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Startseite@mediasresCorona-Verschwörungen vom Fitnesscoach14.10.2020

Influencer bei YoutubeCorona-Verschwörungen vom Fitnesscoach

Das Spektrum der Menschen, die Falschinformationen über das Coronavirus verbreiten, ist groß. Auch manche Influencer verharmlosen auf Youtube, Instagram und Co. die Corona-Pandemie - wohl auch aus geschäftlichem Interesse, vermutet die Journalistin Karolin Schwarz im Interview.

Karolin Schwarz im Gespräch mit Mirjam Kid

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Das Foto zeigt mehrere Kapseln, die jeweils viele kleine Pillen beinhalten. (dpa / picture alliance / imageBROKER / Bernard Jaubert)
Der Influencer "Coach Cecil ist der Ansicht Vitaminpräparate könnten vor dem Coronavirus schützen - dafür gibt es allerdings keine Belege. (dpa / picture alliance / imageBROKER / Bernard Jaubert)
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"Coach Cecil" ist einer von vielen Fitness-Influencern. Auf seinen Kanälen zeigt er aber nicht nur Übungen, er gibt auch Ernährungstipps und bewirbt Vitaminpräparate in seinem eigenen Onlineshop. Allein auf seinem Youtube-Kanal hat er 235.000 Abonnenten. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie äußert sich auch politisch: Er verharmlost das Coronavirus und hetzt gegen Journalisten, Politiker und Wissenschaftler.

Die Journalistin Karolin Schwarz beschäftigt sich in Ihrer Arbeit mit Verschwörungsmythen und rechte Propaganda im Internet. Sie vermutet auch geschäftliche Interessen bei "Coach Cecil" und anderen Influencern, die das Coronavirus verharmlosen.

Mirjam Kid: Warum springen denn Influencer wie "Coach Cecil" auf diesen Corona-Verschwörungszug auf?

Karolin Schwarz: Also zunächst muss man sagen, dass es ist ein großes Potenzial von Menschen, die an Verschwörungserzählungen glauben, in der Gesamtbevölkerung gibt. Insofern ist eben auch so, dass auch in diesen Bereichen der Gesellschaft Leute auftreten, die daran glauben und die auch ideologisch offenbar vollkommen dahinterstehen.

Jetzt ist es auch so, dass bei vielen Influencern, eben auch bei "Coach Cecil", ist es so, dass sie eben auch Lebensentwürfe verkaufen. Und dazu gehören Reisen und verschiedene Formen der finanziellen und sonstigen Unabhängigkeit. Und insofern bedroht die Pandemie ja auch deren Lebensentwürfe in gewisser Weise und auch die Schutzmaßnahmen, die getroffen werden. Das entschuldigt das Ganze nicht, aber es ist eben auch einer der Gründe.

Und dann gibt es wiederum auch noch Fälle, bei denen geht es einfach um Geld und zwar gibt es einige, die sich in den vergangenen Monaten ja da einen Markt erschlossen haben. Gerade verschwörungsgläubige Influencer die Nahrungsmitte,l Nahrungsergänzungsmittel verkaufen, das heißt: Vitaminpräparate in irgendeiner Form auch insofern verkaufen, dass sie sagen, das würde gegen eine Infektion helfen oder dafür sorgen, dass das eben weniger schlimm verlaufen würde.

Und es gibt auch Coachings und Bücher, die man reichlich findet, also ein großer Teil, der eben mit möglichen Erfolgsversprechen finanzieller Natur einhergeht. Und in anderen Fällen ist es aber auch schon wieder so, dass diese Hinwendung zu Verschwörungsideologien auch dazu führen kann, dass Einnahmen ausbleiben, also Sponsoren, die die Zusammenarbeit aufkündigen. Je nach Reichweite kann man eben doch einige Tausend Euro verdienen mit einem Instagram-Post zum Beispiel und das auch Youtube-Kanäle demonetarisiert. Also, man muss schauen, da gibt es verschiedene Mittel und Wege Geld zu verdienen, aber man kann eben durchaus auch Geld verlieren.

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Kid: Okay, das heißt, ideologische Überzeugung, können dahinterstecken, aber eben auch Marketinggründe wegen höherer Klickzahlen. Oder weil man dann selber zum Beispiel sagt: "Naja, die Regierung geht irgendwie nicht richtig gegen Corona vor, aber ich weiß, was wirklich hilft, nämlich Nahrungsergänzungspräparate und die verkaufe ich euch. Und das ist ja auch das, was Coach Cecil, glaube ich, macht, jedenfalls habe ich solche Werbevideos auch bei ihm auf YouTube gesehen.

