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StartseiteUmwelt und VerbraucherVon Glyphosat und anderen Chemikalien19.04.2016

Industrieverband Agrar IVA zieht BilanzVon Glyphosat und anderen Chemikalien

Bei der umstrittenen Neuzulassung des Unkrautvernichters Glyphosat gehen die Meinungen auseinander. Die Agrarminister der Bundesländer wollen das Mittel aus Privathaushalten verbannen. Der Industrieverband Agrar IVA beklagt hingegen eine Dramatisierung in Meldungen über Glyphosat in Muttermilch und Bier.

Von Michael Braun

Ein Schmetterling sitzt auf einer Blume vor einer Plastikflasche mit der Aufschrift "Roundup". (imago / Steinach)
Glypohosat hatte Monsanto auf den Markt gebracht und unter dem Namen Roundup vertrieben. (imago / Steinach)
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Die Landwirte klagen: Die Preise für Schweinefleisch Milch und Getreide sind unter Druck. Die Bauern müssen sparen, auch an den Betriebsmitteln. Dass der Schädlingsbefall zuletzt geringer war, kam ihnen zupass. Die Agrarchemieindustrie, die Dünge-, und Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel herstellt, merkt es auch. Nach fünf Jahren Wachstum sank ihr Umsatz beim Pflanzenschutz voriges Jahr, zwar nur leicht, um ein halbes Prozent auf knapp 1,6 Milliarden Euro. Mineraldünger konnte sie bis März dieses Jahres zehn Prozent weniger losschlagen.

Es lag wohl hauptsächlich an normalen konjunkturellen Schwankungen, diesmal nach unten, verstärkt durch sinkende Lebensmittelnachfrage zum Beispiel aus Russland und auch China. Doch die Branche nutzt die Daten, um etwa in der Glyphosat-Debatte Druck zu machen. Vorwürfe, das stark verwendete Herbizid sei in Muttermilch und Bier nachgewiesen worden, lassen Helmut Schramm, dem Bayer-Manager und Präsidenten des Industrieverbandes Agrar, immer noch den Kamm schwellen:

"Nehmen wir das Beispiel Muttermilch. Da wurde eine Methode angewandt, die für Milch, also für fetthaltende Flüssigkeiten nicht geeignet ist. Das BFR, das Bundesinstitut für Risikoforschung, hat das dann sehr schnell klargestellt. Und selbst dann, wenn die Methode richtig gewesen wäre, mit den minimalen Rückständen, die man gefunden hätte, müsste ein Säugling pro Tag über 2.700 Liter Muttermilch trinken, um überhaupt in den Gefahrenbereich zu kommen."

Zulassung für Glyphosat verlängern?

Ähnlich beim Bier. Das Ärgerliche für die Branche: Auch Falschmeldungen blieben hängen, erregten die Bevölkerung, beeinflussten dadurch die Politik. Schramm redet über die Nachteile, die der, wie er sagt, "Zulassungsstandort" dadurch erleide:

"Das kann dazu führen, dass wir letztendlich dann in Deutschland, in Europa wenige Wirkstoffe zur Verfügung haben, weniger Pflanzenschutzmittel. Das kann auch dazu führen, dass wir als Industrie zum Teil abwandern. Das haben wir auch schon getan."

Andere empfinden dass nicht als Drohung. Die Weltgesundheitsorganisation meint immer noch, Glyphosat könne beim Menschen wahrscheinlich Krebs auslösen. Dem BUND fehlen immer noch Untersuchungen zur Langzeitwirkung von Glyphosatbestandteilen im menschlichen Körper. Der Naturschutzbund Deutschland kritisiert die Breitbandwirkung des Herbizids. Es gefährde zahlreiche Organismen, denen die Wildkrautflora fehle und damit ihre Nahrungsquelle. Organisationen wie diese plädieren deshalb dafür, die gerade ausgelaufene Zulassung für Glyphosat nicht zu verlängern. Verbandspräsident Schramm ist namens seiner Industrie gänzlich anderer Meinung:

"Wir hoffen und wir gehen davon aus, dass der Wirkstoff für 15 Jahre verlängert wird. Das ist auch der Vorschlag der EU-Kommission. Jetzt gab es vor Kurzem, letzte Woche, noch mal im europäischen Parlament den Vorschlag, die Zulassung auf sieben Jahre zu begrenzen. Wir meinen jedoch, dass hier Vernunft walten wird, dass Wissenschaft und Sachverstand gewinnen werden und dass die Zulassung für 15 Jahre kommt."

Glypohosat hatte Monsanto auf den Markt gebracht und unter dem Namen Roundup vertrieben. Das Patent des amerikanischen Pflanzenschutzkonzerns ist allerdings ausgelaufen. Viele andere Hersteller verkaufen den Wirkstoff nun als Nachahmerprodukt. Zum Credo der 49 Pflanzenschutzproduzenten im Verband gehört, dass es ohne ihre Produkte nicht gehe und schon die Hälfte der Weltbevölkerung, 3,2 Milliarden Menschen, von Nahrungsmitteln lebe, die durch Mineraldüngung erzeugt worden sein.

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