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StartseiteCampus & KarriereDeutsches Bildungsministerium sorgt für Zoff in Rumänien10.09.2015

InformationswebsiteDeutsches Bildungsministerium sorgt für Zoff in Rumänien

Das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft informiert auf einer Internetseite in acht Sprachen darüber, wie ausländische Berufs- und Hochschulabschlüsse in Deutschland anerkannt werden können. Eigentlich ein guter Service, aber vor Ort in Rumänien kommt die Seite gar nicht gut an.

Von Thomas Wagner

Lehrling und Meister in der Werkstatt. (picture alliance / dpa/ Sebastian Kahnert)
Darf ein bulgarischer Bauingenieur mit seinem Abschluss zwischen Flensburg und Bodensee so ohne weiteres einen Job annehmen? (picture alliance / dpa/ Sebastian Kahnert)

"Besonders die Schüler, die an einer deutschen Schule waren ... naja, selbstverständlich denken wir an Deutschland – und ans Ausland."

Sandra Pup studiert im westrumänischen Temeswar Medizin. Auch sie denkt über einen Job in Deutschland nach.

"Es ist besser finanziell dort. Die Systeme funktionieren besser dort im Unterschied zu Rumänien, wo alles ein bisschen problematisch ist, auch Bildung, auch Medizin, alles."

Nicht weniger als zwei Millionen Rumäninnen und Rumänen, vom ungelernten Hilfsarbeiter bis hin zum Ingenieur und zum Uni-Professor, haben in den vergangenen Jahren ihre Heimat verlassen, um in Westeuropa zu arbeiten - ein beispielloser Aderlass an Arbeitskräften. Und nun auch noch das. Eine Website im Internet auf Rumänisch:

"Sie haben eine Ausbildung in Deutschland gemacht und möchten nun in Deutschland in Ihrem Bereich arbeiten? Dann können Sie auf Wunsch Ihren Titel anerkennen lassen."

"Recunoastere in Germania"heißt diese Website. Zu Deutsch: Anerkennung in Deutschland. Herausgeber: Das Bundesbildungsministerium in Berlin. Auf der Seite wird ausführlich erklärt, ob und wie rumänische Berufs- und Hochschulabschlüsse in Deutschland anerkennt werden können. Toller Service, möchte man meinen. Aber: Vor Ort, in Rumänien, kommt das alles gar nicht gut an.

"Ja, sicher sind wir da nicht begeistert."

Fachkräftemangel in Rumänien

Peter Hochmuth ist Präsident des deutschsprachigen Wirtschaftsclubs im westrumänischen Timisoara – eine Region, die seit Jahren wirtschaftich boomt, in der sich besonders viele deutsche Investoren niedergelassen haben. Aber es fehlt vor allem an einem: an Fachkräften.

"Arbeitslosigkeit existiert hier nicht. Im Gegenteil: Hier werden Arbeitskräfte verzweifelt gesucht. Die Unternehmen finden keine verfügbaren Leute mehr."

Vor diesem Hintergrund empfinden gerade deutsche Investoren die Web-Kampagne des Bundesbildungsministeriums als wenig hilfreich. Denn dadurch würden noch mehr Fachkräfte als ohnehin schon ermutigt, nach Deutschland zu gehen.

"Ich finde das nicht nur eine überflüssige Aktion, ich finde sie auch extrem negativ", so Alfred Barth, Unternehmer aus dem oberschwäbischen Biberach.

Er betreibt schon seit Mitte der 90er-Jahre eine Fabrik für Metallverarbeitung im Westen Rumäniens. Die Info-Plattform "Anerkennung-in-Deutschland.de", so seine Kritik, spreche vor allem jene Fachkräfte an, die in den Betrieben deutscher Investoren ausgebildet worden sind.

"Die Ausbildungen, die wir hier machen, sind umfassend. Wir bezahlen die Lehrer. Wir bezahlen den Schülern ein volles Gehalt, kein Lehrlingsgehalt, sondern ein volles Gehalt, damit wir die überhaupt haben. Und wenn sie dann soweit sind, dann tut es immer weh, wenn diese jungen Leute weggehen. Und leider ist es so, dass die wenigsten wieder kommen."

Wenn das Bundesbildungsministerium diesen Trend durch seine Info-Kampagne noch verstärke, falle die Bundesregierung ausgerechnet den deutschen Investoren in Rumänien in den Rücken.

Stellungnahme des Ministeriums

Ein Ministeriumssprecher in Berlin weist die Vorwürfe zurück. Die Kampagne richte sich zwar durchaus an junge Zuwanderer, gesteht er ein. Es gehe aber ausschließlich um Informationen zur Anerkennung der Berufsabschlüsse, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme:

"Dabei hat das Bundesbildungsministerium ausschließlich Personen im Blick, die sich bereits entschieden haben, nach Deutschland auszuwandern. Ihre Chancen, möglichst rasch eine ihrer Qualifikation entsprechende Beschäftigung zu finden sollen gesteigert werden. Es ist somit dezidiert nicht das Ziel des Portals, Fachkräfte anzuwerben."

Das ist für die Unternehmen vor Ort ein schwacher Trost: Mag die Info-Kampagne auch nicht dezidiert das Ziel haben, Fachkräfte anzuwerben – sie stelle eben genau dafür einen weiteren Anreiz dar. Folge: Eine weitere Verschärfung des Fachkräftemangels. Medizinstudentin Sandra Pup:

"Man verliert selbstverständlich Ärzte, man verliert Arbeitskräfte, nicht nur in diesem Bereichen, sondern in allen Bereichen. Alle gehen weg."

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