Schwarz: Genau, also er verkauft verschiedene Dinge in seinem eigenen Laden, auf die er immer wieder verlinkt, auch unter seinen Youtube-Videos zum Beispiel. Es gibt zusätzlich auch Amazon Affiliate-Links, also das heißt, er verlinkt verschiedene Amazon-Produkte auf seinen Youtube-Videos und wird eben, wenn Menschen dort einkaufen, daran beteiligt. Also es ist eine Mixtur aus ganz verschiedenen Möglichkeiten, dort Dinge zu kaufen, auch Coachings zu kaufen von ihm zum Beispiel.

Kid: Wir sprechen ja auch immer von rechten Netzwerken, die mit Geld solche Verschwörungsmythen im Internet pushen und unterstützen. Werden solche Influencer, Influencerinnen und B-Promis denn auch gezielt angeworben? Fließt da Geld oder gibt es da Vernetzung im Hintergrund, von der man noch nicht so viel weiß?

Schwarz: Man weiß tatsächlich einfach noch nicht so viel. Also es gibt, wie gesagt, diese verschiedenen Möglichkeiten Geld zu verdienen, das ist auch allen Beteiligten klar und da klärt man sich auch gegenseitig darüber auf. Es gibt natürlich auch Netzwerke, eher lose Netzwerke. So kann man sich das vorstellen diejenigen, die als Stichwortgeber auftreten, als so Verschwörungsinfluencer vor allem auch die sind untereinander sehr gut vernetzt. Und die suchen zum Beispiel auch den Kontakt zu Menschen, die Zweifel an der Gefährlichkeit der Pandemie oder an den Schutzmaßnahmen geäußert haben. Und die werden dann eben entsprechend gezielt angesprochen, weil eben ein wichtiger Aspekt hier auch ist, dass man sich als Verschwörungsgläubige, auch als der derjenige sieht, er die Wahrheit erkannt hat und eben auch andere dazu bringen will, diesen Empfehlungen zu folgen.

33D-Modell des Coronavirus SARS-CoV2 (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte) (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Kid: Wie funktioniert das denn? Wie wird man denn da angesprochen?

Schwarz: Letztendlich ist das vor allem über verschiedene Online-Kanäle der Fall. Man kann sich das vorstellen, wie es auch sonst wäre, wenn man Kontakt aufnimmt. Also das geht vom Kommentar auf YouTube bis zur Ansprache über Telegram-Kanäle, die ja an Bedeutung gewonnen haben, auch in den letzten Wochen und Monaten - ganz verschiedene Mittel und Wege. Und man hört auch immer wieder das eben Leute, die gerade erst zumindest öffentlich zu diesen Verschwörungserzählungen bekannt haben, dass die sehr den Kontakt gesucht haben zu eben den Menschen, die, die diese Dinge verbreiten oder eben diejenigen wiederum auch Kontakt gesucht haben.

Also natürlich geht das auch in alle Richtungen, und man muss es vor allem auch global betrachten, das heißt, es sind Dinge aus den USA, die in Deutschland verbreitet werden und umgekehrt. Viele Verschwörungsinfluencer die im deutschsprachigen Raum aktiv sind, wohnen auch gar nicht in Deutschland. "Coach Cecil" zum Beispiel wohnt in Dubai. Eva Herman als einstige Journalistin und Tagesschau-Sprecherin, die wohnt in Kanada. Andere wohnen in Spanien oder auf den Philippinen und die haben natürlich auch wiederum ganz andere Netzwerke. Also das ist tatsächlich nichts, was man nur auf Deutschland bezogen betrachten sollte.

Kid: Natürlich werfen diese Influencerinnen, Influencer kritische Fragen zu Corona, Corona-Maßnahmen auf, und sich damit kritisch auseinanderzusetzen, ist ja auch richtig, aber wie kann man als Nutzerin, Nutzer solcher Verschwörungsmythos-Videos unterscheiden von jetzt tatsächlich wissenschaftsbasierten, kritischen Videos?

Schwarz: Kritik ist wichtig, aber man muss eben schauen, welche Quellen werden genutzt. Werden nur Quellen genutzt, die das eigene Weltbild bestätigen und nicht infrage gestellt werden. Hinterfragen die sich auch zum Beispiel selbst. Sind es veraltete Informationen oder Informationen, die komplett aus dem Zusammenhang gerissen werden. Und man muss sich anschauen, welche vermeintlichen Experten herangezogen werden und welches Renommee, die auch letztendlich haben. Also beschäftigen Sie sich wissenschaftlich mit dem Feld, haben sie dazu publiziert und werden sie wahrgenommen in der Wissenschaftswelt, unglaublich wichtig in dem Zusammenhang.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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