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StartseiteCorsoBungeejumpen ohne Seil13.03.2020

Indiepopband Fortuna EhrenfeldBungeejumpen ohne Seil

Martin Bechler geht im Pyjama auf die Bühne und hat sein Indiepop-Projekt Fortuna Ehrenfeld erst mit Mitte 40 gegründet. Vielleicht sieht er ja deshalb die aktuellen Konzertabsagen gelassen. "Nur so können wie wir alle wieder zu einem normalen Spielbetrieb zurückfinden", sagte der Kölner im Dlf.

Martin Bechler im Corsogespräch mit Bernd Lechler

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(Sebastian Igel)
Die Lit.Cologne entfällt, also auch sein Auftritt: Martin Bechler von Fortuna Ehrenfeld (Sebastian Igel)
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Geplant war ein (ausverkaufter) Auftritt von Fortuna Ehrenfeld beim Literaturfestival Lit.Cologne. Ein moderierter Soloauftritt, bei dem Martin Bechler, Sänger und Macher der Band, mit der Journalistin und Autorin Marion Brasch über Inhalte und Entstehung seiner Songs sprechen wollte. Aber Corona kam dazwischen. Das Konzert werde nachgeholt, verspricht Bechler, betont aber bei aller anfänglichen Enttäuschung: "Es geht jetzt hier um Größeres als um meine Befindlichkeit."

Dass der Endvierziger seine Sangeskarriere erst sehr spät begonnen hat - nach Studium der Musikwissenschaft und Tätigkeit als Toningenieur oder Produzent - hält er eher für einen Vorteil: "Überleg mal, wieviele junge Leute Anfang 20 in diesem Business verheizt werden, denen man Möhren vor die Nase hängt wie Ruhm und Geld - ich fühle mich genau im richtigen Alter, um das gelassen anzugehen."

Haltung und Leidenschaft statt Perfektion

Gilt das auch für Bühnenauftritte, steht man nach 300 Konzerten binnen weniger Jahre noch unter Strom vorher? "Auf angenehme Weise", sagt Bechler, "deswegen macht man's ja. Das ist wie ein Bungeejump, nur ohne Seil." Er sei trotzdem noch nie wirklich nervös gewesen vor Auftritten - vor allem, weil er keine Angst vor Fehlern habe. Unsere Kunst muss nicht in Perfektion aufgeführt werden, die muss mit Haltung und Leidenschaft aufgeführt werden, sonst ist sie fürn Arsch."

Und eben mit Gelassenheit. Auch Bechlers Begleitmusiker haben schon bewundernd von seinem reichen Ideenvorrat erzählt - er selbst betont, dass er nie unter Ergebnisdruck stehe: "Ich setze mich hin, wenn ich Bock habe, und wenn ich keinen Bock habe, dann setze ich mich auch nicht hin. Dann gehe ich Fußballspielen."

Dialog und Reibung. Und als nächstes ein Buch

Wenn er aber Bock hat, dann lässt er wie letzten Sommer neben einer Tour auch noch seine Songtexte von einer Freundin ins Französische übertragen und nimmt ein ganzes Album in der Nachbarsprache auf. Eine Tour mit einem namhaften französischen Chansonnier sei geplant, eine zunächst skeptische Reaktion des französischen Publikums durchaus eingeplant. Macht nichts. "Da geht es nicht darum, mich abfeiern zu lassen, sondern darum, den Dialog zu suchen und vor allem auch die Reibung zu suchen."

Was nochmal die Corona-Zwangspause betrifft: Er habe sich schon immer breit aufgestellt, um Krisen überstehen zu können, sagt Bechler. Im Moment zum Beispiel schreibe er an einem Buch. "Jetzt habe ich endlich mal Zeit, mich dem zu widmen. Die ersten sieben Kapitel sind fertig, am Montag geht's mit Kapitel acht weiter."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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