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IndustriepolitikEU will Abhängigkeit von Chipproduzenten in Asien verringern

Ein Halbleiter. (imago / Imaginechina-Tuchong)
Ein Halbleiter. (imago / Imaginechina-Tuchong)

In der Autoindustrie schrillen die Alarmglocken. Bei Daimler, Audi und Ford stehen die Fließbänder still, Mitarbeiter werden in Kurzarbeit geschickt, weil es Verzögerungen bei Halbleiter-Lieferungen aus Asien gibt. Die EU-Kommission will deshalb modernste Chip-Fabriken in die Europäische Union holen.

Das geht aus Plänen für die EU-Industriestrategie hervor, die heute in Brüssel vorgestellt werden sollen. EU-Kommissar Breton strebt demnach an, den europäischen Anteil an der weltweiten Chipproduktion mittelfristig auf 20 Prozent zu verdoppeln. Dem Vernehmen unterstützen 22 EU-Mitgliedstaaten die Initiative für den Ausbau lokaler Produktion.

Gründe für die Lieferprobleme

Die Hersteller arbeiten am Rande ihrer Kapazitäten. In Texas mussten Fabriken Anfang des Jahres wegen der strengen Kälte und Stromausfällen pausieren, in Japan brannte ein Chipwerk teilweise aus, in Taiwan herrscht eine schlimme Dürre, wovon die wasserintensive Mikrochipherstellung betroffen ist. Zudem gibt es zu wenig Fabriken. So will zum Beispiel der weltgrößte Chip-Auftragsfertiger TSMC mit Sitz in Taiwan in den kommenden drei Jahren 100 Milliarden Dollar in den Ausbau der Fertigung stecken. Trotzdem dürfte die Knappheit an Mikrochips bis Ende 2022 anhalten, heißt es.

Zum einen gibt es eine wachsende Nachfrage von Herstellern der Unterhaltungselektronik. Allein Apple fragt so viele Chips nach wie die gesamte Autobranche. Zum anderen wandelt sich auch dort die Nachfrage. Wie das "Handelsblatt" berichtet, verfügen herkömmliche Autos über bis zu 150 Halbleiter, moderne Elektrofahrzeuge hingegen über bis zu 3.000. Ifo-Expertin Anita Wölfl krisisierte in der "Augsburger Allgemeine", dass "die Automobilbranche einen der wesentlichen Nachfragetreiber in dem Prozess, die Elektromobilität, zu lange unterschätzt" habe. Volkswagen kündigte bereits an, neben der Software für selbstfahrende Autos auch die dafür nötigen Hochleistungschips selbst zu entwickeln. Diese könnten womöglich in Europa gebaut werden, wenn sie wettbewerbsfähig sind.

Weltweiter Wettbewerb um Chipfabriken

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, strebt der US-Konzern Intel staatliche Hilfen in Höhe von acht Milliarden Euro für den Bau einer Fabrik in Europa an. Als möglichen Standort brachte Intel-Chef Pat Gelsinger im Gespräch mit der Zeitschrift "Politico" den Standort Deutschland ins Gespräch. Sein Unternehmen habe sowohl die USA als auch die europäischen Regierungen aufgefordert, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Chipproduktion dort im Wettbewerb mit Asien bestehen könne, sagte Gelsinger.

Auch in den USA ist die rechtzeitige Versorgung mit Computerchips eine strategische Frage. Mitte April hatte die Regierung führende Manager zu einem Krisengipfel eingeladen. Präsident Biden sagte zu, die heimische Halbleiterproduktion und mit Subventionen zu unterstützen.

Diese Nachricht wurde am 05.05.2021 im Programm Deutschlandfunk gesendet.