand, um Milizionäre der Al Ittihad oder anderer bewaffneter Gruppen zu trainieren. Doch der Sheikh will nicht nur Milizen mobilisieren – er droht mit einem Guerillakrieg und nennt als Vorbild Mao Tse Tung.

"Meine Feinde können mich von mir aus einen Terroristen nennen. Aber das Volk wird in mir einen Helden sehen. "

Was immer der Sheikh aus seiner vollmundigen Drohung macht – verarmt und hoffnungslos, wie viele Somali sind, wächst ihr Bedürfnis nach Helden.

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